Topps und Flopps der Schulreformen

In der Schule wird reformiert, reformiert und reformiert. Und es wird gemeckert, kritisiert und protestiert. Zum Teil zurecht, zum Teil zu Unrecht. Dies ist ein Versuch, eine Übersicht über die tollen Projekte und die Probleme zu erstellen.

Topp sind:

  • Grundstufe: Der Schnitt zwischen Kindergarten und Schule wird abgeschafft. Ein Grundstufe, die Kindergarten und erste Klasse zusammenfasst, nimmt mehr Rücksicht auf den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes. Kinder, die bereit sind, werden schon früh beim Lesen- und Rechnenlernen unterstützt, und andere, die noch nicht bereit sind, erhalten mehr Zeit.
  • Frühe Einschulung: In der Schweiz wird vergleichsweise spät eingeschult. Kinder von bildungsfernen Eltern sind dadurch schon von vornherein handicapiert. Eine frühe Einschulung gibt ihnen mehr Chancen und vergrössert den Erfahrungsraum für alle Kinder.
  • Fremdsprachen: In der heutigen Welt sind Sprachen wichtig. Man lernt sie in jungen Jahren am einfachsten.
  • Intergrative Förderung: Die Separierung von schwachen Schülern schliesst diese aus. Eine Integration in die Regelklassen gibt ihnen mehr Chancen (aber: siehe unten).
  • Blockzeiten und Tagesstrukturen: Ermöglicht den Eltern zu arbeiten und lässt die Kinder den Mittag nicht mit Pommes Chips vor dem Fernseher verbringen.
  • Das Fach «Menschen, Religionen, Kulturen»: Religionsunterricht hat in der Schule nichts mehr verloren. Verschiedene Religionen und Kulturen kennenzulernen ist aber wichtig in einer klein gewordenen Welt.

Die grössten Flopps sind:

  • Es herrscht Lehrmittelnotstand: Brauchbare Lehrmittel für individuellen Unterricht und für schwächere Schüler sind Mangelware. Lehrpläne werden umgestellt, ohne die nötigen Lehrmittel zur Verfügung zu stellen. Das erfordert einen unnötigen Mehraufwand für die Lehrpersonen.
  • Gute Projekte mit zuwenig finanziellen Mitteln: Zum Beispiel die Integrierte Föderung gelingt deshalb nicht wunschgemäss, weil den Lehrpersonen die Zeit für den Mehraufwand nicht zur Verfügung gestellt wird. Solche Projekte dürften ohne solide Finanzierung nicht durchgeführt werden.
  • Zuwenig intensives Fremdsprachenlernen: Zwei Fremdsprachenlektionen pro Woche sind zu wenig. Lieber später mit der Fremdsprache beginnen, dafür mindestens doppelt so intensiv.
  • Die gegliederte Sekundarschule ist zuwenig durchlässig, Auf- und Abstiege die Ausnahme.
  • Grössere Klassen: Dumme Sparübung, die Lehrpersonen belastet und die Schwierigkeiten verschärft.
  • Praxisferne Schulevaluationen, die die Bemühungen der Lehrpersonen nicht ernst nehmen und sie nicht unterstützen.
  • Steigender administrativer Aufwand für die Lehrpersonen.
  • Es fehlt eine konsequente Integration von neuen Medien in den Unterricht und das Lernen des Umgangs mit ihnen.

Und die doofsten Kritiken:

  • «Kuschelpädagogik von Alt-68ern»: Hat mit heutiger Pädagogik überhaupt nichts zu tun. Allenfalls mit vereinzelten schwachen Lehrpersonen. Das hat nun sogar die SVP gemerkt.
  • «Disziplin und Ordnung»: Damit ist ein Bild von Frontalunterricht verbunden, das überholt ist. Individualisierter Unterricht erscheint weniger geordnet, erfordert aber von den Schülern viel Selbstdisziplin. Diese hat einen hohen Stellenwert. Das hat die SVP (noch) nicht gemerkt.

Einige der Punkte betreffen nur den Kanton Zürich.

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