Komplizierte Billettpolitik ist kundenfeindlich

Fast ebenso wichtig wie billige öV-Billete sind einfache öV-Billette. Die Tarifstruktur ist heute schon viel zu kompliziert, und die SBB denkt über eine weitere Verkomplizierung nach.

Ich will jederzeit in einen Zug steigen, ohne mir Gedanken über verschiedene Preistrukturen und mögliche Varianten für ein günstiges Billett machen zu müssen. Das ist Freiheit. Ein einfaches Billettsystem sind ein grosses Kundenbedürfnis. Darum laufen auch die GAs so gut. Es ist ein wichtiges Mittel im Konkurrenzkampf gegen den Personenwagen. Aber den SBB scheinen Kundenbedürfnisse mehr und mehr egal zu sein. Schliesslich sind die Züge ja sowieso voll. Aber: So verspielen sie rasch den Kredit in der Kundschaft.

Die SBB würden besser an der Verringerung der Ausfälle des Rollmaterials («Dieser Zug fährt heute nur mit einer Komposition») und an intelligenten Billetautomaten arbeiten, die alternative Tickets vorschlagen. Ausserdem könnten sie die Vergünstigungen für die kaufkräftigen Rentner aufheben. Und dort, wo sie noch nicht an den Kapazitätsgrenze angelangt ist, wenigstens genügend Plätze anbieten (z.B. während RS-Zeiten am Sonntagabend zwischen Zürich und Bern).

Eine weitere Verkomplizierung der Preisstruktur und eine Einschränkung der Billettgültigkeit sind das Letzte, das die gepeinigte Kundschaft brauchen kann.

3 Gedanken zu „Komplizierte Billettpolitik ist kundenfeindlich“

  1. Stimmt, das Tarifsystem ist heute schon viel zu kompliziert. Kundenfreundlich würde ich es nennen, wenn man schlicht ohne Billete in die Züge einsteigen könnte. Man würde einfach einen Chip auf sich tragen, der die gefahrenen Bahn-Kilometer aufzeichnet und an ein System weiterleitet. Die Idee wurde in der SBB-Spitze tatsächlich mal diskutiert: Ich hatte darüber als Journalist berichtet. Es war vor über 15 Jahren… offensichtlich hat man sich bei den SBB für einen kundenfeindlicheren Weg entschieden.

  2. Ja, das Projekt wurde aufgegeben. Aus welchen Gründen weiss ich auch nicht genau. Es stellen sich da natürlich immer Fragen des Datenschutzes, der Überlistungsmöglichkeiten und des finanziellen Aufwandes.

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