Finanzexperten sind auch nur Menschen

Es ist eine Freude, jetzt nochmals ältere Zeitungen hervorzunehmen und die Verlautbarungen von «Experten» zur Finanzkrise zu lesen. Da haben sich manche zu Experten aufgespielt, ohne eine Ahnung zu haben.

Zitate der Zürcher Kantonsrats-Sitzung vom 19. Mai 2008 (via):

Robert Marty (FDP): «In typisch sozialistischer Vollkasko-Mentalität wird im Voraus nach staatlichen Lösungsvorschlägen für Probleme gerufen, von denen weder klar ist, dass sie je eintreten, noch weshalb ausgerechnet dafür auf Vorrat staatliche Lösungen zu finden sind.»

Lucius Dürr (CVP): «Es wird einmal mehr herbeigeredet, es gäbe eine totale Finanzmarktkrise, was ja so nicht stimmt… Die Branche, insbesondere die Finanzbranche, ist in der Lage, ihre Probleme grundsätzlich selber zu lösen. Ich selber bin ja im Finanzmarkt engagiert, ich sehe die Verhältnisse.»

Zitat aus der Weltwoche an dem Tag, als der Staat der UBS unter die Arme griff (via):

Gerold Bührer, Präsident economiesuisse: «Pessimisten und Liberalismuskritiker in Europa und auch in der Schweiz proklamieren bereits das Ende des Kapitalismus. Sie rufen nach massiven staatlichen Interventionen und sehen die Felle der freiheitlichen Ordnung nicht ohne Schadenfreude davonschwimmen. Dies, obwohl in der Schweiz im Gegensatz zu den USA und anderen Ländern bisher keine Steuergelder zur Rettung konkursiter Banken eingesetzt werden mussten. Und auch aus der Industrie kommen, anders als in zahlreichen Ländern, keine Subventionsbegehren. Ich bin überzeugt: Das schweizerische Bankensystem und auch der Werk- und Dienstleistungsplatz widerstehen dem Sturm einmal mehr. Die Schweizer Banken gehören zu den bestkapitalisierten Instituten der Welt.»

Und weiter: «Wenn andere verstaatlichen und zum gefährlichen Gift riesiger Subventionen greifen, so setzen wir auf Wettbewerb, Flexibilität und Anreize.»

Berner Finanzdirektor Christian Wanner am 11. Oktober in der BZ: «Wenn die UBS oder die CS ins Trudeln kommen, dann muss der Bund eingreifen, vermutlich über die Nationalbank. Denn sonst wäre der Imageverlust unvorstellbar. Die Schweiz könnte dem nicht tatenlos zusehen. Ich bin aber überzeugt, dass es nicht so weit kommen wird.»

Ich habe auch keine Ahnung. Darum schweige ich lieber zur Finanzkrise und beobachte bloss.

Ich weiss immerhin, dass jede Bank in Kürze Konkurs geht, wenn alle Kunden ihre Gelder abziehen wollen. Darum, liebe UBS-Kunden: Bitte lasst eure Gelder bei der UBS!

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