Das Schlimmste, was man einem Kind antun kann?

Sorry, dass es jetzt sehr unappetitlich wird. Doch jetzt muss man die Dinge mal benennen.

Nathalie Rickli, SVP-Nationalrätin und Befürworterin der Unverjährbarkeitsinitiative, die aus folgendem Halbsatz besteht: «Unverjährbarkeit der Strafverfolgung und der Strafe bei sexuellen und bei pornografischen Straftaten an Kindern vor der Pubertät» sagt:

Sexueller Missbrauch ist das Schlimmste, was man einem Kind antun kann.»

Was versteht ihr denn unter «pornographischen Straftaten» bzw. «sexuellem Missbrauch»? Was ist denn schlimmer als oder gleich schlimm wie Mord?

  • Ein Baby an den Geschlechtsteilen berühren, um es zu waschen / eine Salbe aufzutragen?
  • Ein Kleinkind an den Geschlechtsteilen berühren, ohne äusserlichen Zweck?
  • Ein Kind zusehen lassen, wie man masturbiert?
  • Einem Kind beim Duschen zuschauen?
  • Ein Kind beim Duschen filmen?
  • Ein Kind das Glied des Mannes anfassen lassen?
  • Den Finger in die Scheide des Mädchens einführen?
  • Das Kind zum Oralsex drängen?
  • Das Kind vergewaltigen?
  • Das Kind regelmässig vergewaltigen?
  • Das Kind vergewaltigen und es zur Geheimhaltung unter grossen psychischen Druck setzen?

Vom 2. Punkt an handelt es sich m.E. um einen Übergriff, spätestens sicher ab dem 5. Punkt handelt es sich um sexuelle Ausbeutung. Aber: Vergleichbar mit Mord sind allenfalls die letzten beiden. Diese Verbrechen können durchaus auch zu Suizid führen.
Daher ist für diese letzten Fälle eine zu Mord vergleichbare Bestrafung und Strafverfolgung angemessen, und weil sich das Kind zuerst emanzipieren muss, auch eine verlängerte Verjährungsfrist.

Für alle Übergriffe Unverjährbarkeit gelten zu lassen, wie es die Initiative zu verlangen scheint, und sie mit Mord zu vergleichen, wie es Nathalie Rickli tut, ist absolut unverhältnismässig und im Falle von Rickli reiner Populismus.

2 Gedanken zu „Das Schlimmste, was man einem Kind antun kann?“

  1. Ich erwarte die weiteren „Unverjährbarkeits“-Initiativen…

    Es ist auffällig, dass nachweislich nichts zur Prävention gegen sexuelle Übergriffe unternommen wird, sondern lieber „hinterher“ bestraft und gedroht werden soll.
    Statt die Kinder VOR-her zu informieren, sollen sie hinterher – wenn es ihnen nix mehr nützt – von der schrecklichen Sexualität erfahren, die ihnen passiert ist.. Soviele Frauen schauen einfach weg, um ihre Macker nicht zu verlieren! Wieso können Kinder nicht normal informiert und ihre Sexualität zur Kenntnis genommen werden? Damit sie sich wenigstens schon mal verbal wehren oder an ihre Mütter gelangen können?
    Da aus Erfahrung die meisten Übergriffe in der Familie „passieren“ tragen Mütter eine Mitverantwortung für ihre Partner. Sie können sich da nicht einfach heraushalten und alles auf die Männer abschieben. Aber mit einem Feindbild ausserhalb der „heiligen Familie“ kann besser Politik gemacht werden.

    Als Schwuler kenne ich dieses Totschweigen von (Homo-)Sexualität sehr gut! Mir nützt es auch nix, wenn sexuell motivierte Gewalttäter bestraft werden. Dann ist es „schon passiert“. Viel wichtiger ist mir die Sicherheit der Information in der Familie und die Information in der Gesellschaft. Aber das würde dieses Bild von idyllischer hetero Familie zerstören… Darum – siehe den Anfang oben…!

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