Ordnungsbussen für renitente Eltern

Das für mich beste Argument für die freie Schulwahl ist, dass eine Privatschule Regeln aufstellen kann und bei Verstoss durch Schüler oder Eltern diese von der Schule weisen kann. Gute Privatschulen haben ein starkes Druckmittel, das Schüler und Eltern zur Kooperation zwingt.

Die Volksschulen sind den Eltern hilflos ausgeliefert. Wenn die Eltern nicht kooperieren wollen, bleibt das Problem an den Lehrpersonen hängen. Ohne Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrpersonen lassen sich viele Probleme nicht lösen – oft verschärfen sich diese so lange, bis das Kind in der Schule untragbar wird und in ein teures Internat oder andere ausserschulische Einrichtungen überwiesen werden muss.

Das Problem lässt sich aber nicht nur durch die freie Schulwahl (die auch viele Nachteile hätte) lösen, sondern auch durch Ordnungsbussen. Schulen müssen das Recht erhalten, unkompliziert Eltern zu Büssen, die ihren Pflichten, die sie gesetzlich gegenüber der Schule haben, nicht nachkommen.

Im Kanton Zürich gibt es seit 2006 das neue Volksschulgesetz und die Volksschulverordnung, die die Elternpflichten festschreiben. Jedoch sind die Schulen machtlos gegenüber Eltern, die sich nicht daran halten. Bussen können nur vom Statthalteramt ausgesprochen werden, und dies dauert viel zu lange und ist mit grossem administrativem Aufwand verbunden.

Und was meint die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli dazu? «Die Schule sei daran interessiert, dass die Eltern kooperierten, sagt Aeppli. Der Beziehung zwischen Eltern und Schulen seien Bussenzettel darum eher nicht zuträglich.» (NZZ vom 9. Juli 2007)

Darum wird die freie Schulwahl beim Zürcher Volk grosse Chancen haben.

4 Gedanken zu „Ordnungsbussen für renitente Eltern“

  1. Wenn ein falsch parkierter Wagen einen Radstrreifen blockiert, würde ich auch gerne persönlich zum Bussenblock greifen können. Dennoch ist es richtig, dass ich den Fall nur melden kann. Das hebt zwar die Hürde, um ein solches Fehlverhalten zu ahnden, ungemein, dennoch ist diese Gewaltentrennung richtig. Das ist im Fall der Schule nicht anders.

  2. Ich bin ja kein Experte im Bussenwesen. Aber das scheint mir kein schlagendes Argument zu sein.

    Es scheint mir, dass das Statthalteramt geeignet ist, das Bussenwesen der Schulen bzw. Schulgemeinden zu beaufsichtigen, als Rekursinstanz zu dienen und Bussen über CHF 500 auszustellen. So scheint es auch bei Polizeibussen zu sein. Was nützt es, wenn jede Busse den Weg über das Statthalteramt machen muss? Das Statthalteramt kann den Sachverhalt ja nicht nachprüfen. Das ist reine Bürokratie. Mit der Folge, dass kaum Bussen ausgestellt werden. Mit der Folge, dass sehr viele Eltern nicht kooperieren. Mit grosser Kostenfolge für den Steuerzahler durch Spazialmassnahmen, sehr hoher Fluktuationsrate bei Lehrpersonen und negativem Einfluss auf das Biildungsniveau und die Chancengleichheit von ausländischen Kindern.

    Willst du das in Kauf nehmen? Oder wie sähe dein Lösungsvorschlag aus?

  3. Es wäre sicher keine gute Lösung, wenn Lehrpersonen direkt Bussen sprechen können. Und natürlich muss ein Fall überprüfbar sein, sonst wird die Sache zur reinen Willkür. Wenn keine konkrete Verfehlung bezeichnet werden kann, darf es auch kein Klagerecht geben. Diese Hürde ist mit gutem Grund im Volksschulgesetz (VSG) eingebaut. Die Schulpflege hat ein Antragsrecht ans Statthalteramt. Davon Gebrauch zu machen, drängt sich beispielsweise auf, wenn Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken. (Nicht aber, wenn sie „bloss“ ihren Erziehungsaufgaben nicht nachkommen. Dafür ist das VSG nicht zuständig.)

    Deine Kausalkette hohe Klagehürde -> viel Kooperationsverweigerung -> hohe Lehrerfluktuation ist doch etwas abenteuerlich. Die Gründe, weshalb Lehrpersonen nicht bei ihrem angestammten Beruf bleiben, sind vielfältig (und nicht in jedem Fall ist ein Berufswechsel zum Nachteil des Schulwesens.)

    Dass die freie Schulwahl im Kanton Zürich auch nur den Hauch einer Chance hat, ist nach dem Baselbieter Rohrkrepierer (79% Nein-Stimmen) kaum anzunehmen. Die Frage nach den Möglichkeiten der Elternmassregelung dürfte bei der Debatte ausserdem kaum von Belang sein.

  4. Es ist heute leider so, dass die guten Lehrer den Dienst quittieren. Und zwar en masse. Was zur Folge hat, dass mangels Alternativen viele Unfähige angestellt werden müssen.

    Als Beispiel muss die Schule m.E. an einer obligatorischen Elternveranstaltung eine Anwesenheitskontolle führen und abwesenden Eltern eine Rechnung schicken können. Dies müsste natürlich vorher klar so kommuniziert werden. Es kann nicht sein, dass Informationsveranstaltungen (notabene zur Berufswahl der Kinder) von 10% der Eltern besucht werden.

    Natürlich muss Willkür ausgeschlossen werden können. Notfalls müsste man halt die anwesenden Eltern unterschreiben lassen.

    Es hat sich gezeigt, dass das via Statthalteramt nicht funktioniert. Darum braucht es eine unbürokratischere Lösung.

    Ich sehe die Entwicklungen in der Volksschule ziemlich düster. Wenn die echten Probleme weiterhin so abgewiegelt statt angegangen werden, wird sich entweder die SVP-Schule oder die freie Schulwahl durchsetzen. Ein Meinungsumschwung geschieht schneller als du denkst. Siehe Personenfreizügigkeit. Ein paar Skandale genügen. Und die wird es mit Sicherheit geben.

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