Die Spielchen mit den Nazivergleichen

Im Netzjargon spricht man von «Godwins Gesetz» («Godwin’s Law»). Es lautet: «Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins (also 100 %) an.» Nach einem Nazivergleich lässt sich das ursprüngliche Thema meistens nicht mehr weiterdiskutieren. Es folgt in aller Regel ein Diskussionsabbruch. Dem Urheber des Nazivergleichs wird ein «Point Godwin» vergeben, gilt aber als Verlierer der Diskussion.

Das Gesetz hat seine Gültigkeit aber nicht nur in Online-Diskussionen, sondern auch bei Verlautbarungen von Schweizer Politikern: Je länger man Politiker in ein Mikrofon sprechen lässt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit für einen Nazivergleich. Bisher punktete vor allem Pascal Couchepin, aktuellstes Beispiel ist nun aber Christoph Blocher, der (ausgerechnet er!) in Teleblocher den Befürwortern der Personenfreizügigkeit vorwirft, das Volk zu manipulieren, mit den Worten:

Nehmen Sie diktatorische Strömungen – Drittes Reich: Wenn alle hinstehen und Hitler zujubeln, dann gehören sie immer zu den Gewinnern.»

Es versteht sich von selbst, dass damit keine Diskussion über die Manipulation der öffentlichen Meinung (die natürlich durchaus ihre Berechtigung hätte) lanciert wird, sondern nur eine Diskussion über die Statthaftigkeit der Aussage. Es ist die müssigste aller Diskussionen, die nur zu Schluss kommen kann, dass jeder Vergleich eine Verharmlosung der Naziverbrechen beinhaltet, und weil diese als die grössten Verbrechen der Menschheit gelten, jegliche Relativierung Unrecht ist.

Müssen wir nun alle paar Monate in den Medien einen Nazivergleich diskutieren? Oder könnten wir uns ein- für allemal darauf einigen, dass Vergleiche von politischen Gegnern mit Nazis und Faschisten unstatthaft sind, und es bei einer Punktvergabe bewenden lassen? Wir können ja eine Highscore führen. Und gleich noch eine Empörungs-Highscore (wo jene eingetragen werden, die sich öffentlich am meisten darüber empören).

Übrigens: Christoph Mörgeli, der sich über den Mörgeli-Mengele-Spruch von Couchepin so tief betroffen zeigte, findet, dass Christoph Blocher mit dem Nazi-Vergleich «völlig recht» hat. (Da könnte man noch die dritte Highscore führen, für die Nazivergleich-Beipflichter.)

Nazivergleich-Urheber-Highscore:

Pascal Couchepin: 2
Christoph Blocher: 1
SVP: 1
Heinz Siegenthaler: 1
Jean Ziegler: 1
Claudio Zanetti: 1
Johannes Matyassy: 1

Nazivergleich-Empörer-Highscore:

Christoph Mörgeli: 2 (+5 extra für das Interview beim KZ Buchenwald)
Peter Spuhler: 1
Christian Wasserfallen: 1
Christian Levrat: 1
Georg Kreis: 1
Ueli Maurer: 1
Ursula Haller: 1

Nazivergleich-Beipflichter-Highscore:

Christoph Mörgeli: 1
Andi Gross: 1
Micheline Calmy-Rey: 0,5

Hinweise zu weiteren Scorerpunkten nehme ich gerne entgegen.

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