Datenschutz vs. Jugendarbeit

Jugendverbände wie Pfadi und Cevi werden für ihre Jugendarbeit hoch geschätzt und in vielen Gemeinden und von Jugend+Sport finanziell unterstützt. Wenn es aber darum geht, an die Kinder heranzukommen, werden ihnen grosse Steine in den Weg gelegt. Denn mit einem Aufruf in der Dorf- oder Quartierzeitung holt man niemanden hinter dem warmen Ofen hervor. Kinder müssen persönlich, am besten Face to Face, eingeladen werden. Dafür konnte man die Kinder früher auf dem Pausenplatz aufsuchen oder erhielt von den Lehrpersonen die Adressen, um zu Hause vorbeizugehen. Heute muss man irgendwie hintenrum zu den Adressen gelangen: von jeder Klasse Kinder ausfindig machen, die den Jugendleitern den Telefonalarm kopieren.

Denn: Seit einigen Jahren wird in Schulen, Kirchen und Gemeinden vermehrt darauf geachtet, dass Adressdaten von Kindern nicht nach aussen gelangen. Lehrern, die Adressen weitergeben, drohen ernste Konsequenzen. Werbung auf Pausenplätzen ist sowieso verboten. Natürlich ist es zu begrüssen, dass mit persönlichen Daten heute sensibler umgegangen wird. Doch hier hat es paradoxe Nebenwirkungen. Einerseits wird die Jugendarbeit vom Staat begrüsst und gefördert, andererseits wird versucht zu verhindern, dass zweckmässig Werbung gemacht werden kann dafür. Die Datenschutzgesetze sollten eine Klausel haben, so dass staatlich unterstützte Organisationen Zugang zu den Adressen ihrer Zielgruppe erhalten können.

6 Gedanken zu „Datenschutz vs. Jugendarbeit“

  1. Was gilt als staatlich unterstützt? Wo ist denn die Grenze zu ziehen? Das würde wohl nicht einfach, eine saubere Lösung zu finden. Wenn schon dann doch eher der umgekehrte Weg: Broschüren in Schulhäusern auflegen dürfen, so dass aber die Kinder selbst entscheiden, was sie mitnehmen wollen.

  2. Yep, stellte mir soeben die gleichen Fragen wie Andreas. „Staatlich“ kann schon heissen, dass irgendein Verein von der Gemeinde einen jährlichen Beitrag erhält. Zudem ist der Begriff „Zielgruppe“ ein Freipass für sämtliche Adressen. Somit könnte auch ich von irgendeinem Verein angeschrieben werden, nur weil dieser jährlich CHF 500.– von der Gemeinde erhält…

    Gegenvorschlag: Alle drei Jahre sollen die örtlichen Vereine Gelegenheit haben, während der Schulzeit ihre Tätigkeit den Schülern präsentieren zu können. Gleichentags, aber am Abend, soll das Gleiche auch gegenüber den Eltern erfolgen.

    Zum einen erreicht man damit alle und es gibt keinen „Datenschutz-Stress“. Und vor allem: Die Präsentation erfolgt „live“ und nicht über ein Schreiben, das kaum jemand liest…

  3. @Andreas: Mit einer aufliegenden Broschüre bringst du sicher keinen Erstklässler in die Pfadi. Ohne Ballon, einem Lachen und den Eindruck von engagierten und verantwortungsbewussten Jugendlichen bei den Eltern bringst du die Kinder nicht von den Eltern weg. Hausbesuche kommen bei den Leuten sehr gut an und sind wahrscheinlich etwa 20-mal erfolgreicher als jede schriftliche Kommunikation. Gerade auch bei ausländischen Kindern und Eltern muss man zuerst das Vertrauen gewinnen.

    @Titus: Ja, das wäre eine Idee. Sie müsste aber z.B. jedes Jahr mit den Erstklässlern stattfinden. Leider werden aber die Eltern, gerade ausländische, nicht sehr zahlreich erscheinen.

    @beide: Wie die Kommunalbehörden auch über die finanzielle Unterstützung befinden, könnten sie auch über eine Adressweitergabe befinden, meinetwegen gemäss kantonalen oder eidgenössischen Richtlinien.

    Ansonsten werden sich die Vereine die Adressen weiterhin hintenrum beschaffen oder auf gute Beziehungen und risikofreudige Lehrer angewiesen sein. Damit ist aber niemandem geholfen.

  4. @ David
    Ja, leider kämen wohl viele ausländische Eltern gar nicht erst an eine solche Veranstaltung. Dabei gäbe es keine bessere Integrationsmöglichkeit als eben z. B. solche Vereine. Schade nur, dass die Kinder darunter leiden müssen, die doch vielleicht so gerne in die Pfadi gehen würden…

    Die „alle drei Jahre“ verstand ich als Wiederholung, also z. B. in der 1. und dann drei Jahre später nochmals, also in der 4. Klasse. Denn vielleicht ist’s für einige in der 1. Klasse noch zu früh.

  5. @Titus: Schlussendlich würde es darauf hinauslaufen, dass du an einem solchen Anlass ein paar Adressen (von jeder Klasse möglichst mindestens eine) sammelst und bei diesen dann um die Kopie des Telefonalarm nachfragst.

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