Aus für die Zivi-Castingshow

1982 sah der Bundesrat bei diesem Szenario nicht weniger als «die demokratische Regierungsform» und «die Gemeinschaft als Ganzes in Gefahr» – für das Szenario eines Zivildienstes, zu dem jeder zugelassen wird, der bereit ist, die eineinhalbfache Dienstdauer zu leisten. Aus der bundesrätlichen Botschaft über die Volksinitiative «für einen echten Zivildienst auf der Grundlage des Tatbeweises»:

Die innere Verbundenheit von Bevölkerung und Armee, die in einem vielgestaltigen und föderativen Staatswesen wichtige Integrationswirkung und – im Falle eines Überganges zu einer Berufsarmee – der bis jetzt selbstverständliche Vorrang der zivilen Gewalt und die demokratische Regierungsform könnten als extreme Auswirkungen des freien Wahlrechtes in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die individuelle Freiheit kann und darf nicht so weit getrieben werden, dass es möglich wird, sich der Teilnahme an der Landesverteidigung zu entziehen und dadurch die Gemeinschaft als Ganzes in Gefahr zu bringen.

Um dieser Gefahr vorzubeugen, wurde 14 Jahre später der Zivildienst mit einer Gewissensprüfung eingeführt. Oder, wie Piet Dörflinger sie in der aktuellen «Zivilcourage» treffend nennt: mit einer Castingshow. Denn: Ein Gewissen lässt sich nicht prüfen, ein Gewissenskonflikt lässt sich nicht beweisen. So wurde also 12 Jahre lang mit sehr viel Geld das Argumentationsgeschick der jungen Männer geprüft. Die ungeschicktesten 10 Prozent durften eine Einführung in Rekurs- und Rechtsverfahren geniessen und lernten so immerhin ein wenig fürs Leben, auch wenn sie das Friendship Ticket nicht erhielten und sie zum Militärdienst verdonnert wurden.

Nun, 26 Jahre nach der bundesrätlichen Botschaft, haben bis auf ein paar Ewiggestrige alle gemerkt, dass diese Castingshow die Gemeinschaft nicht rettet. Ab sofort kann man Zivildienstgesuche ohne «Gewissenskonfliktbeweis» einreichen. Schon erstaunlich, zu welchen Entwicklungen die Eidgenossenschaft in 26 Jahren fähig ist, nicht?

3 Gedanken zu „Aus für die Zivi-Castingshow“

  1. Hoffen wir mal, dass innerhalb der nächsten 26 Jahre auch die Show mit dem Titel «Die Schweiz sucht den Armeechef» abgeschafft wird – natürlich inklusive dem entsprechenden Posten und allem, was organisatorisch dran hängt.

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