Fluchtgelder und Fluchtkinder

Nationalkonservative und neoliberale Politiker werben häufig (aktuell im Zusammenhang mit der Pauschalsteuer sowie dem Bankgeheimnis und Steuerhinterziehung) um Verständnis für reiche Ausländer, die ihr Erspartes in die Schweiz bringen, um Steuern zu sparen. Das Problem seien die «Steuerwüsten», die Staaten, die vermögende Personen richtiggehend enteignen würden. Deshalb müsse man Verständnis haben, wenn sie in die Schweiz flüchten.

Die gleichen Politiker werben für eine harte Hand gegenüber Personen, die z.B. mit einer Scheinehe eine Aufenhaltserlaubnis erschwindeln. Doch: Ist es nicht mindestens so verständlich, dass Eltern für ihre Kinder eine möglichst gute Bildung und Aussichten auf ein geregeltes Erwerbsleben wünschen?

In beiden Fällen handelt es sich um Menschen, die die Lebensumstände ihrer Familien verbessern möchten. Sie handeln menschlich und aus marktwirtschaftlichem Antrieb. Dafür sollten wir ihnen das gleiche Verständnis entgegenbringen. Erstere sind nicht die guten Menschen, und letztere sind nicht die bösen.

Ich will damit nicht sagen, dass wir Scheinehen tolerieren sollten. Missbräuche gilt es zu bekämpfen. Die Menschen dagegen, die sollten wir nicht bekämpfen. Wir sollten das Verständnis gegenüber den Handlungen der Menschen nicht davon abhängig machen, ob wir von ihnen profitieren können oder nicht.

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