Das Ende der TV-Sender

bild-10Fernsehkanäle, wie wir sie heute kennen, sind aus systembedingten Zwängen heraus entstanden: Aus der Begrenztheit der Frequenzen, und wegen der Gleichzeitigkeit von Sendung und Empfang. Es setzte sich durch, dass die 24 Stunden pausenlos gefüllt wurden, und dass jeder Sendekanal eine eigene Marke bildete. Es wäre denkbar, dass mehrere Sender abwechslungsweise auf dem gleichen Kanal senden – aber das hat sich (mit Ausnahmen wie z.B. PresseTV) nicht durchgesetzt, weil die Identifikation mit einem Kanal zu stark ist.

Mit dem Internet fallen diese systembedingten Zwänge weg: Die Anzahl der Kanäle ist unbegrenzt, und der Empfänger kann die Programme beliebig zeitverzögert abrufen – es ist non-linear geworden. Fernsehsender können in Zukunft mehr oder auch weniger als 24 Stunden pro Tag senden (sprich: Videomaterial zum Abruf bereitstellen). Damit verlieren die heutigen Fernsehkanäle über kurz oder lang ihre Bedeutung und Berechtigung. Die Vermittlung zwischen Produzenten und Konsumenten können genauso gut Netzbetreiber und Webdienstleister übernehmen.

Die Rolle der TV-Sender wird auf die Produktion reduziert. Sie können dabei ihr Markenprofil schärfen: Sie können sich auf eine Hauptkompetenz, z.B. Unterhaltung oder Information, konzentrieren. Ich würde sagen: Sie müssen es tun. Ein Mix von allem möglichen, ein Vollprogramm für alle Zielgruppen, hat keine Zukunft.

Wenn die Politik vorausschauen würde, würde sie sich um die Konsequenzen für das Gebührensystem und den Leistungsauftrag der SRG Gedanken machen. Zum Beispiel könnten die SRG und ihre Fernsehkanäle zerschlagen werden. Den gebührenfinanzierten Leistungsauftrag könnte man auf den Informations- und Kulturbereich beschränken. Die Unterhaltung und den Sport könnte man privatisieren, denn die Sparten sind nicht mehr aufeinander angewiesen. Dadurch müssten die Gebührenzahler keine Sendungen wie Deal or no deal oder Sportveranstaltungen mit überrissenen Übertragungsrechten mehr mitfinanzieren. Unterhaltung müsste endlich selbsttragend sein. Die gebührenfinanzierten Sendungen könnten mit einer Creative-Commons-Lizenz zur freien Verwendung und Weiterverbreitung der (zahlenden) Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

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