Bürgerwehr vs. Zivis für Konfliktprävention

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer bösen Bürgerwehr in Rom und den lieben Zivis in Wil? Eigentlich machen sie doch dasselbe, mit demselben Anliegen. Die Ähnlichkeiten sind frappant. OK, vielleicht gehen die einen etwas konfrontativer, die anderen etwas professioneller vor. Aber manchmal sollten auch die Linken ihr schwarz-weiss-Denken überdenken.

5 Gedanken zu „Bürgerwehr vs. Zivis für Konfliktprävention“

  1. Naja, es gibt doch zwei bedeutende Unterschiede:
    a) Jene in Rom stören sich primär an den Ausländern. Die „Unordnung“ erscheint mir eher ein Vorwand. Bei den Schweizer Civis geht’s hingegen wirklich um den sozialen Aspekt („auf die Leute zugehen“).
    b) Die Schweizer Civis sind quasi vom Staat angestellt. Damit bleibt das Gewaltmonopol, also das Recht, eingreifen zu dürfen, beim Staat. In Rom nehmen die Bürger dieses Recht in die Hand, Anarchie und Selbstjustiz könnten die Folgen sein.

    Was ich hingegen nicht verstehe, David, ist, was Du mit den Linken und dem schwarz-weiss-Denken meinst?

  2. Ich finde es völlig übertrieben, gleich den Selbstjustiz-Teufel an die Wand zu malen, wenn sich ein paar eher rechts Gesinnte zu Touren durch das Quartier zusammentun. Machen Linke das Gleiche, ist es Zivilcourage. Das ist eine Art von Schwarz-weiss-Denken.

    Auch die Zivis beobachten erstmal nur, und auch die „Bürgerwehr“ geht auf die Leute zu. Das Gewaltmonopol ist dadurch überhaupt nicht in Gefahr. Dass die Bürger in friedliche Art öffentliche Plätze zurückerobern, darin kann ich nichts Negatives sehen. Es geht um soziale Brennpunkte – ob es nun Jugendliche oder Ausländer sind (oft sind es ja beides zusammen, nur wird mal das eine, mal das andere hervorgehoben), spielt für mich keine Rolle.

    Ob nun Zivis oder Bürgerwehr – für mich ist es Zivilcourage, wenn man den Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg geht, sondern die Finger auf die Wunden Punkte legt. Segregation entsteht dann, wenn sich die Leute aus dem Weg gehen.

  3. Ahh, jetzt habe ich Dich verstanden.

    Zivilcourage hat immer mit dem Einzelnen zu tun, welcher wagt, gegen die allgemeine Strömung eine Meinung oder ein Hanldung zu vertreten. Eine Gruppe, so wie das im 10vor10-Bericht gezeigt wird, ist bereits organisiert und hat in dieser Form schon etwas Militantes.

    Selbstverständlich bin auch ich der Meinung, Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg zu gehen. Die Frage ist aber, wie man vorgeht. Die Ausländer in Rom fühlen sich beobachtet und bestimmt auch unwohl. Damit fördert man weder das Aufeinander-zugehen noch deren Integration. So löst man das Problem doch nicht wirklich, man versucht es nur aus dem Blickfeld zu verdrängen.

    Ganz anders die Situation bei den Civis. Sie wirken auf die betroffenen Jugendlichen gar nicht störend oder in irgendeiner Form als Bedrohung.

    Mit der politischen Linken oder Rechten hat das gar nichts zu tun. Zudem glaube ich kaum, dass linksorientierte Menschen patrouillenmässige Bürgerwehren aufstellen würden.

    Zur Selbstjustiz: Alles beginnt im Kleinen. Der Schritt, „etwas nachzuhelfen“, um wieder den gewünschten geordneten Zustand zu erreichen ist schnell gemacht, zumal die Römer Bürgerwehr nicht alleine vom Verstand, sondern auch von Emotionen getrieben wird…

    Die Römer Bürgerwehr täte wohl besser daran, den Kontakt mit der Polizei zu suchen, um einerseits die Grenzen auszuloten, andererseits sich mit ihr zu koordinieren, um so auch einen „privilegierten“ Zugang zur Staatsgewalt Polizei zu erhalten.

  4. Dass es an der römischen «Bürgerwehr» kritische Punkte gibt, möchte ich nicht bestreiten. Kritisieren sollte man aber auch, wenn nichts geschieht. Eine Präsenz vor Ort bringt eine Problemlösung immerhin schon näher als ein Augenverschliessen.

    Manche Linke lassen den Laden einfach schon runter, wenn sie das Wort «Bürgerwehr» hören. Und damit machen sie es sich viel zu einfach.

  5. Naja, wie bereits schon erwähnt, hat „Bürgerwehr“ einen Ansatz von „militant“ und daher kann ich verstehen, dass die Linke dabei die Nase rümpft.

    Allerdings stimme ich Dir durchaus zu, dass die Linke oftmals einen grossen Bogen um solche Problembereiche macht. So ginge es z. B. auch lange, bis eine SP den Begriff „Sozialleistungsmissbrauch“ verwendete. Dabei wäre es gerade in ihrem Sinne, dass jene Sozialleistungen bekommen, welche sie tatsächich benötigen – und nicht etwelche Simulanten. Ansonsten wird schnell pauschalisiert und die allgemeine Meinung kippt schnell gegen das Sozialwerk IV („wozu soll ich IV bezahlen, wenn es ja ohnehin die Falschen bekommen“).

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