Israel als höhere moralische Instanz?

Man kann aus Protest einer Konferenz fernbleiben. Man kann aus Protest bei einer Rede den Saal verlassen. Man kann eine Rede verurteilen. Man kann Kontakte nutzen oder auch verweigern. Kann man alles machen und gut begründen.

Die ultrarechte Regierung Israels will einem Staat wie der Schweiz vorschreiben, welche diplomatischen Mittel sie verwenden soll, und eine grosse Zahl unserer Politiker und Medien stimmen wie im Chor darauf ein – als wäre Israel der Papst, Ahmadinedschad der Teufel und die aktuelle Zeit das 15. Jahrhundert.

Ausgerechnet jene, die sich jeweils am lautesten gegen jegliche Einmischung von Aussen wehren, sind dann die ersten Kritiker einer eigenständigen schweizerischen Diplomatie.

8 Gedanken zu „Israel als höhere moralische Instanz?“

  1. Ja, die neue Regierung Israels ist streng nach rechts gerutsch… aber den Botschafter wegen sofortiger Konsultation zurückzuberufen ist ein nicht unübliches diplomatisches Mittel um sein Missbehagen auszudrücken. Und persönlich halte ich es für nicht alzu überzogen, wenn Isreal sich darüber empört wenn ein Drittstaat jemanden herzlichst empfängt, siehe Fotos, der Israel „von der Landkarte verschwinden lassen möchte“ (Zitat). Man kann auch als neutrale Schweiz seine diplomatischen Bemühungen mit allen im Gespräch zu bleiben weniger demonstrativ gestalten. – Insbesondere wenn man weiss, dass derselbe Präsident gerne seine öffentlichen Auftritte dazu nutzt seine sehr eigenwillige Geschichtsschreibung zu verbreiten.

  2. @Mara: Könnte man nicht auch argumentieren: Ahmadinedschad ist ein Idiot, der sich mit jedem öffentlichen Auftritt zum noch grösseren Idiot macht? (Und im Iran sind demnächst Präsidentschaftswahlen, wenn auch mit beschränkter Auswahl…)

  3. Wie soll die Schweiz die Interessen der USA im Iran vertreten, ohne Gespräche zu führen? Wenn es sowieso klar ist, dass solche stattfinden, wieso sollen sie dann im Geheimen stattfinden?

    Meine Kritik zielt aber nicht in erster Linie gegen Israel (die dürfen sich empören, kein Problem, und sie sollen ihren Botschafter zurückberufen, wenn sie das für richtig halten), sondern gegen Schweizer Politiker und Medien, die sich davon beeindrucken lassen.

  4. @ugugu Naja, die IranerInnen wissen selber gut genug was sie von ihm halten sollen, schliesslich tritt er dort oft genug live auf….. Die Begeisterung für Ihn ist durchaus gespalten, zwischen Volkspopulist und …
    Aber warum sollte das ein Grund sein, ihm weiterhin ein Forum zu geben? Im Gegenteil eine offizielle Begrüssung durch die Regierung eines anderen Landes gibt ihm Reputation und Anerkennung – die er meines Erachtens nicht verdient.

    @ david: ich würde schon differenzieren zwischen geheim, wie damals zwischen israel und PLO in Oslo, auf mittlerer diplomatischer Ebene, wie üblich, und Hochoffizieller, wie jetzt geschehen mit Regierungsmitgliedern. Von Geheimen erfährt man erst, wenn überhaupt, im nachhinein. Bei den üblichen Gesprächen auf Diplomatenebene geht man davon aus, dass sie ständig stattfinden um den Status quo zu erhalten. Auf höchster Ebene gibt man Anerkennung und Prestige – und möchte die Zukunft gestalten. Warum man letzteres dem derzeitigen Präsidenten des Irans angedeien lässt ist mir fraglich und unerklärlich.

  5. Vordergründig zur Persona non grata erklären und im Hintergrund fleissig diplomatische und Handelsbeziehungen führen – davon halte ich gar nichts. Entweder kappt man jegliche Beziehungen konsequent – oder man steht dazu, dass man sich zwar uneinig (oder gar feindlich gesinnt) ist, aber sich gegenseitig als Verhandlungspartner akzeptiert. Und dann auch dies mit allen Konsequenzen.

  6. @david,

    du meinst wenn man den Präsidenten ablehnt, sollte man gleich das ganze Land ablehnen? Das finde ich nicht. Ständig laufende diplomatische Beziehungen sind nötig für die Bevölkerung beider Staaten – Besuche, Wirtschaft, kulturelle Beziehungen. Dass derzeit ein Präsident im Iran an der Macht ist, sollte nicht dazu führen, dass ein normaler Umgang verunmöglicht wird. Gerade weil so viele gewachsenen jahrzehntelange Beziehungen zwischen dem westlichen Europa und dem Iran bestehen. Nichtsdestotrotz kann man auch auf Regierungsebene klarmachen – mit dem treten wir nicht in Verhandlungen über die Zukunft, da mit ihm für uns keine Zukunft möglich ist. Gerade in der Diplomatie sollte es kein Ganz oder Garnicht geben…

  7. @Mara:
    Die diplomatischen Beziehungen bestehen zwischen Regierungen. Ständige diplomatische Beziehungen, aber nicht auf Regierungsstufe, das geht nicht. Das hat nichts mit der Ablehnung eines Landes und ihrer Bevölkerung zu tun.

    Beziehungen bei einem Status quo einzufrieren, halte ich auch nicht für machbar. Die Welt verändert sich laufend, und so müssen sich auch Beziehungen verändern.

    Und nochmals: Die Schweiz vertritt die USA im Iran. Das kann sie unmöglich ohne Bereitschaft für Verhandllungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.