Facebook-User sind gegen biometrische Pässe

Die Befürworter der biometrischen Pässe und der zentralen Fingerabdruckdatenbank mockieren sich oft über die Jungen, die in Facebook sehr sensible Daten preisgeben, bei etwas so «Unsensiblem» wie einem Fingerabdruck aber einen Aufruhr machen. Doch: Ist das wirklich ein Widerspruch?

Die meisten meiner Facebook-«FreundInnen» benutzen das Tool mit Bedacht. Sie benutzen die Privatsphären-Einstellungen, um den Zugriff auf ihre Daten detailliert zu regeln. Sie akzeptieren nur Leute als «FreundInnen», denen sie diese Daten auch mündlich anvertrauen würden. Somit unterscheiden sich Informationen auf Facebook nur unwesentlich von Dorfklatsch – es kann mal etwas Unangenehmes verbreitet werden, aber es bleibt in der Regel im Bekanntenkreis. Durch eine vorsichtige Anwendung lässt sich das Risiko dafür gut steuern.
Das andere ist die Frage, was die Firma Facebook mit den Daten macht. Es könnte sein, dass sie diese verkauft oder ungenügend schützt. Das ist tatsächlich ein Risiko. Aber: Erstens würde das für Facebook einen immensen Imageschaden verursachen, wenn so etwas auskommen würde. Facebook hat also grosses Interesse daran, die Daten zu schützen. Zweitens ist es schwierig, allenfalls geleckte Daten dann auch realen Personen zuzuordnen. Denn bei Facebook registriert man sich nur mit Namen, Geschlecht und Geburtsdatum (bei dem man auch mogeln kann, wenn man will). Ob Datenhändler damit etwas anfangen können, ist fraglich.
Kurz: Bei vorsichtiger Anwendung kann man die Gefahr, dass man von Werbetreibenden, Arbeitgebern, Betrügern oder politischen Gegnern überwacht wird, begrenzen. Und immer mehr der 1,5 Millionen Schweizer Facebook-Benutzer gehen mit dem Tool und ihren Daten bewusst um.

Es gibt drei Aspekte, die eine zentrale staatliche Fingerabdruckdatenbank auf eine andere Ebene stellen als ein Facebook-Konto:

  • Dort geht es um einen staatspolitischen Grundsatz: Wie stark soll der Staat seine Bürger überwachen können? Dort sind die Daten in den Händen der Staatsgewalt. Und das kann unter Umständen der politische Gegner sein (siehe Fichenskandal). Es ist ein Grundprinzip eines liberalen Staates, dass er die Bürger nicht ohne triftigen Grund überwacht, schon gar nicht flächendeckend.
  • Die Daten kann man mit praktisch 100-%iger Sicherheit realen Personen zuordnen, da sie komplett und eindeutig sind. Es ist ein leichtes, sie mit Daten aus anderen Datenbanken zu kombinieren.
  • Einer Registrierung kann man nur entgehen, indem man auf die Reisefreiheit verzichtet. Man kann nicht frei über seine eigenen Daten entscheiden.

Fazit: Der vermeintliche Widerspruch, dass Facebook-User gegen die Biometriedatenbank sind, ist keiner. Man unterschätzt, wie sensibilisiert ein grosser Teil der jungen Leute auf solche datenschutztechnische Fragen sind. Viele haben sich gerade durch den Gebrauch von Facebook vertieft Gedanken darüber gemacht und sind sich den Gefahren bewusst geworden.

2 Gedanken zu „Facebook-User sind gegen biometrische Pässe“

  1. Das Problem ist ja der Zwang zum biometrischen Pass und der daraus folgenden zentralen Datenspeicherung. Warum soll nicht jeder entscheiden können, ob er einen Pass mit oder ohne biometrischen Daten haben will?

    Die Freiheit des Bürgers, selbst zu entscheiden, welche Daten er freigeben will, und welche nicht, wird dadurch entzogen.

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