Identität durch Abgrenzung

Eine eigene Identität erhält man am einfachsten (oder ausschliesslich?), indem man sich von anderen abgrenzt. Ich bin ich, weil ich nicht so bin wie du. Und meist: Weil ich meine Art besser finde als deine. Zu einem gewissen Grad ist das gesund. Wir alle brauchen eine Identität.

Im Internet scheinen viele Akteure ihrer Identität noch nicht so sicher zu sein. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sich alle dauernd genötigt fühlen, sich abzugrenzen. Die einen wollen nicht Blog genannt werden, obwohl sie eigentlich nichts anderes sind, und andere wollen den Begriff Blog für sich reservieren und beargwöhnen andere, die sich auch Blog nennen, aber in ihren Augen keine sind. Medienlese sei kein Blog, Bloggen sei Punk, Freitag sei keine Zeitung, Blogs seien irrelevant, Blog sei nur eine Software – dieser gehört nicht zu uns, und jener auch nicht.

Ich habe es langsam satt. Es kann doch jeder seine Publikationsform wählen, die ihm passt, und diese so nennen, wie es ihm passt. Das dauernde Sich-abgrenzen-Müssen bringt uns doch nicht weiter. Wir sind alle Webpublizisten, jeder auf seine Art. Alle haben ihre Berechtigung, niemand muss sich rechtfertigen für die Art, wie er publiziert, und wie er diese nennt.

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