Kriegerlis spielen

Die Utopie von uns Pazifisten ist eine gewaltlose Welt. Jeder Konflikt soll mit Worten gelöst werden. Waffen und aggressive physische Kraft sollen nicht als Stärke angesehen werden.

Diesen Zivilisationsschritt der Menschheit werden wir nicht miterleben. Die Faszination der Gewalt ist allgegenwärtig. Kinder werden schon von klein auf in einer gewaltgeprägten Welt sozialisiert. Überall wird Kriegerlis gespielt – wobei der spielerische Aspekt mal stärker und mal weniger stark zum Tragen kommt. Comics, Filmhelden, Zeitungen, Spiele auf dem Computer wie auf dem Pausenplatz, Schlachten mit Wasserpistolen oder Tannzapfen, Papa beim «Obligatorischen», und nicht zuletzt die realen Auseinandersetzungen zwischen Erwachsenen – dem Kind diese Eindrücke zu ersparen, ist schlicht nicht möglich.

Wenn sich die Politik darum kümmert, dann pflückt sie sich meist einen kleinen Aspekt heraus und geht damit auf Stimmenfang. Mal sind die Ausländer, mal die Sturmgewehre, mal die Computerspiele, mal die Paintballer schuld, wenn eine Tat die Gesellschaft erschüttert. Meist zielen sie auf Personengruppen ohne starke Lobby. Diese Vorschläge werden uns dann als Allerheilmittel verkauft. Sie werden der Thematik aber nie gerecht. Verbote und Repression ändern an der grundsätzlichen Sache nichts.

Das einzige, was uns in dieser Sache weiterbringt, ist ein gesellschaftliches Umdenken. Bei ganz kleinen, unscheinbaren Geschehnissen im Alltag. Was wollen wir unseren Kindern wirklich vermitteln? Was können wir unseren Kindern zumuten? Welche Verhaltensweisen honorieren wir und welche verurteilen wir? Was leben wir Erwachsenen den Kindern vor? Lassen wir die Kinder als Cowboy an die Fasnacht? Welche Computerspiele lassen wir sie wie lange spielen? Welche Bücher schenken wir ihnen? Welche Filme schauen wir und wie sprechen wir anschliessend darüber? Jeder kann mithelfen, an einer friedlicheren Welt zu bauen. Dass man einen solchen gesellschaftlichen Prozess aber mit Verboten in Gang setzen kann, daran glaube ich nicht.

Aber der Staat könnte gewisse Anstösse geben. Doch, was macht der Staat? In der Schweiz subventioniert er per «Jugend + Sport» die Ausbildung von 10-Jährigen am Sturmgewehr.

In den USA trainieren jugendliche Pfadfinder-Spezialeinheiten den Kampf gegen Terror und illegale Immigranten.

Da sind wir eigentlich gar nicht so weit weg von Gaza.

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Ein Gedanke zu „Kriegerlis spielen“

  1. Das sind gute Fragen, die Du da bezüglich Kinder und Erziehung stellst.

    Bemerkenswert finde ich die Aussage des Jungen ab der Position 11’45“. Ansonsten finde ich diesen Rundschau-Bericht eher polemisch. Er vermischt auch ziemlich unzimperlich Waffennarren (Sammler) mit Sportschützen. Den einen geht’s um die Waffe selbst, den anderen um eine hohe Punktzahl. Die beiden kann und darf man daher schon nicht im gleichen Atemzug nennen…

    Wichtig für Sportschützen sind Konzentration, eine ruhige Hand und ein gutes Auge. Aufgrund der technologischen Entwicklung könnte man heutzutage gut über gehen zu Simulationsgeräten. Diese erfordern nämlich die gleichen Eigenschaften – nur dass sie wesentlich ungefährlicher sind.

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