Die Vermonsterisierung von Pädokriminellen

Die Zürcher Beratungsstelle Castagna hat letztes Jahr 1115 (!) Mädchen und Frauen, die sexuell missbraucht worden sind, beraten. Natürlich war diese Nachricht den Zeitungen wieder einmal nur eine Randnotiz wert, wenn überhaupt. Sie zerren lieber einzelne Fälle auf die Frontseite – am liebsten mit ausländischen Jugendbanden als Tätern. So funktioniert der Entrüstungsjournalismus.

Und wenn es dann wieder einmal soweit ist, sind die Politiker nicht weit, die verlautbaren, sexueller Missbrauch sei das Schlimmste, was man einem Kind antun könne. Politiker, die ein Bild von Monstern zeichnen und drakonische Strafen für die Pädokriminellen fordern – am liebsten lebenslängliche Verwahrung ohne Überprüfung. Nur die Todesstrafe wagen sie noch nicht zu fordern. So funktioniert die Entrüstungspolitik.

Und wie sie funktioniert!: Niemand wagt zu widersprechen. Wer will schon Partei für die Monster ergreifen? Alle wollen sich auf die – vermeintliche – Seite der unschuldigen Kinder schlagen. Nur: In der Realität tun sie mit dieser Vermonsterisierung der Täter keinem Kind einen Gefallen.

Sexuelle Ausbeutung geschieht laut Castagna in den allermeisten Fällen im Familien- und engen Bekanntenkreis. Die Täter sind oft geschätzte, ja beliebte Personen. Welche Auswirkungen hat das nun, wenn pädosexuelle Täter als Monster gelten? Als Monster dazustehen, ist nicht nur für den Täter wohl ein traumatisches Erlebnis – sondern auch für seine Umgebung. Die Familie und Bekanntschaft hat das Interesse, nicht als Monsterfamilie dazustehen. Dadurch erhöht sich der psychische und soziale Druck zum Wegschauen enorm. Darum können Missbrauchsfälle jahre- oder jahrzehntelang unter dem Deckel gehalten werden. Eine Mauer des Schweigens umgibt die Kinder. Dabei ist es genau das, das Wegschauen, das bekämpft werden muss.

Eine pädokriminelle Tat weckt Emotionen. Natürlich zurecht. Kinder verdienen den Schutz vor Übergriffen. Täter müssen streng bestraft unnd Rückfälle unterbunden werden. Eine Vermonsterisierung der Täter ist hingegen äusserst kontraproduktiv.

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