Google Street View ist nur ein kleiner Vorgeschmack

Die Einführung von Google Street View in den Schweizer Städten hat für eine gewisse Aufregung gesorgt. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür zeigte sich einigermassen empört über die unzureichende Annonymisierung von Gesichtern und Kontrollschildern, ein kantonaler Datenschützbeauftragter einigermassen empört über den eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, doch die meisten fanden die Aufregung darüber eher lächerlich und unnötig, schliesslich würden ja nur Dinge fotografiert, die von der öffentlichen Strasse aus sichtbar sind.

Das Problem ist, dass unsere Privatsphäre mit einer Salamitaktik Scheibchen für Scheibchen beschnitten wird. Die Scheibchen sind immer genau so gross, wie es der öffentliche Aufregungsmesser erträgt – so wie der Frosch im sich erhitzenden Wasser. Darum sollten wir uns überlegen, wohin uns die Reise führt.

Was wäre zum Beispiel, wenn man eine Bildersuche wie Bing oder Google Image, ein paar Webcams und ein Gesichtserkennungsprogramm, wie es beispielsweise in iPhoto eingebaut ist, zusammenbringt? Sprich: Ich tippe einen Namen, und die Suchmaschine liefert mir treffsicher alle Bilder aus dem Web und von Webcams, auf denen das Gesicht dieser Person zu erkennen ist. Falls es mehrere Personen mit gleichem Namen gibt, kann ich zuerst das richtige Gesicht auswählen. So wäre jedes geschossene Bild von mir, das den Weg ins Internet findet, für die ganze Welt unter meinem Namen auffindbar. Und umgekehrt könnte man zu jedem Bild von mir meinen Namen herausfinden. Zudem werden Bilder in Zukunft geotagged sein, der Aufnahmeort wird also mit dem Bild gespeichert. Ausser bei geschlossenen Rollläden in den eigenen vier Wänden könnten wir uns nirgends mehr unbeobachtet fühlen.

Die Technik ist bereits heute vorhanden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand die Hemmungen ablegt, sie auch in Tat umzusetzen. Heute wäre der Aufschrei gross – aber wie wird das in zehn oder zwanzig Jahren sein?

Google Street View ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommen wird. In Zukunft wird es ein Aufwand von Sekunden sein, den Namen eines vermeintlichen Dealers harauszufinden. Oder irgendeiner anderen irgendwie verdächtigen Person.

Ein Gedanke zu „Google Street View ist nur ein kleiner Vorgeschmack“

  1. interessant ist ja, wie wenig die leute über die gefahren des datenschutzes bezüglich der verwendung ihrer handys sind und tomtom’s sind. die meisten wissen gar nicht, was die polizeit damit alles aufzeichnen kann. geschwindigkeitsübertretungen etc.

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