Vier Tipps für Paid Content

Dank Murdoch und Springer ist Paid Content, die Bereitstellung von journalistischem Inhalt gegen Bezahlung im Internet, wieder in aller Munde. Kann Paid Content den Journalismus retten? Ich finde, ein Versuch ist es Wert. Jedoch wird es nicht funktionieren, für das bisherige Angebot plötzlich Geld zu verlangen. Werden (abgesehen von inhaltlicher Qualität und Quantität) folgende Vorbedingungen erfüllt, könnte es klappen mit Bezahlinhalten:

  • Filter: Je mehr Information vorhanden ist, desto wichtiger ist, dass man leicht eine Auswahl treffen kann. Wir haben unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Geschmäcker, unterschiedliches Grundwissen, unterschiedliche Stimmungen und unterschiedlich viel Zeit und wollen deshalb ganz unterschiedliche Informationen erhalten. Was für den einen hochinteressant ist, ist für den anderen eine Störung. Die Online-Medienportale meinen aber immer noch, sie könnten einer riesigen Zielgruppe den gleichen Einheitsbrei verfuttern. Google News und Google Alert erlauben Individualisierung. Jedoch kann Google zur Individualisierung nur auf eine automatische Textanalyse und das Publikationsdatum zurückgreifen. Online-Medienportale hätten den Vorteil, dass sie weitere Filtermöglichkeiten wie Autorenschaft, Schwierigkeit, genaue thematische, zeitliche und örtliche Einordung, Text-/Videolänge und andere mehr zur Verfügung stellen könnten. Um für ihren Inhalt Geld zu verlangen, müssten sie diesen Konkurrenzvorteil ausnutzen.
  • Verlinkung: Durch Vernetzung entsteht Mehrwert. Wer nicht verlinkt und ergoogelt werden kann, schliesst einen grossen Teil der potenziellen Kundschaft aus. Wer komplett hinter einer Pay-Wall verschwindet, macht sich wohl selbst irrelevant. Google aussperren wird nicht den gewünschten Effekt bringen. Ein verlinkbarer, aussagekräftiger Abstract ist das Mindeste, das man bieten muss, wenn man aufgefunden werden will. Und umgekehrt ist es ein Dienst an der Kundschaft, wenn man externe Inhalte verlinkt. Die Kundschaft kehrt dorthin zurück, wo sie den interessanten Link gefunden hat.
  • Niederschwelligkeit: Mit einer hohen Abogebühr schreckt man die Kundschaft ab. Niederschwelliger wäre Micropayment für einzelne Artikel oder Tage. Der Bezahlprozess muss dabei aber fast unmerklich vonstatten gehen. Nach einem einmaligen Anmeldeprozess sollte ein einziger Klick in der Regel genügen für einen einzelnen Bezahlvorgang.
  • Allgegenwärtigkeit: Das Angebot muss genau dann und dort zugreifbar sein, wenn und wo man ungenutzte Zeit überbrücken muss: Im Zug, in einer Warteschlage, usw. Es sollte also auch für Mobilgeräte optimiert sein. Hier wurden in letzter Zeit Fortschritte gemacht. Wären die Texte auch als gesprochene Audiofiles abrufbar, würde das einen noch unverselleren Einsatz möglich machen.

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