Es geht um Empathie, nicht Minarette

Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist. (Indianerweisheit)

Das Minarettverbot an sich wäre halb so schlimm. Schlimm ist die Art und Weise, wie es zu Stande gekommen ist. Es geht hier um eine systematische Stigmatisierung einer «Gruppe» von Menschen, die salonfähig geworden ist. Schlimm ist, dass ganz viele Leute über Muslime urteilen und sie als Gefahr für unsere Kultur ansehen, ohne dass sie solche Menschen persönlich kennengelernt haben. Schlimm ist, dass sie sich gegenseitig in ihrer kruden Sichtweise bestärken, indem sie nun in aller Öffentlichkeit und mit vollem Namen diese Stigmatisierung in allen erdenklichen Varianten vorantreiben. Schlimm ist, dass Empathie heute nichts mehr zählt. Es zählt nur noch das Urteil. Das Vorurteil.

Schade ist, dass das bisher kaum thematisiert wurde.

6 Gedanken zu „Es geht um Empathie, nicht Minarette“

  1. Hab gestern aufmerksam die Arena geschaut. Emphatisch auch 🙂

    Vieles wurde da gesagt, nichts war wirklich neu oder überraschend.

    Nur einer sagte etwas, etwas sehr erstaunliches:

    Der Herr, der die face-book Gruppe gegründet hat. Ich glaube sie nennt sich – wir schämen uns- o.a-

    Also dieser Herr sagte: Er sei in seiner Gemeinde Stimmenzähler gewesen. Ihm sei aufgefallen, dass viele offenbar im letzten Moment ihre Meinung geändert hätten. Viele Stimmzettel wären „korrigiert“ gewesen…

    Das bringt einen Hofnarren ins Grübeln. und wie!. Einen gefakten Professor gabs ja schon…

    Also: abgeänderte, oder korrigierte Stimmzettel sind immer UNGUELTIG.

    Weil eben damit „stimm und Wahlbetrug“ verhindert wird.

    Ich grüble und denke weiter…

  2. Ignoranz führt meist zu Intolleranz. In diesem Fall genügt ein Blick auf beide Facebook – Seiten (die Schämenden und die Schäumenden), um zu sehen, dass es um das Wissen des Islam, „der Muslime“ nicht unbedingt zum besten steht. Munteres Vermischen von Aengsten, Ausdrücken, wirtschaftlicher Sorge, Staats- und Völkerrecht, etc.
    Wer Globalisation als neues Modell akzeptiert, kann nicht erstaunt sein, dass sich die daraus entstehenden Looser, jene die meinten, sie kämen zu kurz, krampfhaft hinter die Flötler der populistischen Saga vom Westen als Hort gegen das Böse, als Ort der liberalen Demokratie und Menschenrechte scharen.
    Drum beelendet die „Debatte“ nach der Abstimmung schier noch mehr als das Abstimmungs-Ergebnis

  3. Naja. Offenbar ist nun eben inzwischen ein Grossteil der Stimmenden (sofern das eben stimmt) zu Stimmungsdemokraten geworden. Die Aushöhlung der direkten Demokratie ist in vollen Gange. Man bekennt sich öffentlich und stolz dazu, dass man ja gestimmt hat und eigentlich nicht die Minarette meinte. Stolze Demokraten bekennen, sie hätten den Sack geschlagen und den Esel (die Esel) gemeint. Sie hätten ihre „grundsätzliche Befindlichkeit“ in das Ja verpackt. Damit ist eigentlich klar. Offensichtlich sind die Schweizer nicht mehr reif genug, mit direktdemokratischen Instrumenten verantwortungsvoll umzugehen. Es macht sich, (und dies noch mit Stolz) eine Mentalität des Sms Votings für einen Musikstar auch im Zusammenhang mit Abstimmungen breit. Die Verblödung grassiert.
    Ich habe nein gestimmt. Nein, zum Verbot gegen den Bau von Minaretten. Nichts mehr und nichts weniger. Das war die Frage, dazu habe ich Stellung genommen. Meine grundsätzliche Befindlichkeit (ich bin auch gegen Parallgesellschaften zum Beispiel- gegen jegliche Form mafiöser Gegenwelten. Die gibts auch bei Serben, Kroaten, Deutschen, Russen, Schweizern in unserem Land.)nDiese zu bekämpfen, sie aufzudecken, sie zu unterbinden, dafür bin ich auch. Nur ist das anstrengend und manchmal auch frustrierend. Auf jeden Fall lässt es sich nicht mit zwei Buchstaben aus dem Bauch heraus erledigen.
    Die Minarettinitiative war als solche absurd und hat unsere direkte Demokratie ad absurdum geführt. (Zumindest stehen sie dazu, die Eidgenossen. Ohne zu merken, was sie sagen, natürlich)

  4. Nun ja, auch verschiedene andere kürzlich zustande gekommene Abstimmungsresultate zeigen, dass scheinbar die Stimmbürger immer mehr mit dem Bauch als mit dem Hirn abstimmen. Als Beispiele nenne ich mal die Abstimmung zur Alternativmedizin und die Unverjährbarkeitsinitiative.

  5. Die Verwahrungsinitiative ist ein weiteres Beispiel. Initiativen also, die sich nach der Annahme rechtlich gar nicht umsetzen lassen. Mir ist immer noch schleierhaft, warum man das nicht schon bei der Einreichung einer Initiative überprüft.

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