Recht auf Kontaktverweigerung statt Burkaverbot

Für mich ist klar: Jeder Mensch soll sich so kleiden dürfen, wie er will. Es soll nackt rumlaufen dürfen, und er soll totalverhüllt rumlaufen dürfen. Jeder Mensch soll selber über seinen Körper bestimmen können, und auch, wie viel er davon zeigt.

Aber: Ein totalverhüllter oder nackter Mensch soll keinen Anspruch darauf haben, dass ich ihn gleich behandle wie «angepasste» Menschen. Ich muss das Recht haben, jeglichen Kontakt zu einem nackten oder totalverhüllten Menschen zu verweigern, auch in der Funktion als Beamter oder Lehrer. Es muss keinem Lehrer zugemutet werden, ein Elterngespräch zu führen, ohne die Eltern zu Gesicht zu bekommen. Es darf zwar keine Diskriminierung aufgrund von Religion, Herkunft oder Aussehen geben – aber aufgrund von Kleidung schon, denn es kann jedem Menschen zugemutet werden, seine Kleidung dem Mainstream anzupassen. Religion hin oder her. Wer sich entscheidet, nackt oder mit Gesichtsschleier herumzulaufen, muss schwerwiegende Benachteiligungen in Kauf nehmen.

Dies ist mein Kompromissvorschlag für die «Burkadebatte». Deal?

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Dazu verweise ich gerne auf Ws Zusammenstellung und seine weiteren lesenswerten Artikel.

20 Gedanken zu „Recht auf Kontaktverweigerung statt Burkaverbot“

  1. Naja das wäre ja dann ein anderes Extrem, dann doch lieber das Verbot dieser Kleidung. Man sollte allerdings niemanden benachteiligen, egal ob nun verhüllt oder nicht.

  2. An der Diskussion über ein mögliches Burkaverbot fehlt etwas, was von der linken Ignoranz in dieser Sache zeugt. Nämlich die Überlegung woher die Burka ursprünglich stammt und weswegen sie getragen wird. Getragen wurde sie ursprünglich in Pakistan und in Afghanistan (Taliban). Benutzt wird sie um Frauen zu unterdrücken. Eine Frau, die in der Öffentlichkeit ihre Identität verstecken muss ist nämlich nicht wirklich frei. Gemäss Frau Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam ist die Burka zudem keine islamische Vorschrift. Folglich sollten wir uns fragen ob laisser-faire bzw. verharmlosung durch lächeriche Vergleiche in Sachen Burka wirklich angebracht ist.

  3. @Alexander Müller: Wieso soll ich deinen Kommentar hier stehenlassen, wenn du Kommentare, die dir nicht passen, in deinem Blog entfernst?

    Es geht hier nicht im engeren Sinn um die afghanische Burka sondern um die Gesichtsverschleierung an sich, und die ist viel älter als die Taliban, und auch älter als der Islam, sie kommt nämlich schon im Alten Testament vor (1. Mose 24,56).

    Das sie benutzt wird, um Frauen zu unterdrücken, bestreitet niemand. Jedenfalls weiss ich von niemandem. Dass viele Menschen die Freiheit nicht nutzen, die man ihnen bietet, ist nichts Neues und auch keine Spezialität von Muslimen. Mit einem Verbot werden diese Frauen aber nicht freier, sondern noch stärker fremdbestimmt.

    Falls du hier weiter diskutieren möchtest, musst du unfundierte Vorwürfe wie „linke Ignoranz“ und „lächerlich“ unterlassen. Das sind die Spielregeln hier.

  4. @Müller
    Und der Bikini dient dazu die Frauen in der Öffentlichkeit zu einem Sexualobjekt zu machen – das Problem ist doch wohl eher die Frage der Freiwilligkeit. Erstaunlich wie viele plötzlich zu Feministen werden, wenn ein Verbot so billig ist…

    @David
    Warum gibt es einen Anspruch, dass sich jeder dem Mainstream entsprechend kleiden soll? – Und wer definiert bitteschön, was Mainstream sein soll?
    Bei Elterngesprächen/Behörden sehe ich schon ein Problem, aber das ist doch nicht dadurch zu lösen, indem man so ein Schleierchen verbietet, dann kommen solche Frauen eben einfach nicht mehr zum Elterngespräch etc. Wem soll damit geholfen sein? Es kann da doch vielleicht auch flexiblere Lösungen geben, z.B. dass solche Mütter, wenn es sie den überhaupt in der Schweiz gibt dann eben nur mit den Lehrerinnen spricht, vor denen sie sich nicht verhüllen muss etc..

    Aber eigentlich finde ich, dass die Burkaverbotsdiskussion ganz wunderbar von der sonstigen täglichen noch stattfindenden Diskriminierung von Frauen und insb. Ausländerinnen ablenkt. Wer schreibt schon davon, dass die Schweiz nach EMRK eigentlich endlich mal sein Namensrecht anpassen müsste…

  5. @Mara: Ein Recht, den Kontakt zu Gesichtsverschleierten zu verweigern bedeutet nicht, dass ein Anspruch, dass sich jeder dem Mainstream entsprechend kleiden soll, besteht. Flexiblere Lösungen sind meines Erachtens durchaus machbar und erwünscht, aber es soll kein Anspruch darauf bestehen. Damit soll zum Beispiel einem Lehrer geholfen sein, der ein Gespräch mit einem totalverschleierten Gegenüber als Affront empfindet. Wenn es eine flexible, unkomplizierte Lösung gibt, dann ok, ansonsten ist es nicht seine Schuld, wenn das Elterngespräch nicht stattfindet.

    Bezüglich Ablenkung von wichtigeren Problemen gebe ich dir recht, jedoch scheint die Verschleierung die Leute zu beschäftigen. Das muss man manchmal einfach so akzeptieren.

  6. Für mich geht es hier um eine Frage des gegenseitigen Respekts.

    Deutlich wurde mir das in den letzten Jahren vor allem in der Sommerzeit: Da spricht jemand mit mir und trägt eine Sonnenbrille, womöglich gar noch verspiegelt…

    Aus Respekt mir gegenüber und damit ich mein Gegenüber respektieren kann, erwarte ich eine freie Augenpartie.

    Ich denke nicht, der Einzige zu sein, der seinem Gegenüber in die Augen schauen will. Hier geht nicht um eine anerzogene Verhaltensweise, sondern vermutlich um einen Ur-Instinkt. Auch in der Tierwelt spielt das sich-in-die-Augen-schauen eine wesentliche Rolle.

    Darum erwarte ich generell, dass bei direkten Begegnungen (Gespräche) zwischen Menschen die Augenpartie frei ist, egal ob es sich nun um eine Sonnenbrille, einen Motorrad-Helm, eine Burka oder eine andere Form der Vedeckung handelt. Wo es zu keinen Begegnungen kommt, kann meinetwegen jeder seine Augenpartie verdecken.

  7. @Titus: Genügen dir Augen? Hast du den Club geschaut? Meines Erachtens ist die Mimik wichtiger. Wenn ein Augenschlitz genügt, können wir die Diskussion abbrechen, denn eine echte Afghanische Burka ohne Augenschlitz wird man in unseren Strassen wohl noch ziemlich lange gar nie sehen. Es geht bei der «Burkadebatte» nicht um Burkas, sondern um Niqabs, die einen Augenschlitz offenlassen.

  8. @David
    Ich glaub nicht, dass das eine Frage von Schuld sein kann – ob bei deinem Beispiel ein Gespräch zustandekommt oder nicht. Es prallen einfach zwei Kulturen aufeinander, da von Schuld zu sprechen, fällt mir ein wenig schwer.
    Wenn man wirklich Integration will – und nicht nur Assimilation, dann muss man einfach diese Unterschiede auch mal akzeptieren, und soweit es geht die Differenzen auch aushalten. Ich weiss jetzt nicht, wo der Lehrer sich nen Zacken aus der Krone bricht, wenn er seinen Bericht über einen Schüler/Schülerin einer verhüllten Frau gibt – schliesslich geht es um die Kinder und nicht um die Frau. Und es wäre ein wunderbares, sehr menschenfreundliches Statement klarzumachen, wir akzeptieren dich als Gegenüber egal wie du aussiehst, egal wie du dich kleidest – und man nimmt Frauen egal wie sie aussehen als Gesprächspartner ernst. Wenn man wieder Frauen sagt, was sie anzuziehen haben ist das lediglich wieder Paternalismus – nur halt diesmal in die andere Richtung.

    @Titus
    In den Augen der Frau, handelt sie Ihnen gegenüber auf die ihr in dem Moment einzige Möglichkeit ihren absoluten menschlichen Respekt zu zeigen..genau das ist doch das Fatale.

  9. @ David
    Nein, ich habe den Club nicht gesehen, allerdings kam bei mir schon die Frage auf, welche der beiden Formen Du meintest.

    Es gibt so ein ungeschriebenes Gesetz, welches besagt, dass die Augen nie lügen. Darum finde ich sie auch wichtiger als die Mimik, denn Letztere wird häufig verstellt. Ob ein Lächeln wirklich ernst gemeint oder nur künstlich ist, erkennen wir meistens (unbewusst) an den Augen.

    Ganz grundsätzlich: Wichtig ist nicht, was jemand trägt, sondern mit welcher Haltung jemand etwas trägt. Eine Uni-Form, als Beispiel, kann jemanden auf eine Sache reduzieren, kann diese Person aber auch mit Stolz erfüllen. Beispiel: Die Uniform des Schiffs- oder Flugkapitäns. Burkas haben genauso wie die Kutten der christlichen Vertreter etwas Uniform-ähnliches.

    Erschwert wird das Erkennen der Haltung dadurch, dass wird tendentiell immer etwas in eine bestimmte Kleidung hineinprojezieren, das nur teilweise richtig sein muss.

    Ich bleibe beim genannten Beispiel: Der Schiffs- oder Flugkapitän ist für uns eine Respektsperson – aber nur solange, wie er die Uniform trägt. Begegnen wir der gleichen Person in Jeans und Pullover, ist es bloss noch «just a normal guy» und mit dem Respekt ist es erst recht dann vorbei, wenn wir ihn vielleicht auch als Privatperson «schlecht» agieren sehen (Extrembeispiel: Roland Näf). Und wenn eine Dame im Ausgang ohne einen Parner ihr kleines Schwarzes trägt, dann will sie doch abgesschleppt werden, oder?

    Mit der Burka ist das ähnlich: Trägt eine Frau sie aus einer inneren Haltung bzw. Überzeugung heraus oder «weil es sich so gehört» und in diese Kleidung die gottesfürchtige Gläubige hineinprojeziert wird, welche ihrem Mann nie widerspricht? Von aussen können wir das leider nicht erkennen…

    @ Mara
    In der Tat, dass sie glaubt, es wäre ihre einzige Möglichkeit, scheint mir auch fatal. Mit Glaube hat das allerdings nichts zu tun, eher mit Tradition oder Kultur.

  10. @Mara: Im Grundsatz hast du recht, die Frage ist nur, wer nachgeben soll, wenn die Kulturen aufeinanderprallen. Und da habe ich durchaus Verständnis für Leute, die irgendwo eine Grenze haben und nicht mehr nachgeben wollen, und ich finde, dass man diese Grenze auch respektieren sollte. Von aussen betrachtet fällt der verschleierten Frau genausowenig einen Zacken aus der Krone, wenn sie ihr Gesicht zeigt, wie dem Lehrer, wenn er mit einer verschleierten Frau spricht. Aus der Sicht der Betroffenen kann dies aber sehr wohl eine Grenze sein.

    @Titus: In den Augen habe ich keine Chance zu sehen, ob jemand lügt – Sprichwort hin oder her. Mindestens die Augenbrauen müsste man schon sehen.

    Und ja, ich finde es einen falschen Ansatz, die innere Haltung erkennen zu wollen. Dann sind wir bei der Gesinnungspolizei. Wir müssen die Manschen rein nach ihren Handlungen beurteilen. Der Rest geht uns nichts an – und den Staat erst recht nicht.

  11. @David
    Macht es nicht einen Unterschied, ob ich als Private handele oder nicht? Als Privatperson kann ich sprechen mit wem ich will – und eben auch selber entscheiden ob ich mit jemanden in Lederhose, kahlem Schädel oder Burka spreche (oder wie freundlich ich zu den einzelnen Personen bin). Als jemand mit öffentlicher Funktion, z.b. eine Lehrerin, ist aber eben nicht nur Privatperson sondern erfüllt eine Aufgabe – Bildung für die Kinder. Da hat schon mal die persönliche Ansicht zurückzutreten – und wir zwingen die LehrerInnen ja auch mit Antisemiten, Faschisten, Frauenhassern und sonstigen zu sprechen … dagegen sind Burkafrauen ja noch ziemlich harmlos..

    @Titus
    Es ist ja auch nicht die Aufgabe ständig die innere Emotionen und Beweggründe der TrägerInnen zu erkennen – man hinterfragt ja auch nicht ständig die Krawattenträger und Handtuchrockträgerinnen. …

    Warum also die Burka? Ich glaube nicht, dass der Versuch, die Burka an sich zu dämonisieren etwas hilft… es geht doch hier genauso wie mit dem Minarett schlicht und einfach um ein Symboll, das bilig ist zu verbieten, weil es so wenig Trägerinnen gibt (und die keinen Einfluss zu haben). Wenn man den Frauen wirklich etwas gutes tun würde wollen, bietet man vermehrt Deutschkurse etc an – aber das würde halt was kosten…

    Und Religion hat sehr viel mehr mit Kultur zu tun als mit reiner Theologie – man vergleiche nur einen Afrikanischen Christen mit einem Schweizer Christen. Per se ist das ja auch nicht problematisch – der Konflikt ergibt sich ja erst, wenn man eine Kulturansicht absolut setzt…(z.B. indem man nur eine Form der Respektsbezeugung akzeptiert…)

  12. @Mara: Ja, im Privaten stellt sich das Problem nicht, solange es nicht als Diskriminierung gewertet wird, wenn man Personen je nach Bekleidung unterschiedlich behandelt. Es geht vor allem um die öffentliche Funktion. Und da, finde ich, kann man die Leute nicht dazu zwingen mit jedem zu sprechen, egal wie respektlos dieser sich verhält. Meines Erachtens ist es eine Frage des Respekts, sich anzupassen. Darum verwendete ich ja auch den Vergleich mit der nackten Person. Es ist respektlos, in unserem Kulturkreis nackt (oder nur schon halbnackt) zu einem Elterngespräch zu erscheinen. Das gleiche gilt für einen Gesichtsschleier. Sowas darf man sich als Lehrer bieten lassen, muss es aber nicht.

    Ich denke, wir werden uns da nicht einigen. Ich verstehe deine Ansicht, aber ich teile sie nicht.

  13. Das ist ja das Dilemma. Ich verstehe ebenfalls beide Ansichten (@david und @mara). Schlussendlich stellt sich mir die Frage, was mehr bringen wird: Die Gesprächsverweigerung oder das Eingehen auf ein Gespräch – und da ist der Fall dann für mich klar. Ich würde auf jeden Fall das Gespräch beginnen. Vielleicht muss man es irgendwann – wie ein Gespräch mit einem Antisemiten, einem Rechtsextremen, einem Frauenhasser – abbrechen, weil es nicht geht. Wahrscheinlicher scheint mir jedoch die Chance, dass eine verschleierte Frau – wie die meisten Mütter – ein Interesse an einem Gespräch über ihr Kind hat. Insofern ist für mich das Beispiel mit der Lehrkraft nicht ganz repräsentativ.

    Was macht man aber mit jener Frau, die verschleiert aufs Arbeitslosenamt kommt und erklärt, sie finde keine Arbeit und das daran liegt, dass sie wegen ihrer Verschleierung keine Arbeit bekommt? Ich würde auch mit ihr den Dialog beginnen. Und dann? Wie weiter, wenn sie weiterhin darauf beharrt, ihre Burka bei der Arbeit tragen zu müssen? Wie ordne ich das ein? Auf gleicher Stufe wie den jenen, der erklärt, vor 12 Uhr komme er halt nicht aus den Federn und den Chef als Autorität zu akzeptieren sei auch so eine Sache ….

    Was macht man mit den Männern dieser Frauen? Männern, die ihnen verbieten, den Deutschkurs zu besuchen, wenn da auch nur ein einziger Mann drin sitzt? Männern, die ihre Frauen nur „nach draussen“ lassen, wenn sie dabei sind? Männer, die es in Kauf nehmen, dass ihre Frauen völlig unglücklich erkennen, welch kulturellen Spagat ihre Kinder tagtäglich machen müssen, und sich über dieses Unglück im Namen ihrer Kultur hinwegsetzen?

    Was machen wir mit Männern (und Frauen), die an den Entscheiden ihrer Kinder, welche sich über die Kultur der Eltern hinwegsetzen, zerbrechen und im schlimmsten Fall gewalttätig werden?

    Da hilft das Burkaverbot einen Deut und nichts. Und trotzdem bin ich dafür. Weil: Weil es dann nicht die Frau ist, die „aufbegehrt“, sondern eine „externe“ Macht diesen Entscheid übernimmt. Vielleicht sogar auch zur Erleichterung von Männern, die eigentlich gar nichts dagegen hätten, wenn ihre Frau keine Burka trägt, von ihrer Gemeinschaft aber unter dem Druck stehen, sie zu tragen.

    Es ist wie bei den Deutschkursen. Dort, wo sie Pflicht sind und allenfalls sogar eine Aufenthaltsbewilligung auf dem Spiel steht, können Frauen plötzlich ihr für kurze Zeit die starren Normen ihrer Kultur verlassen und dabei eine neue Welt kennenlernen. Ich kenne Lehrkräfte, die Deutsch unterrichten und von aufblühenden Frauen erzählen, die ausserhalb ihrer fixen Normen an Selbstsicherheit gewinnen.

    Vielleicht, vielleicht ist es ja auch die Pflicht eines Staates, Menschen Möglichkeiten zur Öffnung zu bieten.

  14. Bezüglich Arbeitslosenamt: Ich finde, Arbeitslosengeld sollte aufgrund von unangepasster Kleidung gekürzt werden dürfen, Sozialhilfe hingegen nicht. Sozialhilfe sollte nicht an solche Bedingungen geknüpft werden.

    Der Vergleich mit den obligatorischen Deutschkursen finde ich gut, er hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich finde es gut, dass ein Deutschkursbesuch zur Bedingung für eine Aufenthaltsbewilligung gemacht werden kann. Jedoch fände ich es falsch, wenn Personen, die sich weigern einen Deutschkurs zu besuchen, gebüsst oder gar angeklagt werden könnten. Das Druckmittel kann nur die Aufenthaltsbewilligung sein.

    Bei der Gesichtsverschleierung funktioniert das Druckmittel der Aufenthaltsbewilligung nicht, da wir ja gesehen haben, dass die wenigen Niqabträgerinnen in der Schweiz oftmals Schweizer Konvertitinnen sind, oder dann Touristinnen. Ein „Burkaverbot“ könnte man nur mit Bussen und Prozessen durchsetzen, und das finde ich falsch.

    Wir müssen daher andere Mittel finden, um Menschen Möglichkeiten zur Öffnung zu bieten.

  15. Zum Burkaverbot: Nicht ganz einverstanden. Ich sehe in einem Burkaverbot folgende Chance: Der Staat unterstützt damit die Kinder von Imigranten oder Schweizer Konvertiten, die in zwischen zwei Kulturen aufwachsen (Schule/Freizeit – Familie) und die für sich die kulturellen / religiösen Vorgaben freier resp. weniger streng anwenden möchten. Denn: Solange alles erlaubt ist, gibt der Staat indirekt den Eltern recht => die Kinder haben es schwerer, sich durchzusetzen und einen offeneren Weg einzuschlagen.

    Mit der Sozialhilfe bin ich nicht ganz einverstanden. Es wird zu einfach, zu bequem. Kein Arbeitslosengeld? Okay, warte ich halt, bis ich zum Sozialfall werde. Ich habe von einem Land gelesen, dass die Sozialhilfe auf fünf Jahre beschränkt hat (leider, leider, weiss ich nicht mehr, ob das die USA oder England sind – tippe auf USA). Erste Auswertungen ergeben, dass die Anstrengungen, aus der Sozialhilfe herauszukommen, so höher sind. Um mehr dazu sagen zu können, müsste ich mich aber erst einmal fachkundig(er) machen. Mir ist dieses „Mir wurscht, was andere machen, denken, fühlen, arbeiten, Hauptsache ich kann bleiben wie ich bin, auch wenn das bedeutet, dass mich nie jemand anstellt, sollen die Doofen doch für mich bezahlen“ zu einfach. Es gibt zwei Wege aus dieser „Leckt-mich-doch-Stimmung“:

    a) das bedingungslose Grundeinkommen, das ich so ansetzen würde, dass man davon leben kann, aber ohne all den Konsumgrümpel, den die heutige Welt für zum Leben notwendig hält. Dann können alle, die so leben wollen, von mir aus so leben – aber sie verwirken sich dann das Recht, über ihren tiefen Lebensstandard zu jammern oder gegen „die Reichen“ zu wettern.
    b) Wer ganz bewusst alles daran setzt, keine Arbeit zu finden, soll keinen oder sehr reduzierten Anspruch auf Sozialhilfe haben. Irgendwo hat für mich alles eine Grenze.

    Und ja: Wir müssen ganz viele Möglichkeiten suchen und finden, Menschen die Möglichkeit zur Öffnung zu bieten. Ich glaube auch, dass ganz viele Menschen diese Möglichkeiten schon wahrnehmen und für sich Gebrauch davon machen. Dort aber, wo gemauert wird (sei es von Konvertiten oder extrem Gläubigen, auch Christen), dort sollen und müssen andere Massnahmen greifen. Ich finde, in solchen Fällen darf ein Staat auch einmal ganz bestimmt die Konsequenzen aufzeigen.

  16. Burkaverbot: Ich bin sehr skeptisch, ob Kinder es leichter haben, sich aus diesen Zwängen zu befreien, wenn die Eltern kriminalisiert werden. Es könnte auch der Segregation Vorschub leisten und zur Radikalisierung (auch der Kinder) beitragen.

    Sozialhilfe: Mag sein, dass sich die Anstrengung erhöht, wenn die Sozialhilfe beschränkt wird. Jedoch hat die Wirtschaft deswegen keinen höheren Bedarf an diesen Arbeitskräften. Damit werden nur Dumpinglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen gefördert, weil die Leute dann jeden Job annehmen müssen. Darum: Ja, ich bin für das Grundeinkommen, und es sollte so hoch sein, dass es auch eine Teilhabe an Kultur und Gesellschaft ermöglicht. Dadurch, dass man einen Zusatzverdienst zum Grundeinkommen gänzlich behalten kann (ohne dass einem die Sozialhilfe entsprechend gekürzt wird, wie das heute der Fall ist), ist auch mit Grundeinkommen ein starker Anreiz vorhanden, einer Erwerbsarbeit nachzugehen.

    Was meinst du mit „wo gemauert wird“ und „ganz bestimmt die Konsequenzen aufzeigen“? Das tönt für mich stark nach Bevormundung und Einschränkung der Glaubensfreiheit.

  17. @ David # 10
    Es geht nicht bloss um ein Sprichwort: Wenn jemand lügt, weicht er entweder Deinem Blick aus oder der Blick wird unsicher.

    @ Mara # 11
    «Es ist ja auch nicht die Aufgabe ständig die innere Emotionen und Beweggründe der TrägerInnen zu erkennen – man hinterfragt ja auch nicht ständig die Krawattenträger und Handtuchrockträgerinnen»

    Zu Letzterem würde ich mich nicht zu sehr aus dem Fenster. Das geschieht oftmals auch unbewusst.

    Im Übrigen dämonisiere ich die Burka nicht. Wie ich bereits erwähnte: Relevant ist doch, mit welcher Haltung jemand eine Kleidung trägt.

    So gibt es tatsächlich Frauen, die freiwillig eine Burka tragen, weil es ihrer (religiösen) Haltung entspricht. In dem Falle kann nicht von Unterdrückung und ähnlichem die Rede sein. Es gibt aber auch Frauen, die aus traditionellen oder religiös-kulturellen Gründen eine Burka tragen MÜSSEN. Da würde ich dann schon von Unterdrückung sprechen.

    @ David # 12
    Es gibt Menschen, welche wunderbar gekleidet sind, einem aber überhaupt keinen Respekt entgegen bringen. Die können dann problemlos auf einen Handy-Anruf reagieren, währenddem man mitten in einem Gespräch war – und sie lassen einem dann quasi minutenlang stehen.

    Darum ist für mich der Vergleich nacht/bekleidet nicht relevant. Ein Nackter kann Dir gegenüber mehr Respekt entgegenbringen als ein Bekleideter.

    Doch wie ich bereits sagte: Es ist die Haltung, die jemand einnimmt, welche für mich zählt. Wenn Dir ein Nackter gegenübertritt, um zu provozieren, ist das eine andere Sache als wenn er einfach aus einer gewissen Natürlichkeit macht (wir vergessen manchmal, dass wir ja eigentlich nackt zur Welt kommen…)

    @ Frau Zappadong # 13
    Zur Stellenproblematik: Die Burka dürfte vermutlich nur eines von vielen Problemen sein. Stellen Sie sich vor, dass sie auch an einer Migros-Kasse nicht arbeiten will, weil sie da dann Schweinefleisch über den Scanner schieben müsste…

    Ein Unternehmen darf Kleidervorschriften machen. Wenn eine Muslima bei den SBB Billette knipsen will, dann muss sie nun mal eine Uniform tragen.

    Kurz: Eine streng gläubige Muslima muss sich gut überlegen, welcher Job mit ihrer Religion vereinbar ist.

    Aber: Diskutieren wir hier nicht an einem falschen Problem herum, denn in den Augen der konservativen Muslime haben Frauen ja auch nicht zu arbeiten…

    Wenn also eine Frau streng nach den Regeln von Koran und Sunna leben will, dann stellt sich das Problem gar nicht. Wenn sie trotzdem arbeiten will, was ihr gutes Schweizer Recht ist, hat sie sich eben den (ungeschriebenen) Gesetzen der Schweizer Wirtschaft zu beugen (es gibt ja auch noch ein Gewohnheitsrecht).

  18. Zitat Titus: „Aber: Diskutieren wir hier nicht an einem falschen Problem herum, denn in den Augen der konservativen Muslime haben Frauen ja auch nicht zu arbeiten…“

    Doch, genau das ist eines der Probleme: Die Kinder und Jugendlichen werden zu Erwachsenen. Zum Beispiel zu erwachsenen Frauen, die – wie ihre Klassenkameradinnen – einen Beruf erlernen und ausüben möchten. Wer von zuhause unter dem Zwang steht, eine Burka (oder sonst eine verhüllende Kopfbedeckung zu tragen), trifft schon mal auf erschwerte Startbedingungen.

    Zitat Titus: „Wenn also eine Frau streng nach den Regeln von Koran und Sunna leben will, dann stellt sich das Problem gar nicht. “

    Wenn sie so leben will, dann hat sie dieses Problem tatsächlich nicht. Was, wenn nicht?

    @David: „Mauern“: Wenn jemand nicht bereit ist, für eine Arbeit einen Kompromiss zu schliessen (Kleidung, Lebenseinstellung), dann sollen ihm / ihr ganz konkret die Leistungen gekürzt werden (=Konsequenzen tragen müssen).

    Zum bedingungslosen Grundeinkommen: So, wie du das schilderst, wird es relativ hoch liegen und damit schlicht und einfach nicht zu finanzieren sein. Ganz ehrlich. Wenn es nach deinen Vorstellungen umgesetzt würde, würden sowohl Herr Zappadong als auch ich sofort mit dem Arbeiten aufhören. Weil: Mehr brauchen wir nicht. Und ich denke jetzt mal, wir wären bei weitem nicht die Einzigen. Wer dann unsere Gesellschaft noch tragen würde, ist mir ein Rätsel. Aber damit sind wir jetzt schon ganz weit weg vom Thema …

  19. @Titus:
    Augenkommunikation: Wie auch immer, die Kommunikation ist erheblich gestört.

    Respekt: Natürlich kann man sich auch auf andere Weise respektlos verhalten, aber eine unangepasste Kleidung ist auch eine Art von Respektlosigkeit. Ich persönlich hätte wohl auch keine grossen Probleme damit, aber ein grosser Teil der Gesellschaft schon, und das gilt es zu beachten.

    @Zappadong: Natürlich müssen sie die Konsequenzen tragen, das tun sie ja auch. Die Frage ist nur, bis zu welchem Punkt. Die Sozialhilfe sollte eigentlich das letzte Netz sein. Auch dieses noch zu kürzen, halte ich für unwürdig – egal was der betreffende Mensch verbrochen hat.
    Die Folgen eines Grundeinkommens schätze ich ganz anders ein – aber vielleicht vertagen wir diese Diskussion auf ein andermal…

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