Afrokitsch

Nichts gegen ansteckende Lebensfreude, Zelebrierung der Völkerverbundenheit, und etwas Afrochic und traditionelle Kulturen. Aber wenn aus Afrochic Afrokitsch wird, wenn westliche Stereotypen nicht hinterfragt und als das «wahre Afrika» verkauft werden – dann kommt mir das vor, als ob man Afrika einfach immer noch nicht Ernst nehmen will. Die Afrikaner sind zwar keine Neger mehr, aber etwas primitiv werden sie immer noch gerne dargestellt, oder manchmal auch als spleenige Teenager, denen man den rechten Weg zeigen muss.

Beispiele gefällig? Hier:

Falls ich weitere finde, werde ich die Liste ergänzen. Hinweise sind willkommen.

4 Gedanken zu „Afrokitsch“

  1. Ich weiss nicht, ob ich mich da jetzt mit empören soll… Afrochic oder Afrokitsch alleine dünkt mich nicht das Problem zu sein. Fast zu allen Kulturen gibts den Kitsch. Das Problem an Afrika ist, dass der Afrokitsch meist das einzige ist, das wir zu sehen bekommen.

  2. Normalerweise gibts nur Krieg und Hunger, während der WM gibts Kitsch. Aber ich finde, im Falle von Afrika ist der Kitsch speziell primitiv und wird gerne als „Alltag“ verkauft.

  3. Mich ärgert, dass immerzu nur von «Afrika» und den «Afrikanern» die Rede ist. Dieser Kontinent ist wirtschaftlich, kulturell, sozial, sprachlich, religiös, gesellschaftlich usw. wohl mindestens so vielfältig wie Europa ist. Wir sollten daher nicht alle in einen Topf werfen…

  4. @Titus: Das sehe ich anders. Ich habe den Eindruck, dass auch die afrikanische Bevölkerung selbst sich stärker mit dem Kontinent und weniger stark mit dem Land identifiziert als in Europa. Vielleicht auch deshalb, weil auch die Länder sehr durchmischt sind. Auch z.B. Nigeria ist wirtschaftlich, kulturell, sozial, sprachlich, religiös, gesellschaftlich usw. sehr vielfältig, somit sagt «Nigerianer» nicht viel mehr aus als «Afrikaner». Es sind eigentlich alles Vielvölkerstaaten, die Nationalstaatsidee hat sich in Afrika (zum Glück, kann man wohl sagen) nicht durchgesetzt. Und in „Stämmen“ und Volksgruppen zu denken, scheint mir auch nicht erstrebenswert zu sein, denn damit wird das Trennende betont und künstlich Abgrenzungen gemacht, was mitunter gefährlich sein kann (man denke an Ruanda, Darfur, …). Daher finde ich es recht sympathisch, wenn von Afrika gesprochen wird, als eine völkerverbindende Idee, in der auch grosse Unterschiede Platz haben.

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