Grenzen respektieren – sexueller Ausbeutung vorbeugen

Bei Vorbereitungshöcks von jugendlichen Leiterinnen und Leitern eines grossen Sommerlagers führe ich einen Block zum Thema Prävention sexueller Ausbeutung durch. Ziel ist, dass Kinder im Sommerlager erfahren, dass ihr Körper ihnen gehört und dass ihre Grenzen respektiert werden. Dadurch sollen sie weniger leicht Opfer von sexueller Ausbeutung werden und sich im Falle eines Übergriffs getrauen, sich zu wehren und sich jemandem anzuvertrauen. Kinder, deren Grenzen im Alltag nicht respektiert werden, erdulden eher Missbräuche, da sie gelernt haben, dass auf ihre Gefühle sowieso keine Rücksicht genommen wird.

Während diesem Block diskutieren die Jugendlichen anhand von praxisnahen Beispielen, was eine Grenzüberschreitung sein könnte:

  • Ein Leiter (19) verbringt kurz vor dem Zubettgehen noch 1–2 Stunden im Zelt von 15-jährigen Leiterinnen.
  • Im Leitungsteam gibt es gemischte Schlafzelte.
  • Eine Leiterin (17) fällt beim Fussballspielen auf einen Jungen (10).
  • Ein Mädchen (11) schwärmt für einen Leiter (16) und sucht immer wieder seine Nähe. Er lässt es sich gefallen.
  • Im Lager machen sich einige den Spass daraus, sich in der Nacht in fremde Zelte zu schleichen und einen Schlafenden anzumalen.
  • Es wird altersdurchmischt (aber geschlechtergetrennt) geduscht.
  • Ein Mädchen teilt ihrer Leiterin mit, dass sie eine Zecke in der Leistengegend hat. Diese schickt das Mädchen zum Sanitäter.
  • Auf der Tageswanderung ziehen sich die Jungs das T-Shirt aus und wandern oben ohne weiter.
  • Während einer heissen Tageswanderung kühlt sich die Gruppe (gemischt) im naheliegenden Bach ab – mangels Badekleidern in Unterwäsche.
  • Ein frischgebackenes Pärchen (14/15) liegt schmusend im Gebüsch und wird ertappt.

Wo findet eine Grenzüberschreitung statt? Wo muss man aufpassen, z.B. weil es einen gewissen Gruppendruck gibt? Welche Situationen sind unbedenklich? Die Jugendlichen diskutieren jeweils engagiert. Mal schauen, ob dies auch bei meinen Bloglesern der Fall ist…

3 Gedanken zu „Grenzen respektieren – sexueller Ausbeutung vorbeugen“

  1. Man kann alles übertreiben. Gesunder Menschenverstand sollte nicht ausser Acht gelassen werden.

    Was soll daran sexuelle Ausbeutung sein, wenn eine Leiterin beim Fussballspielen auf einen Jungen fällt? Müsste ja schon absichtlich und aus sexuellen Überlegungen heraus geschehen.

    „Im Lager machen sich einige einen Spass daraus Nachts in fremde Zelte zu schleichen und einen Schlafenden anzumalen.“ Wo ist da die sexuelle Komponente? Wird der Penis angemalt? Okay, wenn ein Erwachsener sowas macht ist es schon seltsam…da muss man sich fragen ob er etwas zurückgeblieben ist.

    Während einer heissen Wanderung kühlt man sich in Unterhosen im Bach ab…

    Also bitte, sind wir bei den Taliban oder in den USA?

    Hirn einschalten und gesunden Menschenverstand walten lassen, wäre hier angebracht. Aber da dies heutzutage offenbar nicht mehr vorausgesetzt werden kann, müssten wir uns vielleicht überleben ob wir das Strafgesetzbuch nicht noch um ein paar Tatbestände erweitern sollten. Zum Beispiel 4 Jahre Haft für jeden, der eine Frau mehr als 10 Sekunden lange anschaut oder 20 Jahre Haft für Leute, die mit anderen Leuten in Unterhose im Bach baden usw.

  2. @Alexander: Keines der Beispiele ist sexuelle Ausbeutung. Manche können Grenzverletzungen sein, manche sind unbedenklich. Es geht hier darum, mit gesundem Menschenverstand herauszufinden, was von Kindern (oder Menschen allgemein) als Grenzverletzung wahrgenommen wird, und nicht, was eine sexuelle Ausbeutung ist. Nicht alles, was legal ist, ist auch gut für das Kind. Vielleicht liest du einfach den ganzen Text nochmals durch.

  3. Hoi
    Finde ich sehr gut, dass ihr das macht. Dieser Teil ist bei unserem Jugendverband als Ausbildung zum Gruppenleiter vorgesehen. Ich war dieses Jahr dabei als Leiter in diesem Gruppenleiterkurs und die Reaktionen auf den Block waren ählich wie die von Alexander.
    Leider ist das mit dem gesunden Menschenverstand zum Teil nicht sehr weit her. Beispielsweise: was ist wenn der Leiter aus Beispiel 4 ein guter Kollege von mir wäre? Bin ich dann toleranter, falls er dann eine Grenze überschreitet.
    Leider beobachtet man, dass viele Leiter sagen: „Das ist doch klar, das kann man auf keinen Fall tolerieren. Dem gehört eine Faust in die Fresse!“ Wenn aber ein konkreter Fall bekannt wird ist es leider auch oft so, dass eben genau weggesehen wurde und der gesunde Menschenverstand ausgeschlatet war.
    Deshalb finde ich sehr wichtig was du David da lehrst.
    gruess hansjuri

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