Was spricht denn gegen Videoüberwachung?

Die Piratenpartei Zürich organisiert an diesem Donnerstag eine Filmvorführung und Podiumsdiskussion zum Thema Videoüberwachung und Überwachung im Allgemeinen. Neben Michael Gregr, dem Spitzenkandidaten der Piratenpartei für den Nationalrat, nehmen der grüne Nationalrat Daniel Vischer, der SVP-Gemeinderat Mauro Tuena, zwei Winterthurer Stadtpolizisten sowie der Filmregisseur Nino Leitner teil. Klingt vielversprechend!

Doch, was ist eigentlich das Problem einer Videoüberwachung? Es ist doch gut, wenn dadurch Kriminalität und Vandalismus eingedämmt und Kriminelle schneller gefasst werden können? Tatsächlich habe auch ich relativ wenig Angst, dass in unserem Staat mit den Videobändern Missbrauch betrieben wird. Wir haben ein recht grosses Vertrauen in die Behörden, die SBB und die privaten Firmen, dass sie verantwortungsvoll damit umgehen. Die wichtigsten Gründe, wieso ich dagegen bin:

  • Falsches pädagogisches Signal: Wenn wir meinen, wir müssten unsere Jugendlichen permanent beaufsichtigen, können wir nur verlieren. Wir müssen es schaffen, dass Jugendliche lernen sich auch dann angemessen verhalten, wenn sie nicht beaufsichtigt sind. Dazu gibt es keine Alternative, denn eine lückenlose Videoüberwachung ist natürlich unmöglich. Die Videoüberwachung untergräbt aber dieses pädagogische Ziel. Sie führt dazu, dass manche Jugendliche bloss lernen, innerhalb des Kamerabereichs sich angemessen zu verhalten, nicht aber im Allgemeinen.
  • Falsches Signal für die Welt: Nicht überall in der Welt kann man ein solches Vertrauen in Behörden und Unternehmen haben wie bei uns. Diktaturen auf der ganzen Welt können ihre Überwachungsmassnahmen sehr gut rechtfertigen dadurch, dass ja auch in demokratischen, westlichen Staaten die Bevölkerung überwacht wird. Würden wir auf Überwachung verzichten, könnten wir auch von Diktaturen glaubwürdig ein Verzicht auf Überwachung fordern und so Oppositionelle schützen und deren Grundrechte stärken.
  • Vorlage für Nachahmer: Bilder wie jene aus Kreuzlingen haben nicht nur eine abstossende Wirkung. Für entsprechend veranlagte Menschen bieten sie eine Vorlage zur Nachahmung. Dies ist eine Erklärung, wieso die Videoüberwachung nicht zu einer Reduktion der Kriminalität führt. Man könnte das Verhindern, indem man die Bilder nicht veröffentlicht. Dadurch würde aber das Argument des Fahndungserfolgs auch hinfällig oder zumindest eingeschränkt.

Flyer_Podiumsdiskussion

3 Gedanken zu „Was spricht denn gegen Videoüberwachung?“

  1. Für mich ein wichtiges Argument gegen Videoüberwachung ist das Suggerieren einer falschen Sicherheit. Sicherheit ist keine fassbare Sache, sondern ein Gefühl. Den Menschen das Gefühl zu vermitteln, sie seien sicher, kann fatale Folgen haben, denn: Wer sich sicher fühlt, verhält sich nachlässiger/fahrlässiger. Das Auge einer Kamera mag einem zwar anschauen, dahinter sitzt aber nur in den wenigsten Fällen ein Mensch, der aktiv zuschaut und im Notfall Alarm schlagen kann. Dessen sind sich aber viele gar nicht bewusst…

    Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass Videoüberwachung nur anfänglich präventiven Charakter hat. Schon die alten Bankräuber wussten sich zu vermummen, um später nicht erkannt zu werden. Das kann man auch vor einer Videokamera machen und wird auch so gemacht, denn dumm sind jene, welche mit Vorsatz handeln, ja auch nicht.

    Zwar liegen dann Bilder einer Tat vor, nur: Was habe ich davon? Macht das eine Tat und den damit verbundenen Schaden ungeschehen? Es wäre doch gescheiter, etwas zu unternehmen, damit es gar nicht erst zu einer Tat kommt…

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