Vorsicht, Musikschaffende! (Fortsetzung)

Ich finds interessant, wenn so gegensätzliche Vorstellungen aufeinander prallen. Weniger toll finde ich, wenn der Gegenseite dauernd unlautere Absichten unterstellt werden. Ich würde begrüssen, wenn wir uns fortan an das Wikipedia-Grundprinzip «Geh von guten Absichten aus» halten. Das macht die Diskussion meistens fruchtbarer.

Ich danke Ivo für die engagierte Replik. Gerne entgegne ich dir folgendermassen:

David – nur weil Du und ihr einfach mal so aus dem Nichts daher behauptet, ihr würdet nur kopieren und das sei kein Diebstahl, heisst das noch lange nicht, dass dem auch wirklich so ist.

Das behaupte ich nicht aus dem nichts. Diebstahl ist ein Begriff aus dem Sachenrecht und kommt im Immaterialgüterrecht nicht vor. Da kannst du jeden Juristen fragen oder das Urheberrechtsgesetz und das Strafgesetz selber durchlesen. Wirklich ist das, was Gesetz ist, und nicht das, was nach deiner Vorstellung Gesetz sein müsste. Verstösse gegen das Urheberrecht nennt man ganz einfach Urheberrechtsverstösse. Solche gibt es, aber Diebstahl gibt es hier nicht, auch wenn die Labels diese Behauptung mit viel Geld in die Welt gesetzt haben.

Veröffentlichung heisst nicht, dass damit automatisch irgend jemand die Lizenz zum Gratis-Konsum erworben hätte. Wär ja noch schöner!
Ich weiss schon, ihr hättet das nur zu gern. Aber ihr habt nun mal kein Recht darauf. Weder auf Gratis-Original-Content noch auf eine Gratis-Kopie. Es gibt kein Menschenrecht auf Gratis-Musik.

Ich will kein Menschenrecht auf Gratis-Musik. Aber ja, ich hätte gerne das Recht, Musik frei zu kopieren. Im Freundeskreis habe ich dieses Recht (das du mir hoffentlich nicht absprechen möchtest?), ansonsten habe ich dieses Recht bisher nicht, ich fände es aber sinnvoll, da es sowieso fast jeder macht.

Da könnt’ ihr euer Sprüchli, von wegen, das sei jetzt heutzutage nun mal gottgegebene Realität und Musikschaffende hätten sich dem doch bitte zu beugen, noch Millionen Mal runter leiern – dieses Recht werdet ihr nie kriegen.

Als Atheist halte ich nichts für gottgegeben, und ich halte es auch nicht für naturgegeben. Wir glauben, dass wir Menschen die Dinge gestalten können. Darum sind wir ja auch eine Partei. Was aber nicht geht, ist, verdachtsunabhängig Kommunikation überwachen und gleichzeitig Grundrechte wahren. Und wenn es keine flächendeckende, verdachtsunabhängige Kommunikationsüberwachung und massive Sanktionen gibt, dann weiss ich nicht, wie ein Kopierverbot durchgesetzt werden soll. Kennst du ein erfolgreiches Modell? Ich freue mich auf konkrete Vorschläge!

Zudem – zu eurem Leidwesen wird ja schon jetzt tonnenweise Zeugs im Netz kontrolliert und das sehr wohl zu Recht! Warum unterschlägt ihr das geflissentlich?
Wir können ja mal bei der Kinderpornografie anfangen – seid ihr da denn auch so generös? Fordert ihr da auch freie Entfaltung? Wollt ihr da auch keine Kontrolle? Nähm’ mich mal Wunder?
Beharrt ihr da auch auf dem Recht, dass jeder tun und lassen kann, was er will?
Na, komm schon, ist doch kein Problem? Da zieht sich doch auch jeder nur eine Kopie? Denen wollt’ ihr doch bestimmt auch nicht das Recht auf unkontrollierten Freiraum im Netz absprechen??
Und erzählt ihr den betroffenen Kindern oder deren Eltern dann auch, dass das Internet frei und unkontrolliert bleiben soll? Sie hätten halt den Wandel der Zeit verschlafen und sollen sich doch jetzt bitteschön damit abfinden… und halt ein bisschen besser auf ihre Kids aufpassen… oder “ein anderes Geschäftsmodell“ suchen??
Falls ich richtig liegen sollte, nehmt’s wenigstens auch gleich in euer Parteiprogramm auf und steht öffentlich dazu. Falls nicht, steht eure Argumentation aber auf ziemlich wackligen Beinen.

Wir sind gegen jegliche Netzsperren und gegen jegliche verdachtsunabhängige Überwachung. Kinderpornographie kann man sehr gut ohne diese Mittel bekämpfen, indem Meldungen nachgegangen wird und das einschlägige Material vom Server gelöscht wird. Diese Postition hat (nach massiven Protesten der Piratenpartei) auch die deutsche Bundesregierung übernommen. Die Schweiz sucht sein Heil leider immer noch in unwirksamen Kinderpornosperren.

Es ist ok, wenn auch bei Urheberrechtsverstössen entsprechend vorgegangen wird: Wenn die Polizei von einem Verstoss erfährt, fordert sie die Serverbetreiber auf, die entsprechenden Inhalte zu löschen. Falls diese der Aufforderung nicht nachkommen, können die Server beschlagnahmt werden. Das ist Status quo, das geschieht täglich. Wir erachten es zwar nicht wirklich als sinnvoll, aber es ist akzeptabel: Keine Netzsperren, keine verdachtsunabhängige Überwachung, keine Kriminalisierung von normalen Nutzern.

Weisst Du, ich bin auch nicht mit allem in unserer Gesellschaft einverstanden und ich find’ ebenfalls, das eine oder andere gehört überdacht.
Und ich kann mich sogar mit einigen eurer Ideen (die ja auch nicht alle die euren sind, apropos “bedingungsloses Grundeinkommen“) da und dort anfreunden.

Eigentlich sind alle „unsere“ Ideen älter als die Partei. Lawrence Lessigs Buch „Free Culture“ wurde 2004 publiziert, zwei Jahre vor der Gründung der schwedischen Piratenpartei, und auch seine Ideen waren nicht total neu.

Was ihr euch aber in dieser Sache an Aussetzern leistet, ist unterste Schublade und an Respektlosigkeit und Arroganz nicht zu überbieten.
Selbst Du hältst Dich, sogar in Deinen eigen vier Wänden und zu Deinem eigenen Wohlbefinden, an gewisse Regeln und „Übereinkünfte“, um Dir und Deinen „Mitmenschen“ ein einigermassen friedliches Miteinander in dieser Gesellschaft zu gewährleisten und selbst Du wirst darüber hinaus auch bis in Deine eigenen vier Wände kontrolliert. Auch dies letztlich zu Deiner eigenen Zufriedenheit.
Ob euch das nun passt oder nicht: Es ist – zumindest bis heute – ein Jahrhunderte alter und unverzichtbarer Teil des Kulturverständisses und entspricht einer gemeinsamen Überzeugung dieser Gesellschaft, dass auch kreative Arbeit bezahlt werden soll. Offenbar wollt’ ihr das einfach nicht wahr haben.

Nochmals deutsch und deutlich: Ich begrüsse es, wenn kreative Arbeit bezahlt wird. Ich bin selbst als Webdesigner kreativ tätig. Ich gebe Geld aus für Musik. Ich ermutige auch Leute, etwas für Musik zu bezahlen. Aber: Ein Polizeistaat ist nicht das richtige Mittel für diesen Zweck. Und: Der Einzelstückverkauf von Musiktiteln ist nicht Jahrhunderte alt, sondern funktionierte gerade mal ein Jahrhundert lang. Vorher war das nicht möglich, und nachher ist es halt auch nicht mehr möglich (weil die Gesellschaft den Preis dafür, nämlich die Zerstörung des freien Internets, nicht bereit ist zu bezahlen).

Darüber hinaus hat die Zivilgesellschaft ja noch so einige Errungenschaften mehr vorzuweisen, die sie sich zum Wohle aller erarbeitet hat. Unter anderem zum Beispiel die Freiheit, dass auch Du sagen kannst, was Du denkst. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Es ist aber sehr wohl etwas dagegen einzuwenden, wenn Du und ihr meint, dank dieser Freiheit euer eigenes “Wohl“ (das offenbar einzig darin besteht, ein bisschen zu schmarotzen und nichts für die Arbeit anderer bezahlen zu müssen) über jenes anderer stellen zu können.
Und es ist ganz bestimmt etwas dagegen einzuwenden, wenn ihr meint, von eurem bequemen Sessel aus die Arbeit anderer als Allgemeingut deklarieren zu können und ihnen darüber hinaus auch gleich noch auf höchst selbstgefällige Art vorschreibt, sie hätten sich doch bitte nach einem anderen Geschäftsmodell umzuschauen – einfach mal so, weil’s euch grad so schön in den Kram passt.

Diese Unterstellungen sind unhaltbar. Wie gesagt: Geh von guten Absichten aus. Es geht uns nicht darum, unser Wohl über dasjenige von euch zu stellen. Wenn du das nicht glauben willst – nicht unser Problem.

Wer oder was hat euch eigentlich dazu berufen, zu dieser höheren Einsicht, dass ihr euch anmasst, die Arbeit anderer zu verschenken?

Niemand, und wir haben auch keine höhere Einsicht, bloss eine andere Ansicht.

Eure Freiheit trampelt auf der Freiheit anderer rum.
Ein bisschen mehr Bescheidenheit stünde euch deshalb mehr als gut an.

Hm, ich würde das eher von euch behaupten, falls ihr mit euren Ideen durchkommen würdet.

Nun denn.. alleine die Tatsache, dass ihr alle jetzt so eifrig eure Blogs schreibt und notgedrungen auf jene paar Exponierten eindrischt, die sich getrauen, für ihre Rechte einzustehen, zeigt, dass ihr offenbar endlich ein bisschen Gegenwind spürt. Wurde aber auch langsam Zeit!
Drum, wir werden ja sehen, ob’s daran was zu ändern gibt.

Ja, wurde Zeit. Wir sind sehr debattenfreudig und freuen uns auf die Auseinandersetzungen.

Und bevor Du uns noch in dieselbe Tüte zu stecken versuchst, von wegen weder Musikschaffende noch ihr könntet das ändern: Im Gegensatz zu euch selbsternannten Piraten versuchen wir’s.
Das ist doch immerhin schon mal ein gewichtiger Unterschied.

Wie kommst du drauf, wir würden nicht versuchen, die Dinge zu ändern?

Und noch zu deinem Kommentar auf Infamy:

Knackeboul kann gut einen auf grosse Klappe machen, schliesslich hat er während 18 Monaten fette Präsenz auf dem von euch so verhassten Schweizer Staatsfernsehen erhalten, welches wiederum von den von euch so verhassten Billag-Gebühren finanziert wird.

Soviel ich weiss und in Erfahrung bringen kann moderiert Knackboul nur auf Joiz, und Joiz bekommt keinerlei Empfangsgebühren. Deine Argumente schiessen ins Leere. Ausserdem ist ist auch SF kein Staatsfernsehen und ich hasse es nicht und finde es nicht einmal schlecht. Meine Kritik an der SRG und dem Gebührensystem ist viel differenzierter.

Und was Deine Frage angeht, verweis’ ich Dich auf Deinen eigenen Blog.

Meine Frage war, wie du ein Kopierverbot konkret durchsetzen willst. Ich habe bisher keinen Ansatz einer Antwort auf diese Frage gefunden.

Auf Wunsch von Daniel Menna entgegne ich auch Andreas Gossweiler (obwohl er es nicht verdient hätte):

Erstens ist «die Infrastruktur namens Internet» in ihrer heutigen Form nichts Gottgegebenes. Man kann das Internet gestalten und seine Strukturen nach Belieben verändern.

Ich habe nie Gegenteiliges behauptet. Die Frage ist bloss, ob man dem dann noch «Internet» sagen kann.

Wenn jetzt Leute wie David Herzog sich in der sogenannten «Piratenpartei» organisieren, um sich auf der politischen Ebene dafür einzusetzen, dass im Internet geistige Werke gratis verfügbar sind, so trifft diese Leute durchaus eine Mitschuld daran, dass die Urheber immer weniger Geld verdienen.

Diese moralische Einordnung kann man so vornehmen, wenn man das will. Ich sehe keine Opfer, daher auch keine Täter und keine Schuldigen. Um diese Beurteilung zu bewerten, müsstest du erst erklären, wer Opfer ist und wieso.
Zudem setzen wir uns nicht dafür ein, «dass im Internet geistige Werke gratis verfügbar sind», sondern gegen die verdachtsunabhängige Überwachung von Kommunikation ganz generell. Jemand, der sich für das Briefgeheimnis einsetzt und der Meinung ist, dass die Post nicht jeden Brief öffnen und auf kriminelle Handlungen überprüfen müssen soll, ist meines Erachtens nicht mitschuldig an den Taten, die per Briefpost begangen werden. Das Gleiche gilt hier.

Es gibt keine sachlichen Gründe für Herzogs pathetische Warnung, Gesetze gegen das Raubkopieren würden das Internet «töten». Schliesslich können wir längst im Internet Pizzas bestellen und Reisen buchen, gegen gutes Geld natürlich, ohne dass jemand deshalb den «Tod» des Internets beklagen würde.

Meine Aussage war, dass Massnahmen zur Durchsetzung von geforderten Verboten das Internet töten würden, nicht die Verbote selbst, und schon gar nicht irgendwelche Bezahlmöglichkeiten. Kein Staat hat es bisher geschafft, Urheberrechtsverletzungen zu unterbinden, selbst mit massivsten Eingriffen in die Grundrechte nicht. Ich bin aber jederzeit bereit, meine Einschätzung zu revidieren, wenn ein konkreter Umsetzungsvorschlag für die Durchsetzung eines solchen Verbotes präsentiert wird.

Schwer erträglich ist auch Herzogs Attitüde, sich als derjenige darzustellen, der als einziger kapiert hat, wie das Internet funktioniert, und Sina und Sven Regener vorzuwerfen, sie hätten selbiges «nicht realisiert». Wie wenn die Mechanismen des Internets so schwierig zu verstehen wären.

Ich würde schon gar nicht behaupten, ich hätte «die Mechanismen des Internets» verstanden, und schon gar nicht als einziger. Es gibt Künstler, die die Mechanismen wohl schon viel besser verstanden haben als ich. Aber wenn Sina und Sven Regener weiterhin glauben, Einzelstücke verkaufen zu können, haben sie etwas Fundamentales nicht verstanden, das viele andere verstanden haben.

Hingegen scheint Herzog die Kritik der Musiker an der Gratis-Mentalität nicht verstehen zu wollen: «Wieso soll Freude am musikalischen Reichtum – und die Ablehnung des freiwilligen Verzichts darauf – Gier sein?» Es sagt ja gar niemand, Freude an Musik sei Gier. So ein Blödsinn.

Von Gier hat Sina gesprochen und jene gemeint, die ihren iPod mit Musik füllen. Ich behaupte, sie machen es nicht aus Gier, sondern aus Freude an der Musik. Ich finde, Sina hat die Musikfans nicht verstanden, wenn sie ihnen Gier vorwirft. Inwiefern ich die Kritik der Musiker nicht verstanden haben soll, ist mir schleierhaft.

3 Gedanken zu „Vorsicht, Musikschaffende! (Fortsetzung)“

  1. Der springende Punkt ist, dass noch immer nicht verstanden hast, dass es nicht einfach zwei entgegengesetzte Meinungen sind, wenn du sagst, dass Musik gratis sein soll. Die Forderung, jemanden für seine Arbeit nicht bezahlen zu müssen, wiegt schwerer auf als die Forderung, für seine Arbeit bezahlt zu werden. Das aus dem simplen Grund, weil Letzteres nämlich der Normalfall ist. Bei dir, beim Bäcker, beim Handwerker, ja sogar bei Politiker. Der Schreiner schreinert, und verkauft. Der Bäcker backt, und verkauft. Der Musiker macht Musik, und verkauft. Punkt. Da gibt es null Spielraum und nichts zu diskutieren.

    Natürlich gibt es andere Wege, wo man zusätzlich Geld verdienen kann, wenn’s denn mal gut läuft – Konzerte, Merchandise, was auch immer. Aber allen Musikern mit dem Argument „die Zeiten haben sich nun mal geändert“ das eigentliche Kerngeschäft, nämlich den rechtmässigen Verkauf ihrer Arbeit, absprechen zu wollen, ist einfach nur frech und ignorant, weil bequem.

    Actio, reactio, David… Du kannst dich hier nicht als Musikfan outen und trotzdem Trittbrettfahrer sein. Das funktioniert nicht. Es läuft auf das hinaus, was Kuno Lauener im Interview mit dem Blick am 18.03.2012 gesagt hat: „Der Entscheid des Bundesrats, dass ­Gratis-Downloads zum Eigen­gebrauch legal sind, war ein Schlag ins Gesicht. Wir sind Profis. Wenn die Leute kein Geld mehr ausgeben für unsere Musik, dann wirds knapp. Ich weiss nicht, wie lange es Züri West noch gibt.“ Da helfen auch lange Diskussionen oder aufeinander zugehen nichts – der Preis für eine CD bleibt der gleiche.

  2. Simon, du postulierst also quasi ein universelles Menschenrecht auf Einzelstückverkauf? Abweichende Meinungen sind ungültig? Hm, find ich überhaupt nicht überzeugend.

    Du sagst, wir seien bequem? Dann zeig mir, dass du es nicht bist, und mach einen konkreten Vorschlag, wie ein Kopierverbot durchgesetzt werden soll. Solange ich von euch keinen Vorschlag höre, werfe ich euch Denkfaulheit vor.

    Und an Kuno Lauener: Ich bin überzeugt, Züri West könnten ihr nächstes Album locker per Crowdfunding finanzieren. Die Leute geben gerne Geld aus für Musik.

  3. Argh, bei diesen Argumenten musste ich in den Tisch beissen und muss dazu einfach Stellung nehmen.

    > Erstens ist «die Infrastruktur namens Internet» in ihrer heutigen Form nichts
    > Gottgegebenes. Man kann das Internet gestalten und seine Strukturen nach Belieben
    > verändern.

    Nein, kann man nicht. Und ich erkläre Dir gerne wieso. Das Internet als solches funktioniert nur, weil sich alle Teilnehmer ans Internet-Protokoll (aktuell IPv4, IPv6 ist in der Einführungsphase) halten. Das Internet konnte nur so populär werden, weil sich alle an diesen Standard gehalten haben. Dieses ganze Protokoll basiert auf dem kopieren von Daten. Das ist naheliegend, weil die ganze Informatik auf Maschinen basieren die im Prinzip nur auf dem (stets perfekten) kopieren von Daten basieren. Wenn Du diese Standards änderst, also zum Beispiel ein System baust, das nur unter gewissen Bedingungen (Stichworte DRM, Lizenzen, Hardware-Dongle) Daten kopieren, dann ist es kein wirklicher (sprich freiprogrammierbarer) Computer mehr. Das nennt man dann z.B. Konsole (sehr verbreitet ist das für Games), Set-Top-Box (im TV-Bereich) oder Router (dort meist aus Sicherheitsgründen). Die Contentindustrie könnte also nur gewinnen, wenn Sie letzten Endes alle frei programmierbaren Geräte verbietet. Damit wären Computer so wie wir sie heute besitzen und das Internet insgesamt illegal. Mein Lieblings-Buchautor (auf dessen eigener Webseite man übrigens alle seine Bücher herunterladen kann und der damit trotzdem gutes Geld verdient) hat dazu eine Rede am letzten CCC-Kongress gehalten:
    http://www.youtube.com/watch?v=HUEvRyemKSg (Cory Doctorow: The coming war on general computation)

    > Wenn jetzt Leute wie David Herzog sich in der sogenannten «Piratenpartei»
    > organisieren, um sich auf der politischen Ebene dafür einzusetzen, dass im Internet
    > geistige Werke gratis verfügbar sind, so trifft diese Leute durchaus eine Mitschuld daran,
    > dass die Urheber immer weniger Geld verdienen.

    Der Grund warum Leute wie David und ich Piratenparteien gründen ist, weil wir es nicht mehr aushalten. Wir sind Eure besten Kunden! Ich gebe z.B. zwischen CHF 400 – 600 jeden Monat für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Filme, Games und Musik aus. Und dafür pinkeln mir die Medienindustrien auch noch ins Gesicht: Ich werde als Pirat und Raubmordkopierer beschimpft, muss mir nicht überspulbare Warnungen und Antipiraterie-Propaganda ansehen, bei Software ständig durch grössere Reifen springen, damit ich überhaupt noch die Games und Programme nutzen darf, angefangen vom eintippen langer Lizenzcodes, über eine ständige Internetverbindung bis zur Installation von Zwangstrojanern. Wenn ich das selbe Medium im Internet herunterlade funktioniert es einfach. Klar, meine Lösung ist einfach, das Zeug zu kaufen um es mir als Deko ins Regal zu stellen und dann den Film, das Buch oder was auch immer trotzdem herunterzuladen. Aber irgendwann muss damit doch Schluss sein. Wir Konsumenten haben die Schnauze voll. Darum gründen wir Piratenparteien. Genug ist genug.

    Was ist die Lösung? Künstler und Konsumenten (von machen Künstlern auch Piraten genannt) kommen zusammen und finden Kompromisse mit denen beide leben können. Gopfridstutz, wir mögen Euch doch. Wir zahlen Euch doch. Vielleicht sollten wir uns zusammentun und den Mittelsmann ausstechen. Wenn die Künstler sich direkt von den Konsumenten bezahlen lassen könnten, würden Sie wohl auch etwas mehr vom Geld sehen. Lasst die Contentindustrien verrecken. Im Internetzeitalter sind die doch gar nicht mehr nötig.

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