Und wer ist jetzt der Böse?

Bei all den Kriegen, die in unsere Wohnzimmer flimmern, ist es immer eine grosse Hilfe zu wissen, welche die Guten und welche die Bösen sind. Wenn man sich mit einer Seite identifizieren kann, gelingt die Einordnung und Verarbeitung. Insbesondere als Schweizer identifizieren wir uns gerne mit den Kleinen.

Im Nahostkonflikt hat bestimmt jeder für sich herausgefunden, mit wem man sich identifiziert. Bei Tibet und Burma war es sowieso ein Leichtes, den Bösen zu eruieren.

Schwieriger, d.h. richtig konfus, und dadurch interessant, ist die Sache in Georgien. Mir ging es etwa gleich wie Daniel Ordas, dessen Text ich hier empfehlen möchte.

Könnte es vielleicht sein, dass beide Seiten im Unrecht sind? Und kann es sein, dass die Bevölkerung einen Krieg gutheisst? Sind immer die Staatstoberhäupter schuld an einem Krieg, oder kann die Volksmehrheit schuld sein? Oder sind am Ende die USA schuld?

Wen vertritt die SVP?

Die SVP verzichtet auf Geheiss Blochers auf das Referendum gegen die Verlängerung und Ausweitung der Personenfreizügigkeit. Nicht nur das: Sogar die AUNS, die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz, hilft nicht beim Unterschriftensammeln, ja stellt nicht einmal ihre Adressen zur Verfügung. Da stellt sich die Frage:

Wen vertritt die SVP?

Den kleinen, nationalkonservativen Mann? Wohl nicht. Die laufen in Scharen zu den Schweizer Demokraten über. Für die SVP gibt es etwas, das wichtiger ist, als diese Leute bei der Stange zu halten. Und es liegt auf der Hand, was: das liebe Geld. Wenn die anonymen Geldgeber aus der Wirtschaft diktieren, es gebe kein Referendum, dann kuscht die SVP.

Die SVP ist den Interessen ihrer anonymen Geldgeber bedingungslos ausgeliefert.

Echte Vorbilder sind nicht perfekt

Der Tipp, den ich meinen Cevi-Leitern auf den Weg gebe, gilt auch für Politiker:

Die landläufige Meinung, das beste Vorbild sei jemand, der keine Fehler macht, ist komplett falsch. Wir alle machen Fehler. Ein echtes Vorbild ist jemand, der die Grösse hat, seine Fehler einzugestehen, sich dafür entschuldigt und versucht, sie wieder gut zu machen, oder zumindest, sie das nächste Mal nicht wieder zu machen.

Unsere Bundesräte sind keine guten Vorbilder.

  • In der Mengele-Affaire hätte Couchepin hinstehen sollen, ehrlich sagen, dass ihm ein wirklich dummer Spruch über die Lippen gegangen ist, um sich dann mit einer wirklich versöhnenden Geste bei Mörgeli zu entschuldigen.
  • Auch Schmid hätte in der Affäre Näf sofort hinstehen sollen, seinen Fehler eingestehen und sich entschuldigen sollen. Er hat bis heute kein «Sorry» über die Lippen gebracht.

Ich möchte echte Vorbilder als Bundesräte, und keine, die versuchen Superman zu sein, einen Anschein von Perfektion und Fehlerlosigkeit zu erwecken.

Wer wird Couchepin’s Nachfolger?

Bundesrat 2008
Es gibt verschiedene Kandidaten, denen man in den nächsten Jahren einen Rücktritt aus dem Bundesrat zutrauen könnte. Eigentlich allen 4 älteren Herren. Leuenberger scheint allerdings schon so mit dem Sessel verwachsen zu sein, dass eine Operation notwendig ist. Merz wird als Amtsjüngster der 4 noch ein paar Jahre über sein nächstjähriges Präsidium im Gremium verbleiben. Für Schmid wird die Lage immer ungemütlicher, aber ich denke nicht, dass er der SVP den Gefallen tun wird, rasch den Hut zu nehmen. Er wird dem fehlendem Rückhalt zum Trotz das Präsidentschaftsjahr 2010 durchziehen.
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Was geschieht eigentlich in…

…Darfur? …Burma? …Somalia? …Libanon? …Liberia? …Sri Lanka? …Sierra Leone?

Das Sommerloch war dieses Jahr lange und tief. Leider haben es unsere Medien verpasst, dieses zu nutzen, um verdrängte Themen wieder hervorzunehmen. Gibt es gute Websites, über die man sich aktuell informieren kann?

Ich habe keine Webseite gefunden, die aktuell über die Krisengebiete berichtet, auch wenn sie gerade keine Schlagzeilen liefern. Toll wäre eine Website, die zu allen Ländern konstant Neuigkeiten liefert. Im Ansatz machen das Amnesty International (deutsch), BBC (englisch) und die International Crisis Group (vielsprachig ohne deutsch) – ich hätte das Ganze einfach gerne etwas aktueller und natürlich in deutsch.

Bei der Crisis Group kann man auch den eindrücklichen, aufwühlenden und erhellenden Dokumentarfilm «Jihad on horseback» über den Darfur-Konflikt schauen.

Mein Parlamentarier-Website-Rating 2008

Ich habe mir die Mühe gemacht, alle 248 Websites (sofern vorhanden) der Schweizer Parlamentarier abzuklappern. Ich habe sie nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Umfang: Wie gut kann man sich ein Bild machen über die Person und ihre Arbeit? (zählt doppelt)
  • Aktualität: Sind die Inhalte aktuell? Werden aktuelle Themen aufgenommen? (zählt ebenfalls doppelt)
  • Design und Bedienung: Sieht es professionell aus oder selbstgebastelt?
  • Interaktivität: Können Besucher sich beteiligen? Gar ihre Meinung veröffentlichen?

Beobachtungen:
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Religion vs. Aberglaube

Marc Ravalomanana
Marc Ravalomanana

Heute in der NZZ am Sonntag über den Präsidenten von Madagaskar, Marc Ravalomanana:

[…] Ravalomanana […] steht zwar im Ruf, trotz seinem Bekenntnis zum Christentum abergläubisch zu sein und bei Staatsgeschäften stets den Geist Verstorbener zu beschwören. […]

Wann hören wir auf, andere Religionen mit «Aberglaube» zu betiteln?

Es ist schön, dass sich die Religion der Madagassen nicht vom Christentum und vom Islam hat verdrängen lassen. Auch «christliche» und «muslimische» Madagassen sind tief überzeugt, dass die Geister ihrer Ahnen weiterhin unter ihnen leben. Darum sind Begräbnisse und die alle paar Jahre durchgeführte «Umwendung der Toten» die höchsten religiösen Feste in Madagaskar.

Liebe NZZ, lieber Hans-Hagen Bremer, bitte geht mit dem Wort «Aberglaube» überlegter um.

Zitate mit Substanz – heute: Linda Züblin


Linda Züblin, Schweizer Siebenkämpferin, von DRS3 gefragt, ob sie sich bereits freue, in Peking die Nationalhymne zu singen:

Aso, dörf ich da jetz säge? Also ehrlich gseit, chan ich si gar nöd. Ich bin scho froh, wänn ich s Thurgauerlied cha.

Heutzutage ist das ein mutiges Outing. Sympathisch!

Wer hat Interesse an einer freien Schulwahl?

Die freie Schulwahl ist in aller Munde, da die Elternlobby Schweiz in verschiedenen Kantonen Initiativen gestartet hat. Die Befürworter der freien Schulwahl scheinen ziemlich unterschiedliche Leute zu sein. Wer hat alles Interesse an einer freien Schulwahl?

  • Anhänger bestimmter pädagogischen Richtungen wie die Rudolf-Steiner-Pädagogik.
  • Religiöse Eltern (Katholiken, Freikirchler, Juden, Muslime, …), die ihre Kinder in religiöse Schulen wie katholische Internate, Islamschulen und ähnliche Institutionen schicken (wollen).
  • Eltern ausländischer Herkunft, die ihre Kultur den Kindern vermitteln wollen und unsere Kultur ablehnen.
  • Eltern, die mit einem bestimmten Lehrer unzufrieden sind und ihr Kind umplatzieren wollen.
  • Eltern, die finden, dass die Volksschule zu wenig gut ist für ihr Kind, das sie besonders fördern wollen.
  • Leute, die glauben, durch Konkurrenz unter den Schulen werde die Qualität angehoben.

Habe ich jemanden vergessen?
Die Frage ist nun: Wollen wir diesen allen ihre Wünsche erfüllen? Kathy Ricklin findet nicht. Und M.M. plichtet ihr bei.