Zitate ohne Toleranz – heute: Kaesi03

ich bin überzügt mer chan stolz si uf d’schwiz. Mir händ nüt gäge minarett, mer händ nur mal de Muet gha „nei“ z’säge, öppis wo mer i oisere multi-kulti-postmoderne ziit eigentlich gar nüme dörf..ok?

Aufgeschnappt in den Kommentaren von YouTube. Irgendwie erinnert mich das an das Milgram-Experiment.

Wähle das absurdeste Anti-Minarett-Argument

  • Minarette sind zu verbieten, weil sie ein (politisches, männliches, …) Machtsymbol darstellen. Minaretten eine Machtsymbolik zuzusprechen, Kirchtürmen, Hochhäusern, Schlössern (Gruss nach Rhäzüns), McDonalds-Säulen, grossen Autos, Hakenkreuzen (alles erlaubt) Machtsymbolik aber abzusprechen, ist bei klarem Blick nicht aufrechtzuerhalten. Ausserdem entstehen bei Symbolverboten unweigerlich Ersatzsymbole, die man auch laufend verbieten müsste.
  • Der Islam machte keine Aufklärung durch. Erstens war das maurische Spanien ein Ausgangspunkt der Aufklärung. Zweitens ist es unvorstellbar, dass auf dem religiös durchmischten Balkan (woher die meisten Muslime in der Schweiz kommen) die Aufklärung nur die Christen erreichte. Albaner, Bosniaken und Türken hatten die gleiche Aufklärung wie die Griechen und Schweizer. Die Aufklärung hatte (und hat weiterhin) natürlich einen riesigen kulturellen Einfluss auf die muslimische Welt. Zwischen 1957 und 1981 haben fast alle muslimischen Staaten die Schwelle von 50 % alphabetisierter Frauen erreicht (zum Vergleich: in Italien wurde das um 1882 erreicht). Entwicklung und Aufklärung geht Hand in Hand, darin unterscheidet sich die muslimische Welt kein bisschen von der christlichen. Christliche Entwicklungsländer sind auch nicht aufgeklärter. Und dass die Aufklärung bei den religiösen Führern noch nicht angekommen ist, gilt ebenfalls für das Christentum.
  • Es droht die Einfühung der Scharia. In Albanien, Kosovo, Bosnien, Türkei, Ägypten, Pakistan, Indonesien, Tunesien und anderen islamischen Ländern ist die Scharia nicht offizielles Gesetz. Auch unter den Muslimen in der Schweiz würde die Einführung der Scharia klar abgelehnt. Die Scharia ist ein Problem, aber keines in der Schweiz. Auch kein künftiges.
  • Wir bekämpfen die Frauenbeschneidung.Weibliche Genitalverstümmelung ist ein vormuslimische Tradition aus dem alten Ägypten. Sie wird von afrikanischen Einwanderern teilweise auch in der Schweiz praktiziert – auch von Nicht-Muslimen. Diese wird schon lange insbesondere von linker Seite bekämpft, zum Beispiel mit einer parlamentarischen Initiative von SP-Nationalrätin Maria Roth-Bernasconi. Das Minarettverbot trägt nichts dazu bei.
  • In islamischen Ländern kann man auch keine Kirchen/Kirchtürme bauen. Doch, man kann, in vielen Ländern, z.B. Kosovo, Türkei, Jordanien, Iran, Marokko, … Ausserdem wird eine symmetrische Ungerechtigkeit nicht zu einer Gerechtigkeit. Wollen wir uns wirklich Staaten ohne Religionsfreiheit zum Vorbild nehmen?
  • Recep Tayyip Erdogan sagte, Minarette seien die Bajonette der Muslime. Erdogan zitierte ein Gedicht. Ausserdem hat er sich längst vom radikalen Islam distanziert.
  • Es geht nicht, dass Muslime am Schwimmunterricht nicht teilnehmen. Schweizer Christen empörten sich vor 90 Jahren über das erste gemischtgeschlechtliche Strandbad in Wäggis. Das war nicht im Mittelalter. Natürlich müssen die Lehrpläne durchgesetzt werden. Aber mit ein wenig Geschichtskenntnis merken wir, dass das keine muslimische, sondern eine kulturelle Frage ist. Diese Kultur ist uns nicht fern.
  • Wer in der Schweiz leben will, muss unsere freiheitliche Grundordnung und unseren Rechtsstaat akzeptieren. Die Freiheit einschränken, um die Freiheit zu verteidigen. Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
  • Der Islam macht keine Trennung zwischen Religion und Staat. Die Bibel auch nicht. Entscheidend ist, was die Schweizer Muslime machen. Diese machen eine Trennung zwischen Religion und Staat. Die vollständige Trennung von Religion und Staat haben aber die meisten Kantone noch immer nicht vollzogen. Sie wird verhindert insbesondere von vielen Minarettverbotsbefürwortern.
  • Muslime zwingen die Frauen unter die Burka. Es gibt keine einzige bekannte Burkaträgerin in der Schweiz. Vereinzelte Burkaträgerinnen in Genf oder St. Moritz sind Touristinnen.
  • Minarette stellen bei uns einen Fremdkörper dar. Jede Neuerung stellt erst mal ein Fremdkörper dar. Hätten unsere Ahnen sich so verschlossen gegenüber Einflüssen von aussen, würden wir immer noch in Pfahlbauten hausen. Dieses Argument trifft jegliche Sakralbauten und jegliche aussergewöhnliche Architektur.
  • Die Politiker nehmen das Volk nicht ernst. Dies ist der billigste Vorwurf jener, die undiffernzierte Schlagwort- und Schaumlägerpolitk betreiben, an jene, die sich ehrlich in mühsamer Kleinarbeit um tragfähige Lösungen der Probleme bemühen. Es werden grosse Anstrengungen unternommen, um die wirklichen Probleme zu bekämpfen. Es ist sehr bequem, selbst nicht zur Lösung der Probleme beizutragen, und einfach mit Vorwürfen um sich zu werfen.

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Zitate mit Substanz – heute: Granit Xhaka

granit-xhakaU-17-Nati-Fussballer Granit Xhaka:

Ich bin nicht ‹gut integriert› in der Schweiz – ich bin Schweizer.

Wann hören wir endlich auf, hier aufgewachsene Personen als Bürger zweiter Klasse zu behandeln? Wann sehen wir endlich ein, dass eine Einteilung in «Schweizer mit Migrationshintergrund» und «Schweizer ohne Migrationshintergrund» eine diskriminierende aber sonst inhaltslose Floskel ist?
(via)

Nachtrag: Und auch Cédric Wermuth hat noch eine U-17-Nachbearbeitung geliefert.

Wangemer Minarett: Heiss gekocht, kalt gegessen

Am 9. Januar vermeldeten die Zeitungen, dass das Minarett in Wangen bei Olten installiert worden sei, dessen Baugesuch 2006 eine Protestwelle ausgelöst hat, in deren Folge ein Gang vor das Bundesgericht und die eidgenössische Volksinitiative gegen den Bau von Minaretten gestartet wurde. Und nun? Keine Proteste, keine Interviews mit empörten Anwohnern und Politikern, kein Update der entsprechenden Wikipedia-Artikel – es gibt nicht einmal ein Foto vom Haus mit dem fertigen Minarett.

Warum auch? Warum soll das Minarett stören? Plötzlich merkt man, dass die Entrüstung über ein solches Türmchen völlig unverhältnismässig war.

Lesbische Stadtpräsidentin?

Obama wiederholte den Satz, soviel er konnte:

For as long as I live, I will never forget that in no other country on earth is my story even possible.»

Die USA haben damit tatsächlich eine Vorreiterrolle eingenommen. Aber: In den USA gibt es weiterhin unüberwindbare Grenzen, die vor allem religiöser Natur sind. Wäre ein Atheist denkbar als Präsident? Oder eine Lesbe? Nein.

Ob es eine Lesbe in Zürich zur Stadtpräsidentin schaffen kann, werden wir bald sehen. Vielleicht kann Corine Mauch auch schon bald leicht übertrieben sagen: «Solange ich lebe, werde ich nie vergessen, dass in keiner anderen Stadt der Welt meine Geschichte möglich wäre.»