Zitate ohne Substanz – heute: Daniel Brélaz

Es ist für mich unbegreiflich und unverzeihlich, wenn Daniel Brélaz, der grüne Stadtpräsident von Lausanne, zu den Problemen mit den Roma sagt:

Avec les Gitans, c’est inévitable. C’est dans leurs mœurs. Un trait de caractère profond.
(Mit den Zigeunern ist das unvermeidlich. Das sind ihre Sitten. Ein tiefgründiger Wesenszug.)

Auch wenn er es später zurücknimmt und meint, er hätte statt «Wesenszug» «Sitten und Gebräuche» sagen sollen: Bei einem so heiklen Thema wie den Roma sollte ein Politiker genug sensiblisiert sein, um nicht der Stigmatisierung Vorschub zu leisten – ob nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Europa wird noch lange an Lösungen für die Roma arbeiten müssen, und Aussagen im Sinne von «Die sind einfach so» bringen die Gesellschaft definitiv nicht näher ans Ziel.

Zitate mit Substanz – heute: Eveline Widmer-Schlumpf

Die Bundesrätin zur Gründung der BDP, der wegen ihr entstandenen Partei:

Hat das Kind Erfolg, hat es viele Väter. Der Misserfolg hingegen ist ein Waisenkind – oder hat höchstens eine Mutter.

Die Frau könnte sich zu einer echten Staatsfrau entwickeln – und die SVP hat sie mit ihrem kurzfristigen Denken einfach ausgeschlossen. Selber Schuld! (Quelle)

Zitate mit Substanz – heute: Ehud Olmert

Israel must withdraw from nearly all the territories, if not all.»

I was not prepared to see reality in all its depth.»

Ehud Olmert in der Zeitung «Yedioth Aharonoth».
André Marty meint dazu: «Der das sagt, ist verantwortlich für die grösste Zunahme an Siedlungs-Ausbauten der letzten Jahrzehnte. Der das sagt, kann für sich in Anspruch nehmen, das Land in einen überhastet und ungeplant angegangenen Krieg geführt zu haben, kann von sich behaupten, als einziges konkretes Verhandlungsergebnis einen Waffenstillstand mit Hamas im Gaza-Streifen zustande gebracht zu haben. Er wird in die Analen eingehen als einer, der sich mit Zigarren, Edel-Kugelschreibern, First-Class-Flugtickets und Hotel-Suites erobern liess – prächtiger Leistungsausweis für einen, der ‹not prepared› war ‹to see reality in all ist depth.›»

(Bildquelle)

Tschau Sämi – der Gescheitere gibt nach

«De Gschiider git naa, de Esel blibt stah.» Ich lass mich mal auf die Äste hinaus und prognostiziere, dass Bundesrat Samuel Schmid dieses Sprichwort zu Herzen nehmen wird. Er wird díe Verantwortung übernehmen, die die SVP verweigert zu übernehmen: die Verantwortung für das Land und die Armee. Er wird demnächst seinen Rücktritt bekannt geben, und wenn er es geschickt macht, wird am Schluss die SVP als Esel dastehen.

Zitate mit Substanz – heute: Christoph Blocher

Alt-Bundesrat Blocher testet, ob die Weisheit von Helmut Hubacher auch umgekehrt funktioniert (Zitat aus der Tagesschau 5.9.08):

Das Ziel von Herrn Schmid war immer im Amt zu bleiben unter allen Umständen und dieses Amt anzustreben. Solange er nicht zurücktreten muss, wird er im Amt bleiben, und die drei Parteien werden ihn tragen.

Statt den Rücktritt zu fordern, unterstellt er Schmid, niemals freiwillig zurückzutreten. Das gibt diesem die Möglichkeit, ohne Gesichtsverlust genau das zu tun. Ist doch nett von Blocher, nicht?

Ausserdem stellt er sich absichtlich vor die Sonne von möglichen SVP-Kandidaten – um ihnen zu nützen. Es war noch nie von Vorteil, schon lange vor Bundesratswahlen als Kandidat herumgereicht zu werden.

(Bildquelle)

Echte Vorbilder sind nicht perfekt

Der Tipp, den ich meinen Cevi-Leitern auf den Weg gebe, gilt auch für Politiker:

Die landläufige Meinung, das beste Vorbild sei jemand, der keine Fehler macht, ist komplett falsch. Wir alle machen Fehler. Ein echtes Vorbild ist jemand, der die Grösse hat, seine Fehler einzugestehen, sich dafür entschuldigt und versucht, sie wieder gut zu machen, oder zumindest, sie das nächste Mal nicht wieder zu machen.

Unsere Bundesräte sind keine guten Vorbilder.

  • In der Mengele-Affaire hätte Couchepin hinstehen sollen, ehrlich sagen, dass ihm ein wirklich dummer Spruch über die Lippen gegangen ist, um sich dann mit einer wirklich versöhnenden Geste bei Mörgeli zu entschuldigen.
  • Auch Schmid hätte in der Affäre Näf sofort hinstehen sollen, seinen Fehler eingestehen und sich entschuldigen sollen. Er hat bis heute kein «Sorry» über die Lippen gebracht.

Ich möchte echte Vorbilder als Bundesräte, und keine, die versuchen Superman zu sein, einen Anschein von Perfektion und Fehlerlosigkeit zu erwecken.

Wer wird Couchepin’s Nachfolger?

Bundesrat 2008
Es gibt verschiedene Kandidaten, denen man in den nächsten Jahren einen Rücktritt aus dem Bundesrat zutrauen könnte. Eigentlich allen 4 älteren Herren. Leuenberger scheint allerdings schon so mit dem Sessel verwachsen zu sein, dass eine Operation notwendig ist. Merz wird als Amtsjüngster der 4 noch ein paar Jahre über sein nächstjähriges Präsidium im Gremium verbleiben. Für Schmid wird die Lage immer ungemütlicher, aber ich denke nicht, dass er der SVP den Gefallen tun wird, rasch den Hut zu nehmen. Er wird dem fehlendem Rückhalt zum Trotz das Präsidentschaftsjahr 2010 durchziehen.
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