Vier Fragen an Roland Näf

Roland Näf habe ich in diesem Artikel schon mal vorgestellt. Nachdem der Nationalrat ganz auf seine Linie aufgesprungen ist und auf Telepolis ein paar Hintergründe bekannt geworden sind, ist es Zeit für ein paar Fragen. Herr Näf hat eine ausgeprägtes Sendungsbewusstsein und beantwortet per Mail gestellte Fragen an einem Sonntagmorgen innert 2 Stunden:

Herr Näf, Sie glauben, dass das Spielen von «Killergames» zu realer Gewalt führt. Wie erklären Sie sich dann, dass es in der Schweiz noch keinen einzigen Amoklauf von einem Jugendlichen gab, obwohl die von Ihnen beanstandeten Games zahlreich im Umlauf sind?
«Amokläufe sind sehr seltene, schreckliche Katastrophen. Allein aufgrund der Grösse der Schweiz ist die Wahrscheinlichkeit geringer als zum Beispiel in Deutschland oder in den USA. Doch befürchte ich, dass wir auch hier in absehbarer Zeit unter einem solchen grauenhaften Ereignis werden leiden müssen. Auch in der Schweiz häufen sich allerdings Gewalttaten mit schlimmen Folgen für die Opfer. Signifikant ist dabei der Grad der Verletzungen, welche die Betroffenen davon tragen. Typisch ist, dass Täter so vorgehen wie in Games, z.B. in GTA4: Auf Gegner wird auch noch eingeschlagen und in den Kopf gekickt, wenn sie längst am Boden liegen.»

Mein Kommentar: Herr Näf stellt Amokläufe als schreckliche Katastrophen dar und verkennt, dass die realen Gefahren für unser Leben ganz andere sind. Im Vergleich zu Unfällen und Suiziden sind Todesfälle durch Tötungsdelikte selten. Wieso soll ein Amoklauf grauenhafter sein als ein alltäglicher Verkehrstod? Herr Näf kann die Verhältnismässigkeit seiner Vorstösse nicht untermauern. Auch bei den Verletzten sieht die Statistik ganz anders aus, als Herr Näf den Eindruck erwecken will. GTA4 ist ein Spiel mit sehr offener Spielanlage. Ein Einschlagen auf bereits am Boden liegende Opfer trägt nicht zum Spielerfolg bei. Der Zusammenhang von GTA4 mit «Einschlagen auf bereits am Boden liegende Opfer» ist an den Haaren herbeigezogen.

Eines der nach wie vor beliebtesten Games von exzessiven Gamern ist Counter-Strike, das vor 10 Jahren veröffentlicht wurde. Denken Sie, dass irgendeine Möglichkeit besteht, die Verbreitung dieses Games einzuschränken? Denken Sie, dass ein Verbot etwas bewirken wird, wenn bereits in Umlauf gebrachte Games weiterhin gespielt werden?
«Entscheidend ist aus der Sicht der Forschung die Zeit und Häufigkeit, mit der Jugendliche Killergames spielen. Durch ein Verbot wird in erster Linie eine erhöhte Sensibilisierung in der Gesellschaft und insbesondere bei den Eltern erreicht. Endlich werden sich Eltern bewusst, dass sie ab und zu ein Blick ins Kinderzimmer werfen sollten, was dort abläuft. Sie können also davon ausgehen, dass zwar Killergames ähnlich wie Kinderpornographie nie ganz verschwinden werden, aber es wird weniger Zeit mit Kopf abschlagen, Erstechen und Erschiessen verbracht. Und das ist entscheidend.»

Mein Kommentar: Die Vorstellung, dass ein Verbot automatisch eine gesellschaftliche Ächtung erwirkt, und die Spiele dann nicht mehr gespielt werden, ist in meinen Augen schlicht naiv. Weil bei «Killergames» die Gefahr eine unbewiesene, sehr hypothetische ist, wird sich die gesellschaftliche Ächtung im Gegensatz zur Ächtung der Kinderpornografie nicht durchsetzen.

Wie stehen Sie zur (ehemaligen) Psychosekte VPM, ihrem (ehemaligen) Sprachrohr Zeit-Fragen, sowie ihren (ehemaligen) Mitgliedern, insbesondere den Gründungsmitgliedern Ihrer «Vereinigung gegen mediale Gewalt» (VGMG), Rudolf Hänsel und Willy H. Wahl? Finden Sie deren Vorgehen und Engagement glaubwürdig? Finden Sie es gut, dass von der VGMG-Website auf Zeit-Fragen und auf seniora.org verlinkt wird?
«Ich habe keinen Kontakt mit einer solchen Sekte, ich kenne auch nicht ihre Ziele. Ich habe allgemein eine sehr kritische Distanz gegenüber «religiösen Organisationen, was wohl mit meiner Grundhaltung als linker Politiker zusammenhängt. Herr Wahl und Herr Hänsel kenne ich von ihren Publikationen zu medialer Gewalt. Ihre entsprechenden Äusserungen entsprechen in vielen Punkten auch meiner Auffassung in Bezug auf die Wirkung medialer Gewalt. Wir verlinken grundsätzlich Texte und Publikationen, welche sich kritisch zu medialer Gewalt äussern.»

Mein Kommentar: Haha. Wers glaubt. Wer im Psychologie-Umfeld studiert hat und die Augen nicht total verschlossen hat (was ich Herrn Näf nicht unterstellen würde), dem ist VPM ein Begriff. Wer dann eng mit deren Exponenten zusammenarbeitet, und auch schon mehrmals auf diese Verbindungen angesprochen wurde, der hat sich bestimmt schon Gedanken dazu gemacht, wie er dazu steht. Dass er sich nicht vom VPM distanziert und sich sich in igendwelche unspezifischen Aussagen zu religiösen Organisationen flüchtet, legt die Vermutung nahe, dass Näf Teil von VPM ist.

Sie bringen mehrere Tötungsdelikte der vergangenen Jahre mit dem Spielen von «Killergames» in Verbindung, z.B. der Mord am Hönggerberg. Wie kommen Sie darauf, dass Rekrut Luis W. durch Computergames derart negativ beeinflusst worden sein soll, dass er einen Mord verübt hat – dass aber die Gefechtsschulung im Militär keine derartige Auswirkungen gehabt haben soll?
«Luis W. verbrachte sehr viel Zeit mit dem virtuellen Töten, Killergames waren sein zentrales Hobby. Daneben bin ich überzeugt, dass auch die militärische Ausbildung zu dieser grausamen Tat beigetragen hat. Insbesondere ist es aus meiner Sicht unverantwortlich, dass weiterhin Waffen aus dem Dienst nach Hause mitgenommen werden. Ich bin ein vehementer Befürworter der Waffenschutzinitiative. Allgemein möchte ich festhalten, dass das Verhalten eines Menschen immer von mehreren Faktoren geprägt ist. Dabei stellt mediale Gewalt einen verstärkenden Faktor dar, welcher sich in der Kombination mit problematischen Persönlichkeitsfaktoren fatal auswirkt. Lesen Sie dazu meine Analyse zum Schulamoklauf von Winnenden: http://www.vgmg.ch/artikel_presse/Winnenden_eine_Analyse.pdf?id=93. Abgesehen von aggressivem Verhalten bin ich überzeugt, dass Killergames bei jedem Menschen, der sie häufig spielt, zu einer Senkung des Mitgefühls führen. Fatal für unsere Gesellschaft!»

Mein Kommentar: Konsequent wäre, wenn Herr Näf  die militärische Ausbildung als Ganzes in Frage stellen würde. Tut er aber nicht. Stattdessen beschwört er die Gefahr der «Killergames», obwohl diese These wissenschaftlichen Überprüfungen nicht standhält.

Herr Näf darf sich gerne in den Kommentaren weiter dazu äussern.

Drei Fragen an Robert Devenoges

Robert Devenoges (JSVP St. Gallen) ist im Komitee der Freiheitskampagne, die gegen die E-Pass-Vorlage gekämpft hat.

Betrachten Sie den Ausgang der Abstimmung eher als Sieg oder als Niederlage?
«Es ist klar, wenn man sich so für eine Sache einsetzt und daraus kein Erfolg resultiert, ist es immer enttäuschend. Jedoch lernt man aus einem Misserfolg mehr, als aus einem Erfolg, von dem her gesehen, war diese Abstimmung unter dem Strich ein Erfolg. Ich muss aber sagen; das Resultat war sehr eng. Das Ausland sieht ganz genau, dass der biometrische Pass nicht unbestritten gewesen ist. Und es ist ein Erfolg für unser Land, denn genau das Referendum und der anschliessende Wahlkampf beweisen, dass jede Person in der Schweiz gegen einen Bundesbeschluss etwas unternehmen kann. Egal, ob diese Person eine geringe Bildungsstufe hat oder ein Universitäts-Professor ist, jeder hat das Recht, gegen einen Beschluss das Referendum zu ergreifen und gibt dabei dem Volk (beim Referendumserfolg) die Möglichkeit, selbst abzustimmen, ob man den Beschluss gutheisst oder nicht.»

Ist das Thema Biometriedatenbank und Biometrie-RFID-Ausweise nun erledigt oder kommt das später wieder auf den Tisch?
«Diese Frage ist für mich schwer zu beantworten. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dieses Thema nochmals auf den Tisch kommt. Vor allem, wenn der Missbrauch von diesen Daten stattfindet. Dann werden sicher viele Bürgerinnen und Bürger sich darüber ärgern und evtl. auch etwas unternehmen.»

Gibt es Bestrebungen, die Freiheitskampagne bzw. den Kampf gegen den Überwachungsstaat fortzuführen und evtl. stärker zu institutionalisieren?
«Solche Überlegungen wurden bis jetzt noch nicht gemacht. Ich kann da nur für mich sprechen und würde eine Weiterführung der Freiheitskampagne sehr begrüssen. Einen grossen Vorteil hat der Freiheitskampagne die Abstimmung über den biometrischen Pass ja gebracht, und zwar ist der Bekanntheitsgrad in der Schweiz, ja wahrscheinlich sogar europaweit drastisch gestiegen. Mann sieht, die Freiheitskampagne ist im Stande, ein Referendum zu gewinnen und auch Abstimmungskämpfe zu bestreiten. Beides mit sehr wenig Geld.»