Es gibt keine Trennung in Blogger und Journalisten

Die Auseinandersetzung zwischen Bloggern und Journalisten ist überholt. Es ist nicht mehr möglich, eine Grenze zwischen Bloggern und Journalisten zu ziehen. Journalisten betreiben «Blogs» und Blogger betreiben umsatzstarke «Gemeinschaftsblogs». Die Grenzen zwischen professionellem Journalismus und persönlichem Tagebuchführen verwischen, ja sind eigentlich schon längst abhanden gekommen.

Es gibt nur noch Personen, die publizistisch tätig sind und sich im Geschäftsmodell, dem Inhalt/Genre, der Zusammenarbeit, der Darstellungsart, dem Verbreitungmedium, der Beteiligungsmöglichkeit und Einbindung von Rückmeldungen sowie der Vernetzung unterscheiden:

  • Sie sind ehrenamtlich, freischaffend gegen Honorar, als selbstständige Unternehmer, oder als Festangestellte tätig.
  • Sie verbreiten News, recherchieren Geschichten, verfassen Meinungen und Kommentare, tragen Meinungen zusammen, oder produzieren sogar Literatur, Kunst und Kultur.
  • Sie arbeiten alleine, im kleinen Team oder in einer grossen Redaktion.
  • Sie produzieren Texte, Bilder, Tondokumente oder Filme.
  • Sie verbreiten ihre Angebote auf Papier, via UKW, Satelliten, DAB, Kabel oder Webstream, auf einer Website, oder per Newsfeed und Podcast.
  • Sie ermöglichen Kommentare ihrer Kundschaft oder auch nicht. Sie reagieren direkt darauf oder auch nicht.
  • Sie vernetzen das Produkt mehr oder weniger mit anderen Angeboten.

Aus all diesen Eigenschaften kann man sich zwar einen typischen Blogger oder einen typischen Journalisten zusammenzimmern, aber die meisten «publizistisch Tätigen» bewegen sich irgendwo zwischen den Polen.

PS: Mir fehlt da ein Begriff! Zeitung, Radio, Web, usw. sind Medien. Was ist denn der richtige Begriff für Text, Bild, Ton, Film? Auch «Medien»? Aber das ist doch eine ganz andere Kategorie! Gibt es kein Wort dafür? Da muss man sofort eines erfinden. Ich half mir in diesem Artikel mit «Darstellungsart» aus – aber so passend finde ich ihn nicht.

Bashing vs. Selbstkritik

Journis bashen Blogger – Blogger schreien auf.
Politiker bashen Journis – Journis schreien auf.

Dabei versuchen alle, möglichst von ihren eigenen Fehlern und Schwächen abzulenken und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wie wäre es, mal vor der eigenen Haustüre zu wischen?

Wie wäre es, lieber Herr Sigg, lieber Herr Schmid, einmal offen und proaktiv zu kommunizieren, statt immer nur zuzugeben, was sich nicht mehr abstreiten lässt? Wie wäre es, ehrlich zu sein und Fehler einzugestehen?

Wie wäre es, liebe «Qualitätszeitungen», eigene Inhalte zu produzieren, die den Abopreis auch rechtfertigen, statt abzuschreiben? Wie wäre es, der Geschichte bis auf den Grund zu gehen?

Wie wäre es, liebe Mitblogger, Meinungen von Aussen zu akzeptieren und nicht immer gleich «Bloggerbashing!» zu rufen? Wie wäre es, sich nicht bei jedem kritischen oder ironischen Wort sich gleich angegriffen zu fühlen? Wie wäre es, weniger in Schubladen zu denken?

Wenn man mit der eigenen Rolle nicht zurecht kommt, liegt die Ursache selten bei den anderen.

Ich für meinen Teil, ich blogge was mir gefällt, ich lese was mir gefällt, ich zahle dafür sogar, wenn es mir gefällt, und ich lass die Journis schreiben, was ihnen gefällt. Und manchmal schüttle ich über alle den Kopf.

«Vernunft Schweiz» bringt’s!

«Vernunft Schweiz» ist ein Team von ehrenamtlich arbeitetenden Leuten, die es schaffen, zu allen nationalen Abstimmungen und weiteren aktuellen politischen und wirtschaftlichen Themen neutrale Informationen in einer komprimierten, verständlichen Form bereitzustellen. Das Abstimmungsbüchlein wird damit definitiv überflüssig.

«Vernunft Schweiz» nimmt den Mund zwar etwas gar voll, nicht nur mit dem Namen:

Dank der Arbeit von Vernunft Schweiz ist die Bevölkerung besser informiert und der Erfolg der Schweiz für die Zukunft gesichert.»

Ausserdem könnten sie noch in einen etwas hübscheren Webauftritt investieren und einen funktionierenden RSS-Feed bereitstellen. Aber das Wichtigste ist ja der Inhalt.

Das kann der Tagi besser

Bastien Girod legt sich mit Aldi und Lidl an

Lieber Tagi/Newsnetz:

  1. Aldi und Lidl sind nicht die einzigen, die nicht verdichtet bauen. Die Villen am Zürichsee gehen auch nicht gerade sparsam mit dem Land um. Der Aufhänger ist also recht deplatziert.
  2. Soeben Intitiative eingereicht und schon abstimmungsreif (siehe Screenshot rechts)? Da überschätzt ihr die Leistungsfähigkeit von Bundesbern ein wenig. Über die Initiative wird in zwei bis drei Jahren abgestimmt werden (falls sie bis dann nicht durch EU-Bestimmungen überflüssig geworden ist oder ein brauchbarer Gegenvorschlag auf dem Tisch liegt.)

Qualitätsjournalismus wäre was anderes.

Was geschieht eigentlich in…

…Darfur? …Burma? …Somalia? …Libanon? …Liberia? …Sri Lanka? …Sierra Leone?

Das Sommerloch war dieses Jahr lange und tief. Leider haben es unsere Medien verpasst, dieses zu nutzen, um verdrängte Themen wieder hervorzunehmen. Gibt es gute Websites, über die man sich aktuell informieren kann?

Ich habe keine Webseite gefunden, die aktuell über die Krisengebiete berichtet, auch wenn sie gerade keine Schlagzeilen liefern. Toll wäre eine Website, die zu allen Ländern konstant Neuigkeiten liefert. Im Ansatz machen das Amnesty International (deutsch), BBC (englisch) und die International Crisis Group (vielsprachig ohne deutsch) – ich hätte das Ganze einfach gerne etwas aktueller und natürlich in deutsch.

Bei der Crisis Group kann man auch den eindrücklichen, aufwühlenden und erhellenden Dokumentarfilm «Jihad on horseback» über den Darfur-Konflikt schauen.