Machet den zun nit zu wit

Dass die SVP in der Wirtschaftspolitik zwischen Neoliberalismus, Protektionismus und Sozialdemokratie hin- und hermäandriert, ist nicht genug. Nun beginnt sie selbst in ihrem absoluten Kernthema, dem Nationalismus, die als unveränderlich geglaubten Positionen aufzuweichen. Was eben noch «Gesindel» oder «ausländischer Filz» war, will sie nun einschweizern. Es ist nun nichts Neues, dass der Nationalismus nichts mit Vernunft zu tun hat, erst recht nicht in der «Willensnation» Schweiz, aber seine Widersprüchlichkeit offenbart er selten so schön:

Niklaus von Flüe im 15. Jahrhundert:

Machet den zun nit zu wit!

Christoph Blocher am 8. Mai 2005:

Jedes eigenständige Land definiert sich über seine Geschichte, über den gemeinsamen nationalen Willen, über seine Kultur, alles innerhalb seiner Grenzen. Die Schweiz weiss seit Hunderten von Jahren genau, wo ihre Grenzen liegen. Seit 500 Jahren hat sie nicht mehr über ihre Grenzen hinaus expandiert und seit 200 Jahren nicht mehr zugelassen, dass ein anderer Staat unsere Landesgrenzen missachtet und sich in unsere Angelegenheiten gemischt hätte. […] Wer alle Grenzen auflösen will, muss sich nicht wundern, wenn damit nicht nur Grenzen, sondern der ganze Staat aufgelöst wird, mitsamt seiner Identität, seiner Geschichte, seiner Eigenart. Die Grenzen sind der Garant für das, was den Staat ausmacht.

SVP Genf, Oktober 2009:

Die CEVA-Bahnlinie? Ein neues Transportmittel für das Gesindel von Annemasse! Weisen wir die kriminellen Ausländer aus! Bieten wir ihnen nicht noch einen weiteren Zugang nach Genf! Wählen wir SVP!

SVP Zürich, Januar 2010:

Deutscher Filz macht sich an der Uni und an den Spitälern breit.

Dominique Baettig und die halbe SVP-Fraktion am 18. März 2010:

Deshalb wird der Bundesrat beauftragt, der Bundesversammlung so rasch als möglich einen verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Rahmen zu präsentieren, damit sich folgende grenznahen Departemente, Provinzen und Länder der Schweizerischen Eidgenossenschaft in der Form neuer Kantone anschliessen können, falls eine Mehrheit der dortigen Bevölkerung dies wünscht: Elsass (F); Aosta (I); Bozen (I); Jura (F); Vorarlberg (A); Ain (F); Savoyen (F); Baden-Württemberg (BRD); Varese (I); Como (I) und andere (die Liste ist nicht abschliessend!). […] Ihre Integration in die Eidgenossenschaft wäre für beide Seiten von Vorteil und würde keine unlösbaren politischen Probleme zur Folge haben.

Und hier noch ein paar Hintergründe zur Person Baettig. Und hier zum Savoyer Handel.

Josip Drmic darf nicht

Josip DrmicEs ist toll, den Erfolg der Multikulti-Truppe namens Schweizer U-17-Nati zu verfolgen. Noch schöner wäre es, wenn das Team vollständig wäre. Aber einer fehlt: Josip Drmic. Wenn man nicht weiss, dass Hurden zu Freienbach gehört, und man auch sonst zu Zürich-zentriert ist, kennen die Schwyzer- und Schweizermacher von Freienbach keine Gnade.

Zitate mit Substanz – heute: Linda Züblin


Linda Züblin, Schweizer Siebenkämpferin, von DRS3 gefragt, ob sie sich bereits freue, in Peking die Nationalhymne zu singen:

Aso, dörf ich da jetz säge? Also ehrlich gseit, chan ich si gar nöd. Ich bin scho froh, wänn ich s Thurgauerlied cha.

Heutzutage ist das ein mutiges Outing. Sympathisch!