Das katholische Machtsymbol von Prishtina

Im Gegensatz zum albanischen Minarettli in Winterthur kann man der im Bau befindlichen, 70 Meter hoch werdenden Mutter-Teresa-Kathedrale in Prishtina eine gewisse Machtsymbolik wohl nicht absprechen. Wie war das nochmal mit der Gegenseitigkeit der Toleranz, liebe Minarettverbotsbefürworter?

kathedrale1

kathedrale2

Ein SVP-Kindergarten-Wochenende

Der ganz normale SVP-Wahnsinn an einem ganz normalen Herbstwochenende im Jahr 2009 – man hat sich so an diesen Kindergarten gewöhnt, dass es einem kaum mehr auffällt:

Baettig wollte in seiner Anfrage wissen, was die kulturellen Auswirkungen von Migrationsbewegungen sind. Er muss sich keine Sorgen machen. Noch degenerierter und infantiler als die SVP wird unsere Kultur kaum mehr werden können.

Muslima-Power gegen ein diffamierendes Plakat

Die SF Arena zeigte die Absurdität der Minarett-Initiative schön auf. SVP und EDU geben vor, Islamismus zu bekämpfen, sie argumentieren und plakatieren gegen den Islamismus, jedoch zielt ihre Minarettverbots-Initiative auch auf die moderaten Muslime, die im Kampf gegen den Islamismus eigentlich ihre Verbündeten wären.

So entpuppt sich der als angstmachende Burkafrau visualisierte Gegner dann als schweizerdeutsch sprechende, scharfsinnige, schlagfertige Feministin in Gestalt von Amira Hafner-Al Jabaji – der Kontrast zwischen vermeintlichem und tatsächlichem Gegner könnte nicht stärker sein:

burkafrau-amira-hafner

Judith Uebersax, Schwyzer SVP-Kantonalpräsidentin, zieht denn auch argumentativ den Kürzeren. Nachdem Hafner sagt, sie fühle sich durch dieses Plakat angegriffen, «weil es sehr wohl alle Muslime in einen Topf wirft, und eben nicht zwischen extremen und nicht-extremen Muslimen unterscheidet», bestätigt Uebersax diesen Sachverhalt, indem sie entgegnet:

Es ist absolut eine Diskriminierung der Frauen, dass man sie verschleiert, dass man sie nicht gleichberechtigt behandelt, dass man Zwangsehen hat, dass man Mädchenbeschneidungen hat, usw. Und das sind Sachen, die nun mal im Islam vorkommen. Das sind Dinge, die jeder normale Bürger mit dem Islam kombiniert. Und das finde ich herablassenend gegenüber der Frauen, das finde ich eine absolute Katastrophe. Auf dem Plakat wird nur ein Symbol dargestellt. Es wird etwas dargestellt, das nicht in der Odnung ist.

Und auch «Herrn Doktor Blocher» (eine feine Retourkutsche für Blochers Professorenverhöhnung) drängt sie ziemlich in die Enge. Nachdem Blocher zu Beginn noch sagte:

Es diffamiert nicht die Moslems. Es diffamiert den Machtanspruch. Das ist hier dargestellt – zu Recht oder zu Unrecht – und es diffamiert die konservativste Richtung, nämlich den Islamismus.

greift Hafner an:

Es ist doch ganz klar so, dass es innerhalb der Musliminnen und Muslime eine grosse Kontroverse gibt, was alle diese Themenbereiche, die Sie [Uebersax] nun angesprochen haben, betrifft. Es gibt eine grosse Kontroverse innerhalb des Islam bezüglich Zwangsehen, bezüglich Mädchenbeschneidung usw. Übrigens sind das Phänomene, die auch in christlichen Kreisen nicht selten vorkommen – nicht in abendländisch-christlichen Kreisen, aber in orientalisch-christlichen Kreisen. Es ist also kein Phänomen, das auf eine bestimmte Religionsgemsinschaft beschränkt ist, sondern es betrifft ganz andere auch.

Blocher dazwischen:

Bei uns nicht.

Hafner:

Uns Muslime in der Schweiz betrifft es auch nicht, Herr Blocher. Wir müssen nicht alle in einen Topf werfen. Und ich glaube, wir haben unter uns Muslimen auch ein paar Leute, die sich sehr zivilisiert verhalten. Dieses Plakat ist für mich ganz klar ein Hasspredigerplakat, nichts anderes. Was Sie sagen ist, sie möchten den Extremismus, den extremen Islam bekämpfen, und mir scheint es als ob hier der Beelzebub den Teufel bekämpfen möchte. So kommt es mir vor.

Da gibt Blocher klein bei und behauptet:

Ich rede nur davon, ob man das Plakat verbieten soll oder nicht. Über den Inhalt habe ich nichts gesagt.

Danach schafft es Blocher tatsächlich, eine Arena lang nichts mehr über den Inhalt des Plakates zu sagen.

Arena vom 09.10.2009

Ähnlich pointiert auch der TalkTäglich auf TeleZüri, wo sich Saïda Keller-Messahli und Lukas Reimann die Klingen kreuzten.

Das islamische Machtsymbol von Winterthur

Kennst du die Minarette der Schweiz? Na klar, dasjenige in Zürich, das in allen Zeitungsartikeln über Moscheen abgebildet wird, das kennt man. In Genf gibt es noch eines, das ist auch bekannt. Und natürlich hat man vom Minarett in Wangen etwas mitbekommen, denn das war ja dasjenige, bei dem der ganze Minarettstreit vom Zaun gebrochen wurde, der schliesslich in der Minarettverbotsinitiative mündete, über die wir am 29. November abstimmen werden. Doch da wird jeweils noch ein weiteres Minarett genannt: in Winterthur.

Das geheimnisvolle Minarett von Winterthur. Hast du schon mal ein Bild davon gesehen? Nein? Fragt man die Winterthurer, wo denn das Minarett sei in ihrer Stadt, haben sie keine Ahnung. Eigentlich hat noch niemand das Minarett gesehen. Kann das sein? Existiert es überhaupt? Doch: Es existiert tatsächlich. Es ist aber so klein und unscheinbar und zudem von der Strasse abgewandt, dass man jeden Tag daran vorbeifahren kann, ohne dass man es wahrnimmt. Nur wenn man gut (und von der richtigen Seite) hinschaut, sieht man zwischen den massigen Industriebauten, Hochkaminen und der Eishalle, neben der McDonalds-Säule, den Ottos-Fahnen und vielen grossen Leuchtafeln, die um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen, das kleine Türmchen.

Sieht so ein islamisches Machtsymbol aus, wie es die Minarettgegner sagen? Im Gegenteil: Es ist ein höchst zurückhaltendes, um nicht zu sagen demütiges Symbol, das sehr darauf achtet, dass es sich niemandem aufdrängt – im Gegensatz zu den kommerziellen Symbolen in der Umgebung. Jedes Minarettverbots-Plakat zieht viel mehr Blicke auf sich als das Minarett. Es gehört übrigens zur Moschee der islamisch-albanischen Gemeinschaft Winterthur und steht an der Kronaustrasse 6. Wenn die Schweiz sich davon so bedroht fühlt, dass es so etwas verbieten muss, dann stimmt etwas mit der Volksseele nicht mehr.

minarett-winterthur

Links zum Thema (mit Gruss an Lupe):

Gottesstaat Luzern

Luzern ist im Säkularisierungsprozess irgendwann in einem frühen Stadium hängengeblieben. Plakate mit der Aufschrift «Da ist wahrscheinlich kein Gott» (was für eine Gotteslästerung!), noch dazu von einer Organisation, die auf ihrer Website Hilfen zum Kirchenautritt anbietet (was für eine Ketzerei!), entsprechen nicht den «ethischen Grundsätzen» im Gottesstaat Luzern – weshalb sie kurzerhand vom ganzen Stadtgebiet verbannt werden. Somit konnte die heidnische Gefahr zum zweiten Mal abgewendet werden, nachdem die Gotteskrieger mit Anschlagdrohungen zuvor schon verhindern konnten, dass die Busse für unchristliche Zwecke missbraucht werden. Willkommen im Jahr des Herrn 2009!

Update: Nachdem die Kirchen sich für Meinungsfreiheit aussprachen, lässt die Politik die Plakate nun doch zu. Fazit: In Luzern regiert die Kirche, die zum Glück aber fortschrittlicher ist als deren CVP-Schäfchen in den Regierungsämtern.

Politik der Paranoia – heute: Islamisierung

Konservative brauchen eine Bedrohung von aussen, einen Feind. Konservative Männer sehen es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, ihre Familie und ihr Land vor jeglicher Bedrohung zu schützen und verteidigen. Das ist Teil ihres Weltbildes. Ohne Feind wäre nicht nur die Armee, sondern der Mann an sich überflüssig geworden, oder zumindest weniger wichtig. Beim Ende des Kalten Krieges ist den Konservativen der gemeinsame Feind verloren gegangen. Zum «Glück» haben sie rasch einen Ersatz gefunden.

Hegten frühere Konservative noch Ressentiments gegenüber der westlichen Moderne, Amerika und den Juden, haben sich die Neukonservativen nun der bedingungslosen Solidarität mit Israel und den republikanischen USA verschrieben. Nun gilt es, das «christlich-jüdische Abendland» gegenüber dem Islamismus – oder besser: «Islamofaschismus» – zu verteidigen.

Ein gemeinsamer Feind dient zur Einigung in den eigenen Reihen (in schweren Zeiten muss man «zusammenstehen») und zur Ausgrenzung von Abweichlern. Der Feind wird über lange Zeit aufgebaut, je grösser und furchterregender, desto besser. Sie ziehen auf der Seite des Guten in den Kampf gegen das Böse – und bezeichnen Leute, die dieses Schwarz-weiss-Denken ablehnen, als «Gutmenschen». Oder sie werfen ihnen gar «Appeasment» vor, Beschwichtigungspolitik wie die Engländer damals, als sie das Naziregime auf diplomatischem Weg in die Schranken weisen wollten.

So wird also die «islamische Gefahr» tagtäglich beschworen. Jasmin Hutter sieht uns «täglich aufs Neue islamisiert». Walter Wobmann kommt aus einem «minarettgeschädigten Kanton». Die Neukonservativen fordern, dass die Muslime «unsere Spielregeln lernen», reden von der Verteidigung der Freiheit, möchten aber gleichzeitig nicht nur alle muslimischen Symbole aus der Öffentlichkeit verbannen, sondern den Muslimen in der Schule noch christliche Weihnachten aufzwingen. Alles andere wäre für Lukas Reimann eine «Perversion der Toleranz». Eine kinderreiche christliche Familie ist für sie ein Glück, eine kinderreiche türkische Familie hingegen ein Clan, eine Gefahr. Wenn es darum geht, den bösen Feind zu diskreditieren, spielen sie sich ungeniert auch als Anwälte für Homosexuelle und Frauen auf, deren Gleichberechtigung sie selbst so lange verhindert haben und weiter verhindern. Sie zeichnen die Aufklärung als aus dem Christentum hervorgegangene Errungenschaft, und verkehren damit die historische Realität, dass sich die Aufklärung nämlich trótz dem Christentum und gégen deren Vertreter durchsetzen konnte.

Wenn es darum geht, den Wehrmännern das Gewehr und die Munition nicht mehr nach Hause zu geben, sprechen sie von «Generalverdacht». Man könne nicht aus einigen wenigen [hunderten] Fällen auf die Gesamtheit schliessen. Wenn es um Muslime geht, argumentieren und handeln sie aber genau nach diesem Prinzip: Generalverdacht.

Wer sich im Kampf gegen das Böse befindet, kann locker über die grössten Widersprüchen hinweg sehen. Anschauungsmaterial gefällig? Voilà:

In einer losen Serie thematisiere ich Thesen des (empfehlenswerten!) Buches «Politik der Paranoia» von Robert Misik – adaptiert auf die politische Situation in der Schweiz.

Religiöse Neutralität des Staates

Man sollte der Forderung nach religiöser Neutralität des Staates vermehrt Nachdruck verleihen. Religiöse Neutralität des Staates meint…

  • Religionsfreiheit – aber nicht nur. Religionsfreiheit meint, dass niemand daran gehindert werden darf, eine beliebige Religion auszuüben, und niemand gezwungen werden darf, bestimmte religiöse Handlungen zu tätigen. Religionsfreiheit schliesst aber nicht aus, dass gewisse Religionen rechtlich oder finanziell bevorzugt behandelt bzw. benachteiligt werden.
  • Trennung von Religion und Staat – aber nicht nur. In manchen Kantonen ist Kirche und Staat immer noch ineinander verwoben. So müssen im Kanton Zürich z.B. Unternehmen Kirchensteuern zahlen. Doch auch mit einer Trennung von Religion und Staat verhält sich der Staat nicht unbedingt neutral.
  • nicht unbedingt ein radikaler Laizismus. Radikaler Laizismus meint die totale Verbannung des Religiösen aus der Öffentlichkeit. Dies würde bis zum Verbot von religösen Bauten, religiöser Kleidung und religiöser Werbung gehen. Ein religiös neutraler Staat kann dies alles erlauben, muss aber sicherstellen, dass für Symbole und Äusserungen gewisser Religionen und Weltanschauungen die gleichen Regeln gelten wie für andere.
  • nicht Werteneutralität. Der Staat muss Grundsätze vorgeben können, die über den Religionen stehen. Dazu gehören die in der Verwassung verankerten Grundrechte.
  • nicht Rechtspluralität. Das Rechtssystem muss für alle verbindlich bleiben. Das ist ein wichtiger Grundsatz. Aber es soll so ausgestaltet sein, dass es keine Religion diskriminiert und für alle akzeptabel ist.

Gerade im letzten Punkt hockt natürlich der Teufel respektive wird es sehr viel zu diskutieren geben. Von der Schulpflicht über Kleidungs- und Bauvorschriften bis zu den Feiertagen.

Zitate ohne Substanz – heute: Lukas Reimann

SVP-Jungnationalrat Lukas Reimann heute in seinem Blog:

Sonderregelungen für Muslime – wie sie immer öfter gefordert werden, beispielsweise eigene Friedhöfe, Ausnahmeregelungen im Schulunterricht oder gar ein spezielles Rechtssystem – lehnt die SVP konsequent ab.»

Darum möchte die SVP eine Sonderregelung für Muslime – einstimmig.

Kirchturmgegner richten Kampagne auf Frauen aus

Weil durch die Katholisierung die Gleichberechtigung bedroht sei, peilen die Initianten der Kirchturmverbots-Initiative besonders Frauen an.

Intensiv arbeiten die Befürworter zurzeit an ihrer Kampagne für die Vorlage, die möglicherweise schon im September an die Urne kommt. Der Slogan steht bereits: «Kirchturm, die Speerspitze des Papstes». Sicher ist auch, dass für den Abstimmungskampf ein Frauenkomitee gegründet wird. «Unter den Frauen erwarten wir eine überdurchschnittliche Unterstützung», sagt SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer. Das habe schon die Unterschriftensammlung gezeigt. Rund 60 Prozent der Unterschreibenden sollen Frauen gewesen sein. «Erstaunt sind wir auch, wie viele junge und links wählende Frauen ein Kirchturmverbot unterstützen.»

Die designierte Präsidentin des Frauenkomitees, Nationalrätin Jasmin Hutter (svp.), weiss, wieso. «Mit der Katholisierung ist die Gleichstellung von Mann und Frau bedroht.» Keine Frau in der Schweiz könne die katholische Morallehre, z.B. die Ablehnung von Verhütungsmitteln, tolerieren. «Das Kirchturmverbot ist eine wirkungsvolle Möglichkeit, dieses Problem auf den Tisch zu bringen», sagt Hutter.

(Quelle: NZZ)

Freidenker vs. Freisinnige

Es war an der Konfirmation. Die Konfirmanden setzten sich mit ihrem Glauben und ihrer Weltanschauung auseinander und präsentierten das Resultat der Gemeinde – als Theäterchen oder kurze Reden. Und wie es so ist, wenn man sich kritisch damit beschäftigt: Manche fühlten sich in ihrem Glauben bekräftigt und sagten das auch. Und manche kamen zum Schluss, dass die Vorstellung eines Schöpfers für sie nicht glaubhaft ist – und sie sagten das auch: «Für mich gibt es wahrscheinlich keinen Gott.» Sie wurden trotzdem konfirmiert. Und es wandte auch niemand etwas dagegen ein.

Wenn nun die Freidenker-Vereinigung eine solche Aussage auf Bussen anbringen will, geschieht Erstaunliches. Die St. Galler Verkehrsbetriebe lehnen das Plakat ab. Der St. Galler FDP-Stadtrat Fredy Brunner erläutert:

Der Stadtrat macht sich tatsächlich auch Sorgen, dass sich die Werte in unserer Gesellschaft verändern in eine Richtung, die es nicht einfacher machen zusammenzuleben. Auch oft eine gewisse Tendenz zur Entsolidarisierung.»

Da bin ich wirklich sehr erstaunt. Er meint also, dass der Staat die Leute von gewissen Weltanschauungen schützen und für sie entscheiden muss, welcher Glauben der bessere ist, und dass mit einem Glaubensverlust ein Wertezerfall einhergehe. Ich dachte, der Staat hätte diese Denkweise überwunden. Ich dachte, der Staat würde sich nicht mehr in private Angelegenheiten einmischen.

Wenn der Staat in religiösen Angelegenheiten eine Aufgabe hat, dann die: Die Leute zum kritischen Denken anregen, zum dauernden Hinterfragen der eigenen «Wahrheit», und zur Toleranz gegenüber andersdenkenden. Der Spruch der Freidenkerbewegung macht genau das. Er verkündet keine Wahrheit. Er regt zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, den eigenen Weltanschauungen an.

Eine Gefahr für das Abendland besteht dann, wenn die Leute blind einem Heilsversprecher welcher Couleur auch immer folgen, und nicht zum kritischen Denken fähig sind. Oft sind kirchliche Vertreter in dieser Sache viel aufgeschlossener als… – ja zum Beispiel als Stadträte, die einer sogenannt freisinnigen Partei angehören.


(Link Rundschau)