Mein täglich Pranger gib mir heute

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«Man muss diese Leute an den Pranger stellen», sagte Felix Bingesser, Sport-Chef beim «Blick», im TalkTäglich. Gegenüber der Tageswoche rechtfertigt er: «Die Anonymität der Fan-Szene ist ein grosses Problem. Wenn wir die Fans aus der Anonymität herausziehen, schaffen wir eine Öffentlichkeit, die abschreckend wirken kann.»

Würde mich interessieren, wie er den Pranger im Blick am Abend von vorgestern rechtfertigen will:
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Oder jenen von gestern:
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Es scheint, als ob der Pranger nach der «erfolgreichen» Trottel-Story nun zum Blick-Standardrepertoire gehört – egal wie an den Haaren herbeigezogen die Geschichten und Leute werden müssen. Und die Stadtpolizei zieht kräftig mit. Willkommen im Mittelalter – powered by Internet.

Friedliche Sportanlässe

So sieht ein Fussballfan-Sonderzug nach «Hooligan-Exzessen» aus (die Sitzflächen kann man übrigens ganz einfach herausnehmen und wieder einsetzen):
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Das ist nicht zu vergleichen mit z.B. dem eidgenössischen Schwingfest, einer «tief beeindruckenden Veranstaltung», die von einer «hervorragende Einstellung» zeugt. Nach so einem «sehr friedlichen und sehr sicheren Anlass» (dabei ist zu erwähnen, dass Menschen mit Migrationshintergrund kaum anwesend waren), sieht es nämlich so aus:
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Ob unter den Hooligans der Ausländeranteil höher ist, wage ich nun mal zu bezweifeln. Der Unterschied ist, dass beim Fanzug jeweils die SBB aufräumen müssen, beim Schwingfest mit seiner «hervorragenden Organisation» hingegen der Zivilschutz, weil die Putzequipe heillos überfordert war. Wer bezahlt eigentlich den Zivilschutz und deren Zwangsarbeiter?

(Die Zitate sind dem Videokommentar von Roger Köppel entlehnt.)

Josip Drmic darf nicht

Josip DrmicEs ist toll, den Erfolg der Multikulti-Truppe namens Schweizer U-17-Nati zu verfolgen. Noch schöner wäre es, wenn das Team vollständig wäre. Aber einer fehlt: Josip Drmic. Wenn man nicht weiss, dass Hurden zu Freienbach gehört, und man auch sonst zu Zürich-zentriert ist, kennen die Schwyzer- und Schweizermacher von Freienbach keine Gnade.

Vorbildliche, faire Schlegis

Die Schweizer Eishockeyligen nähern ihre Regeln der NHL an: Künftig schreiten die Schiedrichter bei Schlägereien nicht mehr ein, solange «fair» gekämpft wird, sondern schauen nur, dass sich keine weiteren Spieler einmischen. Die Schläger werden auch nicht mehr unter die Dusche geschickt, sondern können nach einer kurzen Strafe weiterspielen.

Ob Adolf Ogi («Der Sport ist eine wirkungsvolle und kostengünstige Waffe im Kampf um eine bessere Welt. Er ist eine Lebensschule, Brückenbauer und Friedensförderer.») das eine gute Idee findet? Werden die Schulen künftig Eishockey zum Vorbild nehmen und bei Schlägereien auf dem Pausenplatz dafür sorgen, dass die Schlegi «fair» abläuft, statt zu intervenieren?

Ich finde es ein verheerendes Signal: Diese neue Regel sagt aus, dass es schon ok ist, wenn man seine Emotionen nicht im Griff hat und man ein Problem mit den Fäusten löst. Ich finde eine solche Regel viel problematischer als jede Kampfsportart, denn Kampfsportler haben ihre Emotionen im Griff.

Und dann ist man überrascht, wenn eine Studie zu Schluss kommt, dass Jugendliche, die Sportarten wie Eishockey betreiben, auch im Alltag häufiger Gewalt anwenden.