Hasch gegen Haubitzen

Das Kriegsmaterialgeschäft funktioniert wie das Drogengeschäft: Je stärker ein konkretes Geschäft international geächtet wird, desto höher steigt der Preis und der potenzielle Gewinn – nämlich so hoch, bis jemand bereit ist, trotz der Ächtung (und der damit verbundenen Risiken) das Geschäft zu tätigen. Es wird sich immer jemand finden, der Waffen für Kindersoldaten liefert. Es ist nur eine Frage des Preises. Bei Drogen spricht man dann von organisiertem Verbrechen. Bei Waffen manchmal auch, manchmal aber auch von gutschweizerischen Traditionsunternehmen. Alles eine Frage der Perspektive und der nationalen Gesetzgebung und -interpretation.

Während ich eine komplette Drogenlegalisierung für ethisch vertretbar (wenn nicht sogar ethisch zwingend) halte, sehe ich beim Kriegsmaterial nur eine Lösung, nämlich die internationale Ächtung und Kontrolle zu verstärken und damit den Krieg möglichst zu verteuern, auch wenn es dabei immer Profiteuere geben wird.

Mein Vorschlag als ersten Schritt: Kriegsmaterialexportverbot und im Gegenzug Cannabislegalisierung – damit können die verlorenen Arbeitsplätze und Steuerausfälle bestens kompensiert werden. Wieso hat eigentlich damals bei der Cannabislegalisierungsvorlage niemand von den Arbeitsplätzen geredet?

Kokain: Drama in fünf Akten

1. Akt: Kokain ist eine Trenddroge, auch bei uns. Erfolgreiche Businessleute und Szenis essen Bio und Max Havelaar, um ihr Gewissen ruhigzustellen, und besorgen sich dafür hie und da bedenkenlos ein Briefchen «Schnee».

2. Akt: Unser Staat sieht in den Drogen ein Übel und verbietet sie – ohne jedoch die Kraft aufzubringen, dieses Verbot auch wirksam durchzusetzen und den Markt zu verhindern. Statt den Handel im Inland zu verhindern, verdonnert er die Entwicklungsländer zur Bekämpfung des Coca-Anbaus, obwohl dieser dort schon lange vor der Entdeckung des Kokains betrieben wurde.

3. Akt: Wo es zahlungskräftige Kunden gibt, gibt es Anbieter. Wird ein lukrativer Wirtschaftszweig verboten, entsteht daraus eine organisierte Kriminalität. Der illegale Anbau, die Herstellung und der Handel des Kokains wird in Banden organisiert.

4. Akt: Drogenkrieg. Organisierte Kriminalität muss der Staat erst recht bekämpfen. Es wird auf allen Seiten aufgerüstet. Killer werden auf jeden angesetzt, der das Geschäft bedrohen könnte. Durch den Krieg wird die wirtschaftliche Misere grösser und dadurch auch die Abhängigkeit von Erträgen vom Drogengeschäft. Man hungert, oder man wir Teil der Mafia. In Mexiko forderte der Drogenkrieg dieses Jahr wohl bereits 5000 Todesopfer, in der Stadt Ciudad Juárez 1700.

5. Akt: Muss noch geschrieben werden. Happy End ist nicht in Sicht.

Neulich im TV: Hanfdebatte

Da sprachen sie eine halbe Arena lang über die Hanfinitiative – und ich hörte kein einziges Mal das Wort «Freiheit». Habe ich es einfach überhört?

Bei der Rauchverbotsdebatte wird hauptsächlich mit der Freiheit argumentiert. Die Freiheit der Cannabiskonsumenten wird viel stärker eingeschränkt als diejenige der Raucher – wieso spielt diese Freiheit keine Rolle?

Tourismus ankurbeln am 30. November

Ferien ist etwas vom ersten, bei dem man spart, wenn man Geldsorgen hat. Darum sehen die nächsten Jahre für Schweiz Tourismus nicht rosig aus. Es sei denn, am 30. November wird die Hanfinitiative angenommen. Das würde einen merkbaren Auftrieb in der Tourismusbranche erzeugen – die Schweiz wäre plötzlich hip. Zürich und Laax und andere Destinationen könnten sich die Hände reiben.

Bisher wurde Hanftourismus nur von den Hanf-Gegnern als Argument hervorgebracht. Jeder andere Grund, wieso die Leute in die Schweiz reisen, ist willkommen. Nur Hanftouristen scheint man nicht zu wollen. Dabei sind Hanftouristen viel friedlicher als holländische Fussballfans. Wieso sollten wir diese Touristen freiwillig den Holländern überlassen?

Kurbeln wir am 30. November gemeinsam den Tourismus an!

IG Freiheit will mir den Joint verbieten

Die Liste einschränkender Gesetze, absurder staatlicher Vorschriften und unnötiger Verbote wird lang und länger. Die IG Freiheit kämpft für den Schutz der Privatsphäre, des Privateigentums und der persönlichen Freiheit. Von A bis Z.»

Das steht auf der Website der IG Freiheit. Es folgt eine Liste von Einschränkungen, von Ausgangssperre bis Znünipolizei, die es zu bekämpfen gilt. Das ist ja gut und recht. Doch der Buchstaben J wie Joint wird elegant ausgelassen.

Herr Spuhler, Sie sind für mehr Freiheit – wieso wollen ausgerechnet Sie mir meinen Joint verbieten?

Botellón vs. Grümpi-Festzelt

Am 29. August ist in Zürich nicht nur ein Wettlaufen, sondern auch ein Wettsaufen geplant (danke an Felix Schaad für das Wortspiel). Die Polizeivorsteherin will das verhindern.

Die Frage lautet: Wieso soll ein Massenbesäufnis, das als solches deklariert ist, verboten werden, aber ein Massenbesäufnis, das als etwas anderes deklariert ist, nicht?

Sehr problematisch finde ich Massenbesäufnisse, die unter dem Deckmäntelchen des Sports betrieben werden: Turnfeste, Grümpis, usw. Da wird der Anschein erweckt, man tue etwas für die Gesundheit, lädt die Jugend ein, und bringt ihr dann das Saufen bei.

Ein Botellón (sprich: Boteijon) ist hingegen etwas Ehrliches: Man stellt von Anfang an klar, worum es geht. Da weiss man, was man hat. Da ist die Gefahr auch kleiner, dass Leute hineingezogen werden, die das nicht wollen. Was soll daran schlimm sein? Wenn man Besaufen im Allgemeinen erlaubt, muss man auch ein Botellón tolerieren.

Nachtrag: Theddy ist anderer Meinung.

Nachtrag2: Absurd: Das Blaue Kreuz teilt meine Meinung, die Wir-Liberalen wollen das Botellón verbieten.