Der WAP-Trick des Schweizer Fernsehens

Die Schweiz hat ein Lotteriegesetz, das Glückspiele mit Geldeinsatz – «Preisausschreiben und Wettbewerbe jeder Art, an denen nur nach Leistung eines Einsatzes teilgenommen werden kann, und bei denen der Erwerb der ausgesetzten Gewinne wesentlich vom Zufall oder von Umständen abhängt, die der Teilnehmer nicht kennt» – verbietet.

Das Schweizer Fernsehen lässt neuerdings kaum eine Gelegenheit aus, solche Gewinnspiele anzubieten. Sie verpacken es als Voting, obwohl das Resultat meistens gar nicht interessiert. Ein Voting über den Sieger eines Fussballspiels, bei dem man bis zur Halbzeit abstimmen kann, ergibt gar kein brauchbares Resultat. Ausserdem führen Mehrfachteilnahmen, die aktiv gefördert werden, zu einem völlig verfälschten Resultat. Interessiert ist man nur am Geld – und das scheint kräftig zu fliessen. Insbesondere hat man es bei Sendungen wie «Die grössten Schweizer Hits» oder «MusicStar» auch auf Kinder abgesehen. Die Teilnahme kostet jeweils 80 Rappen pro SMS/Anruf. (Im Verlauf eines Abends kann das recht viel Geld geben.)

Das Schweizer Fernsehen (wie andere Sender auch) umgeht das Lotteriegesetz mit der angebotenen Möglichkeit, per WAP gratis teilnehmen zu können. Ein Bundesgerichtsentscheid im 2006 hat dieses Vorgehen abgesegnet und damit einen Entscheid des Statthalteramts Zürich rückgängig gemacht.
Für eine Teilnahme per WAP sind aber für den allergrössten Teil der Zuschauer die technischen Hürden viel zu gross. Viele Mobiltelefone, auch zum Beispiel das iPhone, haben keine WAP-Unterstützung. Die Technologie hat sich nicht durchgesetzt und ist bereits abgelöst durch mobiles Web.

Sollen die Sender nun jahrzehntelang Gewinnspiele anbieten können, bei denen man nicht gratis teilnehmen kann, nur weil das Gratisangebot auf einer Technologie, die im letzten Jahrtausend einmal als Zukunft angepriesen wurde, beschränkt ist?

Kassensturz, das solltest du anprangern!
Gesetzgeber, einschreiten bitte!

Leben in Gaza und Sderot

Wie sieht der Alltag in Gaza und in der isralischen Grenzstadt Sderot aus? Das Projekt «Gaza Sderot» von Arte berichtet vom täglichen Leben und Überleben der Menschen. Trotz schwerer Lebensbedingungen, der Gefahr von Luftangriffen und Raketenschüssen hören diese Menschen nicht auf zu arbeiten, zu lieben und zu träumen. Zu leben – trotz allem.

Tag für Tag werden kurze Filme (zu je 2 Minuten) von israelischen und palästinensischen Teams gedreht um diesen Willen zu Leben zu dokumentieren.

(Via André Marty)

Neulich im TV: Note 6 für diese ARENA

Ich habe die Arena auch schon als Kindergarten verschrieen. Auch diesmal deutete die Themenwahl «Bundesratswahl» auf einen heillosen Hickhack zwischen den Parteien hin. Doch dann zeigte es sich, dass es doch noch ein paar Parlamentarier gibt, die hart, aber fair und kultiviert debattieren können.

Adrian Amstutz, Eugen David und Jacqueline Fehr gehörten eigentlich in den Bundesrat. Sie können nicht nur austeilen, sondern auch zuhören – eine Eigenschaft, die manchem Politiker fehlt.

Auch This Jenni und Jo Lang in der ersten Reihe spielten ihre Rolle gut. Nur die «Expertenrunde» war nicht wirklich fernsehtauglich.

Neulich im TV: Hanfdebatte

Da sprachen sie eine halbe Arena lang über die Hanfinitiative – und ich hörte kein einziges Mal das Wort «Freiheit». Habe ich es einfach überhört?

Bei der Rauchverbotsdebatte wird hauptsächlich mit der Freiheit argumentiert. Die Freiheit der Cannabiskonsumenten wird viel stärker eingeschränkt als diejenige der Raucher – wieso spielt diese Freiheit keine Rolle?

Neuer SVP-Giftzwerg

Die SVP hat einen neuen Giftzwerg, nachdem sich die alten, Blocher, Mörgeli und Schlüer, etwas abgenutzt haben. Der Neue heisst Andreas Glarner. Er machte mit «Aarau oder Ankara» und «Baden oder Bagdad» Werbung als Nationalratskandidat, wurde aber nicht gewählt. Gestern war er in der SF-Arena und schaffte es irgendwie, dass der Moderator ihm 3 Mal das Mikrofon unter die Nase hielt. Er spricht wie ein halbstarker 16-Jähriger, sagt Dinge wie: Neuer SVP-Giftzwerg weiterlesen

Neulich im TV: Arena mit Videoeinspielungen

Die neue Arena lässt «das Volk» beteiligen, indem man Videos über die Website hochladen kann. Da die Hürde dafür hoch ist (auch weil man sich nicht Mühe gegeben hat, das Ganze niederschwellig zu gestalten) und die Beteiligung dementsprechend dürftig ist, behilft man sich mit Strassenumfragen. Diese sind mässig interessant, mässig relevant und überhaupt nicht repräsentativ, sondern willkürlich. Wenn nicht gar manipulativ. Es wird der Eindruck erweckt, das sei die Meinung des Volkes.

Dafür haben weder die Politiker noch die Experten Zeit, das Thema etwas unter der Oberfläche zu analysieren und diskutieren.

Fazit: Die Sendung ist mit vier «Stieren» im inneren Kreis, x Experten und Politikern in der ersten Reihe und den Videoeinspielungen überfrachtet. Um dem Medium der Videos aus dem Volk gerecht zu werden, bräuchte es ein anderes Sendegefäss. Das könnte (bei niederschwelligerer Umsetzung) durchaus interessant sein – die Arena hingegen ist der falsche Ort.

Neulich im TV: Offroader-Club

Der SF Club zur Initiative für menschenfreundlichere Fahrzeuge brachte ein paar Erkenntnisse:

  • Die Initiative hat reelle Chancen, angenommen zu werden.
  • Ein weiteres wichtiges Ziel, die Sensibilisierung der Autokäufer und eine Trendumkehr, wird sie so oder so erreichen.
  • Wenn Jürg Scherrer noch viele TV-Auftritte zu diesem Thema bestreitet, wird die Initiative bestimmt angenommen. Ausser seiner Klientel überzeugt er garantiert niemanden.
  • Die Gesprächsteilnehmer sind Meister des Dreinschnorrens – schön haben sie es zum Schluss selber gemerkt.