Abschaffen: Velovignetten

Wir haben uns daran gewöhnt, und über eine Gewohnheit regt man sich nicht auf. Trotzdem sind sie ein ärgerliches und unnützes System: die Velovignetten. Jedes Jahr gehe ich auf die Gemeindeverwaltung, um die von der Gemeinde bezahlte Velovignette abzuholen (und mich als Bezüger zu registrieren). Für mein Ersatzvelo muss ich dann noch eine zusätzliche Vignette kaufen.

Hier meine 7 Gründe, wieso dieser alte Zopf abgeschafft werden muss:

  • Aufwand für Velofahrende: kaufen bzw. abholen, anbringen, ausfüllen und aufbewahren des Zettels.
  • Diebstahl vs. Übertragbarkeit: Klebt man die Vignette nicht fest auf den Rahmen (zum Beispiel, um sie von Velo zu Velo wechseln zu können), kann sie geklaut werden. Es muss dann eine neue gekauft werden.
  • Vergrösserung der Versicherungslücken: Je mehr verschiedene Haftpflichtversicherungen man haben muss, desto grösser ist die Gefahr von Versicherungslücken. Viele Leute haben aus Unwissen, Vergesslichkeit, Diebstahl oder Spargedanken keine Vignette und sind dadurch unterversichert.
  • Überversicherung: Viele haben aus Unwissenheit oder weil sie im Ausland Fahrräder (ohne Vignette) benutzen die Velohaftpflicht in ihrer normalen Haftpflicht inbegriffen und sind dadurch doppelt versichert.
  • Unverhältnismässige Bürokratie: Der grösste Teil der Kosten der Vignetten fliessen in die Administration, Produktion, den Vertrieb und Verkauf. Viele Gemeinden geben die Vignetten ihren Einwohnern zudem gratis ab und haben dadurch selber einen unverhältnismässigen Aufwand.
  • Veloverkehr ist grenzüberschreitend: Ausländische Velofahrer haben keine Vignette. Für sie wird die Haftpflicht bereits jetzt anders geregelt.
  • Einfacher Ersatz: Die Velohaftpflichtversicherung könnte ganz einfach in die normale Haftpflichtversicherung integriert werden, die eigentlich sowieso jeder braucht.

Fazit: Die Velovignetten tragen dazu bei, dass Velofahren weniger attraktiv und risikoreicher ist und belasteen in gewissen Gemeinden erst noch den Steuerzahler.

Philipp Stähelin (CVP-Ständerat) möchte deshalb mit einer parlamentarischen Initiative die Velovignette abschaffen. Jedoch ist die Velovignette eine gemeinsame Geschäftemacherei von Versicherungen, Finderdienstleistern und den Verkehrs- und Veloverbänden, so dass diese kein Interesse an einer Abschaffung haben.

Top 6 der Schikanen für Velofahrer

Das sind die Top 6 oder besser gesagt die Flop 6 der grössten Schikanen im Leben eines Velopendlers (für deutsche Mitlesende: Velo = Fahrrad):

  • Platz 6: Wenn man zu zweit ist, aber nur ein Velo hat, und die Gesetze einem verbieten, zu zweit auf dem Velo zu fahren. In Holland haben sie mich (bzw. die Schweizer) laut ausgelacht, als ich ihnen dieses Schweizer Strassenverkehrsgesetz erläuterte. Dort fahren selbst 60-Jährige zu zweit auf einem Velo. Man kann ja den Packträger so gestalten, dass man nicht herunterrutscht und die Füsse nicht in das Rad kommen können.
  • Platz 5: Wenn der Schneeräumungsdienst auch drei Tage nach dem Schneefall noch nicht auf die Idee gekommen ist, die Zufahrten zum stark frequentierten Veloweg zu räumen. Denken die, Velofahrer fahren immer geradeaus?
  • Platz 4: Wenn Autofahrer mit der Schnauze über die Kein-Vortritt-Markierung auf den Radweg fahren, um zu warten, bis die Strasse, auf die sie einbiegen wollen, frei ist.
  • Platz 3: Wenn die Baustellensignalisation die Velofahrer vergisst: zu kurze Grünphasen; generelle Fahrverbote, obwohl es für Velos genügend Platz hat; zu enge Wege für Veloanhänger; usw. Ich bin dazu übergegangen, Baustellensignalisation grundsätzlich zu ignorieren oder bestenfalls als gut gemeinte Ratschläge zu verstehen.
  • Platz 2: Wenn man dazu genötigt wird, hintereinander zu fahren, obwohl man gerade in ein gutes Gespräch verwickelt ist. In Autos, Traktoren, Pferdekutschen, … darf man auch nebeneinander sitzen, selbst wenn man langsam unterwegs ist. Die Velofahrer sind die einzigen, denen man die Unterhaltung mit den Mitfahrern vergönnt.
  • Platz 1: Wenn man rechtsabbiegen will und das auch problemlos könnte, ohne irgendjemandem in die Quere zu kommen, aber die Ampel auf rot steht. Rechtsabbiegen sollte für Velofahrer immer erlaubt sein – mit kleinen baulichen Änderungen wäre das möglich, ohne den restlichen Verkehr zu behindern.

Übrigens, liebe Autofahrer: Jeder Velofahrer, der an einer roten Ampel wartet, macht dies nur aus Rücksicht gegenüber den Autofahrern. Die Ampel braucht es nur für die Autos, nicht für die Velos. Denkt daran, wenn ihr euch das nächste Mal darüber aufregt, wenn ein Velofahrer das Rot überfährt.

Bitte erfinden: die Sorry-Hupe

Heute machte ich wieder mal Bekanntschaft mit einem Strassenrowdy: Ein Lastwagen bog auf meiner Höhe von links kommend in meine Spur ein. Da ich mit dem Velo die nächste Strasse links abbiegen musste, spurte ich kurz vor dem Lastwagen, der etwa gleich schnell fuhr, links ein. Schliesslich lass ich mir nicht einfach den Vortritt wegschnappen. Und was macht der Chauffeur? Er hupt.

Ich habe da eine Idee: Die Autos und Lastwagen sollten neben der normalen Hupe noch eine zweite haben, die einen Sorry-Sound von sich gibt. Und vielleicht noch eine dritte, die „Danke“ kommuniziert. Denn: Es trägt zu Aggressivität auf unseren Strassen bei, dass man mit der Hupe zwar „du Tubel“ ausdrücken kann, aber nichts Nettes oder Versöhnliches.

Der geschilderte Lastwagen-Chauffeur hätte zwar die Sorry-Hupe nicht benützt, aber angebracht wäre es gewesen. Und, ich gebe zu, ich hätte mit meinem Fahrrad auch schon mal ein Sorry-Signal brauchen können.

Komplizierte Billettpolitik ist kundenfeindlich

Fast ebenso wichtig wie billige öV-Billete sind einfache öV-Billette. Die Tarifstruktur ist heute schon viel zu kompliziert, und die SBB denkt über eine weitere Verkomplizierung nach.

Ich will jederzeit in einen Zug steigen, ohne mir Gedanken über verschiedene Preistrukturen und mögliche Varianten für ein günstiges Billett machen zu müssen. Das ist Freiheit. Ein einfaches Billettsystem sind ein grosses Kundenbedürfnis. Darum laufen auch die GAs so gut. Es ist ein wichtiges Mittel im Konkurrenzkampf gegen den Personenwagen. Aber den SBB scheinen Kundenbedürfnisse mehr und mehr egal zu sein. Schliesslich sind die Züge ja sowieso voll. Aber: So verspielen sie rasch den Kredit in der Kundschaft.

Die SBB würden besser an der Verringerung der Ausfälle des Rollmaterials («Dieser Zug fährt heute nur mit einer Komposition») und an intelligenten Billetautomaten arbeiten, die alternative Tickets vorschlagen. Ausserdem könnten sie die Vergünstigungen für die kaufkräftigen Rentner aufheben. Und dort, wo sie noch nicht an den Kapazitätsgrenze angelangt ist, wenigstens genügend Plätze anbieten (z.B. während RS-Zeiten am Sonntagabend zwischen Zürich und Bern).

Eine weitere Verkomplizierung der Preisstruktur und eine Einschränkung der Billettgültigkeit sind das Letzte, das die gepeinigte Kundschaft brauchen kann.

Pflästerli für genervte Bahnkunden

Das ist alles Pflästerlipolitik: GA-Light, platzangebotsabhängige Preise, Klassenkampf in den Zügen, neue Doppelstöcker, Ausbauprojektli – in Wirklichkeit geht es darum, dass es an einigen Engpässen einfach zuwenig Geleise hat, und die Politik Investitionen, die sowieso getätigt werden müssen, unverständlicherweise weiter hinauszögert. Wieso braucht es zuerst wieder eine VCS-Initiative? Haben die Politiker immer noch nicht gemerkt, dass Bahnausbauten immer angenommen werden? Dass diese auch dem Strassenverkehr zu Gute kommen?

Neulich im TV: Offroader-Club

Der SF Club zur Initiative für menschenfreundlichere Fahrzeuge brachte ein paar Erkenntnisse:

  • Die Initiative hat reelle Chancen, angenommen zu werden.
  • Ein weiteres wichtiges Ziel, die Sensibilisierung der Autokäufer und eine Trendumkehr, wird sie so oder so erreichen.
  • Wenn Jürg Scherrer noch viele TV-Auftritte zu diesem Thema bestreitet, wird die Initiative bestimmt angenommen. Ausser seiner Klientel überzeugt er garantiert niemanden.
  • Die Gesprächsteilnehmer sind Meister des Dreinschnorrens – schön haben sie es zum Schluss selber gemerkt.