Neulich im TV: Hanfdebatte

Da sprachen sie eine halbe Arena lang über die Hanfinitiative – und ich hörte kein einziges Mal das Wort «Freiheit». Habe ich es einfach überhört?

Bei der Rauchverbotsdebatte wird hauptsächlich mit der Freiheit argumentiert. Die Freiheit der Cannabiskonsumenten wird viel stärker eingeschränkt als diejenige der Raucher – wieso spielt diese Freiheit keine Rolle?

IG Freiheit will mir den Joint verbieten

Die Liste einschränkender Gesetze, absurder staatlicher Vorschriften und unnötiger Verbote wird lang und länger. Die IG Freiheit kämpft für den Schutz der Privatsphäre, des Privateigentums und der persönlichen Freiheit. Von A bis Z.»

Das steht auf der Website der IG Freiheit. Es folgt eine Liste von Einschränkungen, von Ausgangssperre bis Znünipolizei, die es zu bekämpfen gilt. Das ist ja gut und recht. Doch der Buchstaben J wie Joint wird elegant ausgelassen.

Herr Spuhler, Sie sind für mehr Freiheit – wieso wollen ausgerechnet Sie mir meinen Joint verbieten?

Pornografie und die Hilflosigkeit des Parlaments

Pornofilme werden auf Plattformen wie YouPorn frei und gratis zugänglich gemacht. Jugendliche schicken sich die Filmchen von Handy zu Handy zu. Jugendliche, die heutzutage ohne Pornos aufwachsen, gibt es praktisch nicht mehr.

Dieser rasche Wandel besorgt die Leute. «Pornografie im Internet und anderen neuen Medien» ist die Sorge Nr. 1 im Sorgenbarometer 2007 des Konsumentenforums. Pornografie wird mit den von den Medien gehypten Missbrauchsfällen (die nur ein ganz kleiner Anteil der Missbrauchsfälle zwischen Jugendlichen und Kindern darstellen – die anscheinend niemanden interessieren) in Verbindung gebracht. Obwohl ein Zusammenhang zwischen Pornokonsum und Gewalt alles andere als wissenschaftlich erhärtet ist, ist es klar, dass die Politiker da auf den Zug aufspringen.

Die Krux ist nur: Die Politik ist machtlos. Pornografie und die Hilflosigkeit des Parlaments weiterlesen

Rauchverbot vs. Cannabislegalisierung

Sie ist ja wieder einmal amüsant, die Politik. In Zürich wird im September über die Lungenliga-Initiative für ein Rauchverbot in Gaststätten abgestimmt, und im November kommt dann die Hanflegalisierungsinitiative vors Volk.

Lustig ist, dass die einen das Rauchen nicht einschränken, Cannabis aber verboten lassen wollen, und die anderen umgekehrt das Rauchen einschränken und im Gegenzug Cannabis legalisieren wollen – und beide wähnen sich auf der «liberalen» Seite. So zum Beispiel SVP-Zanetti.

Beide sind unehrlich. Die Lungenliga gibt vor, es gehe ihr einzig um den konsequenten Schutz vor Passivrauchen. Ich glaube aber nicht, dass das die ganze Wahrheit ist. Es geht ihr auch darum, das Rauchen und das Mit-Rauchen-Beginnen weniger attraktiv zu machen. Auch das ist ein legitimes Anliegen, wird aber ausgeblendet, da es nicht so liberal ist.

Den Rauchverbotsgegnern geht es um die Freiheit der Raucher, (fast) überall Rauchen zu dürfen. Weil sie aber nicht zu den Kiffern gehören, ist ihnen jene Freiheit egal. Auch egal ist ihnen die Freiheit der Nichtraucher, die Nichtraucherrestaurants schätzen würden. Eine sehr egozentrische Liberalität.

Neulich im TV: Offroader-Club

Der SF Club zur Initiative für menschenfreundlichere Fahrzeuge brachte ein paar Erkenntnisse:

  • Die Initiative hat reelle Chancen, angenommen zu werden.
  • Ein weiteres wichtiges Ziel, die Sensibilisierung der Autokäufer und eine Trendumkehr, wird sie so oder so erreichen.
  • Wenn Jürg Scherrer noch viele TV-Auftritte zu diesem Thema bestreitet, wird die Initiative bestimmt angenommen. Ausser seiner Klientel überzeugt er garantiert niemanden.
  • Die Gesprächsteilnehmer sind Meister des Dreinschnorrens – schön haben sie es zum Schluss selber gemerkt.

Botellón vs. Grümpi-Festzelt

Am 29. August ist in Zürich nicht nur ein Wettlaufen, sondern auch ein Wettsaufen geplant (danke an Felix Schaad für das Wortspiel). Die Polizeivorsteherin will das verhindern.

Die Frage lautet: Wieso soll ein Massenbesäufnis, das als solches deklariert ist, verboten werden, aber ein Massenbesäufnis, das als etwas anderes deklariert ist, nicht?

Sehr problematisch finde ich Massenbesäufnisse, die unter dem Deckmäntelchen des Sports betrieben werden: Turnfeste, Grümpis, usw. Da wird der Anschein erweckt, man tue etwas für die Gesundheit, lädt die Jugend ein, und bringt ihr dann das Saufen bei.

Ein Botellón (sprich: Boteijon) ist hingegen etwas Ehrliches: Man stellt von Anfang an klar, worum es geht. Da weiss man, was man hat. Da ist die Gefahr auch kleiner, dass Leute hineingezogen werden, die das nicht wollen. Was soll daran schlimm sein? Wenn man Besaufen im Allgemeinen erlaubt, muss man auch ein Botellón tolerieren.

Nachtrag: Theddy ist anderer Meinung.

Nachtrag2: Absurd: Das Blaue Kreuz teilt meine Meinung, die Wir-Liberalen wollen das Botellón verbieten.

Belohnte Penetranz – bitte: Bettelverbot!

Kommt man als Zürcher nach Bern, fallen einem die vielen Bettler auf. Ich frage mich: Gibt es hier die richtigen Anreize?

Um die Situation des Bettlers längerfristig zu verbessern, ist betteln sicher der falsche Ansatz. Der Bettler sollte ein Ziel haben, wie er sich nützlich machen kann, und darauf hinarbeiten.

Als Bettler steht er im Wettbewerb zu anderen Spendensammlern. Dabei hat nur Erfolg, wer penetrant auftritt, sich den Passanten in den Weg stellt, eine mitleidserweckende Krankheit vortäuscht usw. Während diese sich in ihrer Aufsässigkeit überbieten, kommen andere zu kurz, die nicht so penetrant auftreten, aber Unterstützung ebenso nötig hätten.

Wenn ich etwas spenden möchte, möchte ich das Geld nicht dem Penetrantesten geben, sondern demjenigen, der es am Nötigsten hat.

Um die Unterstützung gerecht zu verteilen, gibt es die Sozialhilfe, die faire Kriterien anwenden kann. Ausserdem müssen sich bei der Sozialhilfe mit den Steuern alle beteiligen, womit auch Geiz bei den Wohlhabenden nicht belohnt wird.

Das soziale Netz muss so gespannt sein, dass niemand betteln muss, sondern dass alle an der langfristigen Verbesserung ihrer Situation arbeiten können. Daher gehört das Betteln auf öffentlichen Plätzen verboten!

Ausserdem sollten auch Spenden sammelnde Organisationen nicht für ihre Penetranz belohnt werden – deren unsäglicher LSV-Überschnorrerei muss ein Ende gesetzt werden.