Was würdest du arbeiten, und zu welchem Lohn…

…wenn du ein garantiertes, existenzsicherndes, bedingungsloses Grundeinkommen erhalten würdest? Denkst du: Grundeinkommen – was ist denn das für eine abstruse Idee? Denke ich auch. Sehr gewöhnungsbedürftig. Aber nach dem folgenden Film kann man sich mit dieser Idee anfreunden. Hundert Minuten geistige Nahrung, die sich lohnen zu investieren – bis am Schluss:

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Profiteure der Krise

Wenn es historische Parallelen gibt, haben wir es ja jetzt erst 1929, und noch vier Jahre Zeit. Trotzdem aber scheint es mir auch sinnvoll sich schon jetzt in der Nähe der Schweizer Grenze aufzuhalten.»

aftonsky in einem Kommentar zum Artikel «Schlächter der bürgerlichen Moral» von Don Alphonso anlässlich der Wirtschaftskrise und der Vorgänge im Vatikan. Fehlt nur noch der Hitler.

Etwas ernsthafter gefragt: Wer wird der Profiteur der Wirtschaftskrise sein? Wer wird daraus politisches Kapital schlagen können?

Preisfrage

Wie viele Tage (nach der Personenfreizügigkeitsabstimmung) dauert es, bis die erste Firma einen Stellenabbau von über 100 Stellen bekannt gibt?

Teilnahme via Kommentare. Preis muss ich mir noch ausdenken.

Auf jeden Fall ist es eine erstaunliche Leistung der Wirtschaftsbosse, dass sie solche Botschaften konsequent bis zur Abstimmung vermieden haben.

Die Utopie der idealen Marktwirtschaft

Immer wieder argumentieren Leute, insbesondere jene, die es zu einem Vermögen gebracht haben, dass reiche Leute deshalb reich werden, weil sie mehr leisten als andere, oder leicht abgeändert: etwas anbieten, dass für viele Leute einen grossen Wert hat. Es sind die Utopisten der Marktwirtschaft.

Es wäre wirklich toll: Wenn man jeden exakt gemäss dem Wert, den seine Leistung für die Menschen hat, entlöhnen könnte – wie es Wörter wie Wertschöpfung und verdienen implizieren. Je mehr Leistung desto mehr Lohn – der optimale marktwirtschaftliche Ansporn. Leider ist das nicht so. Es gibt unzählige Gründe, wieso Leistung oftmals nicht in Geld umgewandelt werden kann: Weil man den Wert nicht erkannt, weil die Leistung erst später (nach dem Tod) seinen Wert erhält, weil die Leistung nicht vervielfältigt und verteilt werden kann, weil die Idee einfach kopiert werden kann, oder weil die Leistungsempfänger kein Geld haben, um dafür etwas zu bezahlen. Oder, oder, oder…

Die Marktrealitäten sind nie fair. Finanzielle und reelle Wertschöpfung klaffen immer auseinander. (Natürlich kann man eine reelle Wertschöpfung gar nicht messen, aber eine Differenz ist offensichtlich.)

Lukas Reimann ist resistent gegen neue Erkenntnisse

Lukas Reimann, Nationalrat der SVP, sagte im Jahr 2000 zu den Bilateralen Verträgen I Nein mit folgenden Argumenten:

In der Schweiz liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 1,9 %, in der EU im Durschnitt über 20 %, darum könnte es passieren, dass ein Strom von aussen in die Schweiz kommt und unsere Stellen rar werden.

Wir haben Qualitätsdiplome in der Schweiz, die etwas gelten. Was nun passieren würde, wäre wie wenn man ein gut gefülltes mit einem fast leeren Glas mischen würde. Das gäbe zwei gleich Glas Wasser. Es würde also heissen, dass alle Diplome gleich wären, und bespielsweise die französische Matur, die 80 % der Leute machen, gleich viel Wert wäre wie die Schweizer Matura, die 20 % der Leute machen. Es kann ja nicht sein, dass die Schweizer 60 % dümmer sind als die Franzosen.

In der EU ist das Bildungsniveau relativ tief. Die Unis sind überfüllt. das ist nicht das gleiche wie in Zürich oder Lausanne. Darum wird der Ansturm ziemlich gross sein, und es könnte auch sein, dass der Numerus Clausus auf weiteren Studiengängen eingeführt werden muss.

Schweizer Gemeinden müssen ihre Aufträge europaweit in allen Sprachen ausschreiben und erst noch dem billigsten Anbieter europaweit vergeben. Der billigste Anbieter ist im Normalfall nicht ein Schweizer Unternehmen. Das heisst, europäische Unternehmen werden Schweizer Unternehmen die Aufträge wegschnappen. Dadurch gehen in der Schweiz Stellen verloren und KMU-Betriebe werden geschlossen. Der Konkurrenzdruck wird zunehmen.

Zur 7-Jahres-Klausel möchte ich noch sagen, dass es in sieben Jahren unmöglich sein wird, einfach zu sagen «Stopp, jetzt machen wir nicht mehr mit», und alle wieder hinauszuschicken. Das mit diesen sieben Jahren ist meiner Meinung nach nicht möglich.»

OK, da war Reimann noch nicht mal 18. Solche Aussagen kann man ihm daher gut verzeihen. Mittlerweile ist er aber 26. Er hat gesehen, dass keine seiner Befürchtungen eingetreten ist, auch nicht, als die Verträge auf 10 weitere osteuropäische Länder ausgeweitet wurden. Trotzdem will er das machen, was angeblich unmöglich ist: Stopp sagen.

Reimann geht es genau nicht um das, um was er vorgibt sich zu kümmern: um den Wohlstand in der Schweiz.

«Intelligente aber auch etwas hinterlistige Tiere»

Mit gewohnt ausdrucksstarken Sujets macht die SVP Stimmung gegen die Personenfreizügigkeit und versucht damit den eigenen Schlingerkurs vergessen zu machen. Diesmal sind es die Raben, die als Feindbild herhalten müssen, als «intelligente aber auch etwas hinterlistige Tiere» (Toni Brunner). Nur bleibt unklar, wer eigentlich damit gemeint ist. Auf dem Flyer heisst es: «Verschiedene Kreise aus dem In- und Ausland bedrohen unser Land.» Also geht es doch nicht um die Rumänen, sondern gegen alles Linke und Fremde?

Eindeutig besser passt das Sujet für die Schweizer selber, die glauben, im Ausland nur die saftigen Rosinen (schnellintegrierte Fachkräfte und reiche Steuerzahler) picken zu können:

Der WAP-Trick des Schweizer Fernsehens

Die Schweiz hat ein Lotteriegesetz, das Glückspiele mit Geldeinsatz – «Preisausschreiben und Wettbewerbe jeder Art, an denen nur nach Leistung eines Einsatzes teilgenommen werden kann, und bei denen der Erwerb der ausgesetzten Gewinne wesentlich vom Zufall oder von Umständen abhängt, die der Teilnehmer nicht kennt» – verbietet.

Das Schweizer Fernsehen lässt neuerdings kaum eine Gelegenheit aus, solche Gewinnspiele anzubieten. Sie verpacken es als Voting, obwohl das Resultat meistens gar nicht interessiert. Ein Voting über den Sieger eines Fussballspiels, bei dem man bis zur Halbzeit abstimmen kann, ergibt gar kein brauchbares Resultat. Ausserdem führen Mehrfachteilnahmen, die aktiv gefördert werden, zu einem völlig verfälschten Resultat. Interessiert ist man nur am Geld – und das scheint kräftig zu fliessen. Insbesondere hat man es bei Sendungen wie «Die grössten Schweizer Hits» oder «MusicStar» auch auf Kinder abgesehen. Die Teilnahme kostet jeweils 80 Rappen pro SMS/Anruf. (Im Verlauf eines Abends kann das recht viel Geld geben.)

Das Schweizer Fernsehen (wie andere Sender auch) umgeht das Lotteriegesetz mit der angebotenen Möglichkeit, per WAP gratis teilnehmen zu können. Ein Bundesgerichtsentscheid im 2006 hat dieses Vorgehen abgesegnet und damit einen Entscheid des Statthalteramts Zürich rückgängig gemacht.
Für eine Teilnahme per WAP sind aber für den allergrössten Teil der Zuschauer die technischen Hürden viel zu gross. Viele Mobiltelefone, auch zum Beispiel das iPhone, haben keine WAP-Unterstützung. Die Technologie hat sich nicht durchgesetzt und ist bereits abgelöst durch mobiles Web.

Sollen die Sender nun jahrzehntelang Gewinnspiele anbieten können, bei denen man nicht gratis teilnehmen kann, nur weil das Gratisangebot auf einer Technologie, die im letzten Jahrtausend einmal als Zukunft angepriesen wurde, beschränkt ist?

Kassensturz, das solltest du anprangern!
Gesetzgeber, einschreiten bitte!

Tourismus ankurbeln am 30. November

Ferien ist etwas vom ersten, bei dem man spart, wenn man Geldsorgen hat. Darum sehen die nächsten Jahre für Schweiz Tourismus nicht rosig aus. Es sei denn, am 30. November wird die Hanfinitiative angenommen. Das würde einen merkbaren Auftrieb in der Tourismusbranche erzeugen – die Schweiz wäre plötzlich hip. Zürich und Laax und andere Destinationen könnten sich die Hände reiben.

Bisher wurde Hanftourismus nur von den Hanf-Gegnern als Argument hervorgebracht. Jeder andere Grund, wieso die Leute in die Schweiz reisen, ist willkommen. Nur Hanftouristen scheint man nicht zu wollen. Dabei sind Hanftouristen viel friedlicher als holländische Fussballfans. Wieso sollten wir diese Touristen freiwillig den Holländern überlassen?

Kurbeln wir am 30. November gemeinsam den Tourismus an!

Es sollte mehr Rudolf Strahms geben

Während alle aus der Finanzkrise dem Populismus verfallen und mit kurzsichtigen Forderungen Profit herauszuschlagen versuchen, bleibt er der Antipopulist in Person: Er warnt vor unbeabsichtigten Folgen der Abzocker-Initiative. Mit Argumenten, die während einer ganzen Arena-Sendung nicht zur Sprache kamen. Nicht gerade das, was man von einem SP-Politiker erwarten würde. Es sollte mehr Rudolf Strahms geben in der Schweizer Politik.

(Bildquelle)

Finanzexperten sind auch nur Menschen

Es ist eine Freude, jetzt nochmals ältere Zeitungen hervorzunehmen und die Verlautbarungen von «Experten» zur Finanzkrise zu lesen. Da haben sich manche zu Experten aufgespielt, ohne eine Ahnung zu haben.

Zitate der Zürcher Kantonsrats-Sitzung vom 19. Mai 2008 (via):

Robert Marty (FDP): «In typisch sozialistischer Vollkasko-Mentalität wird im Voraus nach staatlichen Lösungsvorschlägen für Probleme gerufen, von denen weder klar ist, dass sie je eintreten, noch weshalb ausgerechnet dafür auf Vorrat staatliche Lösungen zu finden sind.»

Lucius Dürr (CVP): «Es wird einmal mehr herbeigeredet, es gäbe eine totale Finanzmarktkrise, was ja so nicht stimmt… Die Branche, insbesondere die Finanzbranche, ist in der Lage, ihre Probleme grundsätzlich selber zu lösen. Ich selber bin ja im Finanzmarkt engagiert, ich sehe die Verhältnisse.» Finanzexperten sind auch nur Menschen weiterlesen